Auf der Spur des Engels Rezension von Carina Schoening Im Jahr 2228 werden immer mehr Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens von künstlichen Intelligenzen und Maschinen kontrolliert und zum Wohl der Menschheit eingeschränkt. Am Internationalen Gerichtshof ist man dazu übergegangen, dass nicht mehr menschliche Richter über Schuld und Unschuld der Angeklagten entscheiden sondern das neu entwickelte Computerprogramm „Platon“. In der Vergangenheit kam es leider häufiger zu falschen und fehlerhaften Verfahren, da Menschen nicht immer vollkommen frei von Emotionen und Objektivität waren. Platon ist dagegen absolut neutral und unfehlbar. Vor genau vierzehn Jahren hatte der Angestellte Robin Landt seine Ausbildung am Internationalen Gerichtshof angefangen. Zusammen mit seinem Freund Angelo Brugger durchlief er erfolgreich die harte vierjährige Ausbildung, die neben den normalen Bereichen wie kausale Logik. Ermittlungsmethodik, Rechtssprechung, A.I. Systeme und Suchmaschinenpraxis auch diverse körperliche und psychische Fähigkeiten forderte und förderte. Während Robin jedoch nur zur Schreibtischarbeit im Innendienst taugte wurde Angelo im Außendienst mit diversen Aufgaben von ganz oben beauftragt. Zufällig erfährt nun Robin, dass Angelo schon seit Monaten vermisst wird. Selbst seine frühere Geliebte Michele weiß nichts über seinen jetzigen Aufenthaltsort oder seine geheime Mission. Bei Nachforschungen verstrickt Robin sich in Lügen und gerät selbst unter dem Verdacht in dieser Sache mit drin zu stecken. Im Zuge der allgemeinen Globalisierung sollen alle Bereiche der Wirtschaft und der Sicherheit auf einen einheitlichen Standard gebracht werden. Zu diesem Zweck treffen sich die höchsten Delegierten und Beauftragten der einzelnen Länder an einem geheimen und abgeschiedenen Ort, dem Globe-Hotel in der Arktis. Das Hotel steht mitten in einem kleinen See auf einem alten Bohrturm. Während der Konferenz herrschen absolutes Presseverbot und besondere Sicherheitsmaßnahmen für die Politiker wie auch für das Personal. Zur gleichen Zeit versucht der Extremsportler und TV-Star Sylvan Caretti einen neuen Rekord in der Arktis aufzustellen. Das Flugzeug hat jedoch einen Turbinenschaden und muss mitten in der kalten Eiswüste notlanden. Zufällig genau in der Nähe des Globe-Hotels. Der Roman ist eine interessante Mischung aus Science Fiction, Witschafts- und Politik-Thriller. Die Grundidee der totalitären Kontrolle des Menschen erinnert stark an die Romane von Orwell und Dick. Im Gegensatz dazu haben sich hier aber die Hauptpersonen mit dem System abgefunden und bekämpfen es nicht mehr offensiv. Es ist leider zur Normalität geworden, dass man jederzeit beobachtet und abgehört wird. Psychische und moralische Reorganisierung gehört leider auch zum Berufsalltag. Die Hauptfiguren nehmen dies alles ohne Gegenwehr hin. Hauptfrage des Romans sind die Vor- und Nachteile der Globalisierung. Was passiert wenn die Falschen an die Macht kommen? Wie korrumpierbar und beeinflussbar ist die allgemeine Politik wirklich? Herbert W. Franke schreibt dabei in einem sehr klaren und knappen Erzählstil. Trotzdem schaffte er es, dass sie Charaktere dennoch lebendig und glaubwürdig wirken. Ihr Verhalten ist nachvollziehbar und menschlich. Insgesamt ein sehr spannender und nachdenklicher Roman, der vielleicht etwas länger und ausführlicher hätte sein können. Dennoch sehr überzeugend, aber nicht jedermanns Geschmack.
Eure Meinungen:
| Es gibt einen guten Roman zu dem Thema Computer- Jsutiz, SALOMON 76 aus der Mark Brandis Reihe. Der hat mich seinerzeit- ich las ihn als 12jähriger- sehr beeindruckt. Frankes Thema ist also so neu nicht. [Amseik K. Cira] |
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