 | Halbschatten Shirley, JohnRezension von Thomas Aus der Reihe "Eclipse" In Europa ist es zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen - noch ohne Atomwaffeneinsatz. Die Neo-Sowjets waren schuld. Eine private Polizeiorganisation namens "Zweite Allianz" (ZA) wird von der NATO eingesetzt, um Sicherheit und Ordnung in den Kriegsgebieten zu gewährleisten, aber die ZA hat wesentlich weiter gesteckte Ziele: die Weltherrschaft. In den USA ist sie ebenfalls bereits weit verbreitet. Die ZA ist allerdings nicht nur eine Polizeiorganisation, die mit der fortgeschrittenen Technik um ca. 2050 im Auftrag nationaler Regierungen für Frieden sorgt, sondern auch eine Organisation rassistischer Ideologen. "Halbschatten" ist der zweite Band der Eclipse-Trilogie. Es werden mehrere Handlungsfäden beschrieben, unter anderem die Belagerung der Weltraumstation durch die Neo-Sowjets, wobei diese Weltraumstation (eher eine Raumkolonie) von einem Administrator beherrscht wird, der immer offener die Ideologie der ZA umzusetzen versucht. Ein anderer Handlungsstrang beschäftigt sich mit einer Gruppe des Neuen Widerstands, die im Mittelmeer verschiedene Einsätze und Krisen durchlebt. John Shirley beschreibt eine dunkle Welt. Saurer Regen macht es in den USA riskant, sich im Freien aufzuhalten. In der New Yorker U-Bahn werden nicht mehr die Handtaschen alleine geraubt, sondern auch gleich die Nieren. Die Präsidentin der Vereinigten Staaten läßt sich mit Rassisten ein. Die Waffentechnik hat einige ziemlich grauenhafte Fortschritte gemacht. Herr Shirley schafft es gut, die Handlungsstränge aufeinander abzustimmen; sie berühren sich, vermengen sich, driften wieder auseinander, und er bleibt dabei immer plausibel. Das war für mich überraschend, denn ich hätte nicht gedacht, daß es möglich ist, eine spannende Trilogie um das Thema "Die Nazis kommen wieder" zu schreiben. Die Motive der handelnden Personen sind in der Regel (aber nicht immer) nachvollziehbar. Es gibt zwar einige wirklich rein Gute und einige gräßliche Schurken, aber auch genügend "graue" Personen, so daß seine Welt glaubhaft bleibt. Auch der Schreibstil des Autors ist gut lesbar: knapp und ungekünstelt. Es gibt allerdings einen Punkt, an dem sich die Geister scheiden könnten: das ist die Darstellung der Gewalt. Sie ist sehr exzessiv. Das muß man abkönnen, und in meiner Bewertung habe ich das unterstellt. Für Zartbesaitete ist dieses Buch nichts; anderen kann ich dieses Buch nur empfehlen.
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