 | Sie sind unter uns! Amado, Norberto LóepezRezension von Markus K. Korb Sie lassen uns nicht mehr los – die Gespensterfilme a la „Sixth Sense“. Nachdem das asiatische Kino geradezu wellenartig nach Europa und vor allem Amerika überschwappt und dort Furore macht (das „Ju-On“ Remake mit Sarah Michelle Gellar ist nach „The Ring“ das zweite Beispiel hierfür), bietet parallel dazu Spanien die interessantesten Beiträge zu diesem Subgenre des Horrorfilms. „The Others“ machte auch den letzten Horror-Cineasten klar: in Spanien liebt man nicht nur blutige Stierkämpfe und rauschende Fiestas. Dort wird ein hervorragendes Horror-Kino zelebriert, das in Europa seinesgleichen bislang vergeblich sucht. Die Spanier gehen mit großem Sachverstand und äußerst geschickt an dieses Genre heran. In der Vergangenheit (man denke hier vor allem an die Siebziger Jahre) fielen die Spanier durch trashige reitende Zombies auf. Doch spätestens seit „The Nameless“ und „The Darkness“ dürfte allen klar sein – damit ist schon lange Schluss. Spanische Regisseure haben ein Gespür für unheimliche Filmstoffe entwickelt und setzen diese einfallsreich in Bilder um. Auch „Sie sind unter uns!“ macht da keine Ausnahme. Als Juan ein Kind war, verschwand seine Schwester auf seltsame Art und Weise. Heute arbeitet Juan als Polizist und hat eine kleine Familie. Derzeit beschäftigt ihn der Fall eines seit drei Jahren verschwundenen Mannes. Mit Erschrecken muss er feststellen, dass in den letzten Jahren Tausende von Menschen spurlos verschwunden sind. Eines Tages entdeckt Juan schemenhafte Gestalten in der Stadt. Wie ziellose Untote weilen sie unter den Lebenden. Kann nur er sie sehen? Wer sind sie und was ist ihr Vorhaben? Noch ahnt der Polizist nicht, welch tödliche Gefahr von diesen Wesen ausgeht... Dem Regisseur Norberto López Amado gelingt es mit diesem Film ein wahres Meisterwerk des modernen Horrorfilms. Geschickt verpackt er seine Erzählung von den Gespenstern in rauschhafte Bilder, wovon jedes einzelne eine wahre Komposition an Atmosphäre ist. Dies gelingt ihm durch den Einsatz von Licht/Schatten ebenso wie durch Rückblenden in die Vergangenheit, die durch eine Art Patina-Effekt gekennzeichnet sind. Der Zuschauer wird konsequent im Ungewissen gehalten und erst nach und nach erschließen sich ihm die Zusammenhänge. Er bleibt damit immer auf derselben Ebene wie die Hauptperson Juan, welche auf überzeugende Weise von Carmelo Gómez dargestellt wird. Dessen Film-Ehefrau wird von Iciar Bollain gespielt, die als Julia neben ihm vom Schauspielerischen bestehen kann. Die beiden Filmkinder verdienen besondere Erwähnung, trägt doch gerade ihre Leistung dazu bei, dass man am Ende des Films mitfiebert. Der etwas reißerisch wirkende Filmtitel führt dabei ein wenig in die Irre. Hier erhält man keine Splatterkost a la „Freitag der 13te“, sondern elegant gefilmte Gruselatmosphäre, wo das Grauen zumeist aus der Seele der Protagonisten kommt. Damit befinden wir uns auf einer Ebene, die auch Edgar Allan Poe mit seiner Prosa beschritt. Kongenial wird dies vom Regisseur umgesetzt. Neu ist dabei, dass die Geistererscheinungen nicht direkt sichtbar sind, sondern lediglich als Reflexionen in Spiegeln, Pfützen und dergleichen auftauchen – ein Kunstgriff, der die Geister noch unwirklicher und damit ungreifbarer, bedrohlicher macht! Hervorragend! Weiter bleibt bis zum Schluss in der Schwebe, ob die Geistererscheinungen quasi real oder eine Ausgeburt der überreizten Phantasie der Hauptperson sind. Diese Ambiguität tut dem Film sehr gut und erhält die Spannung bis zum Schluss in großen Höhen. Die DVD von „Sie sind unter uns!“ ist mit interessanten Bonusmaterial ausgestattet: - Making of Featurette - Interviews - Originaltrailer - Teaser - Spot - Bildergalerie - Weitere DVDs Das Making of Featurette oszilliert zwischen Aufnahmen hinter der Kamera, die die Produktionsleute bei der Arbeit zeigt und Szenen des Films, welche die eben gezeigten Sequenzen wiederholen, um so die Umsetzung im fertigen Streifen darzustellen. Dadurch erhält man einen kleinen Einblick in die Arbeit des Teams. Besonders informativ sind die Interviews geraten. Hierbei stehen der Produzent César Benitez, der Schauspieler Carmelo Gómez, die Schauspielerin Iciar Bollain und der Regisseur Norberto López Amado zum Film Rede und Antwort. Die Hintergrundinformationen, die sie geben sind für das Selbstverständnis der Produktion von hoher Bedeutung. Die Trailer-Sektion bietet mit dem Originaltrailer, dem Teaser-Trailer und dem Fernsehspot gleich drei verschiedene Versionen der Filmvorschauen auf, welche tatsächlich auch unterschiedlich gestaltet sind. In der Bildergalerie kann man nochmals zur Filmmusik in den Screenshots schwelgen, welche die atmosphärischten Szenen wiedergeben. Bei „Weitere DVDs“ bekommt man noch Trailer zu anderen Filmen der Firma e-m-s zu sehen. Dabei sind: „Beyond Re-Animator“ (Brian Yuzna setzt seinen Welterfolg der „Re-Animator“-Serie fort), „Inner Senses“ (ein neuer Grusel-Streifen aus Fernost) und „Second Name“ (ein weiterer spanischer Thriller nach einer Story von dem englischen Erfolgsautor Ramsey Campbell). „Sie sind unter uns!“ besticht durch eine komplexe Story, ausgefeilte und hervorragend von den Schauspielern dargestellte Charaktere und frischen Ideen. Manch einer wird nach dem Filmgenuss nicht mehr in den Spiegel schauen können, ohne dabei ein flaues Gefühl im Magen zu haben. Mehr davon! DVD-Info Bildformat: Widescreen (1,85:1 anamorph) Tonformat: Dolby Digital 5.1 oder 2.0 Sprachen: Deutsch, Spanisch Lauflänge: ca. 104 Minuten Ländercode: 2 Freigegeben ab 16 Jahren
Eure Meinungen:
| Ich bin nicht der überschwenglichen Meinung des Autors/Kritikers Korb. Der Film ist solide Machart, lässt aber zuviel Fragen offen und es gab bei weitem schon bessere filmische Umsetzungen mit Wesen/Toten im Spiegel. Zum Schluß hätte der Film Mehr LOGIK verdient anstatt in seichter Musik auszuklingen und das unvermeidliche zu präsentieren [wolverine] |
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