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Das Buch von Eden

Meyer, Kai; Schepmann, Philipp (Sprecher)

Rezension von jpk

Ich hatte leider keine Zeit Kai Meyer nach dem Zustandekommen des Titels zu fragen - der Arbeitstitel lautete bis April 2004 noch "Magnus". Ich hätte etwas wie "Der ewige Garten" oder "Der Garten Gottes" bevorzugt. Ein einfaches "Eden" war tatsächlich auch sein ursprünglicher Titelvorschlag. Doch Lektoren, Agenten und Verlagsleiter hatten wohl auch noch ein Wort mitzureden.
Mit einem Buch hat das vorliegende Produkt nur insoweit zu tun, dass hier ein neuer Roman von Kai Meyer in Hörbuchfassung vorliegt. Aber genug der Philosophie, bzw. fangen wir damit richtig an.

Ist der Garten Eden, aus dem wir lebenden Menschen der Erbsünde wegen für immer verbannt worden sind, ein Symbol, eine Metapher oder verbirgt sich ein wahrhaftiger Ort mit göttlichen Pflanzen dahinter? Ist das Paradies der Christen mit anderen glückseligen Orten konkurrierender Religionen und Anschauungen identisch, oder hat jeder Glaube einen eigenen metaphorischen Ort des Friedens und der Schönheit? Gelangt man mit einer alten Karte oder nur nach einem lauteren Leben an diesen?

Der Fragen sind viele und nur wenige werden jemals beantwortet werden. Ein paar fiktive Antworten bietet uns Kai Meyer in seinem historischen Roman "Das Buch von Eden".

13. Jahrhundert Aelvin ist ein junger Zisterziensernovize. Doch sein Glauben ist nicht so fest wie seine Hand beim Kopieren der heiligen Schriften. Schnell ist er verführt und schleicht sich in den Wald, um dort heimlich die Tochter des benachbarten Ritters zu beobachten. Die junge Libuse ahnt sein Treiben, doch sie kann nicht davon ab, im Wald die Kräfte der Natur zu rufen. "Das Erdlicht" - entsprungen aus der Kraft der lebenden Pflanzen - gibt ihr Ruhe und Geborgenheit in einer unruhigen und unsicheren Welt. Corax ihr Vater ist darüber beunruhigt - doch das wird in Kürze die kleinste seiner Sorgen sein.

Favola entkam mit Mühe der Brandschatzung ihres Klosters in Frankreich. Dort war sie die auserwählte Hüterin einer geheimnisvollen Pflanze, die wie ein Heiligtum behandelt wurde. Doch sie ist erkrankt und es bleibt ihr nur wenig Zeit auf Erden. In dem Kloster der Eifel hofft sie und ihr Begleiter kurz verschnaufen zu können, bevor sie eine gefährliche und weite Reise antreten werden.

Albertus Magnus ist ein hoher Würdenträger der Kirche und ein Forscher in den Dingen des Glaubens und des Altertums. Er entdeckt mit Hilfe eines französischen Freundes ein ungeheures Geheimnis der Christenheit. Doch bevor sie die Forschungen weiter treiben können, geschieht ein Unglück. Andere wollen mit Gewalt nehmen, was ihnen das Schicksal anvertraut hat.

Gabriel ist der gewaltbereite Arm des Kirchenfürsten von Köln. Er und seine Wolfskrieger erledigen die Drecksarbeit für den ehrgeizigen Patriarchen. Doch sie haben seinen Segen und sind damit im Sinne Gottes unterwegs. Dies betrifft auch seinen neuesten Auftrag, die geheimnisvolle Pflanze und ihre Hüterin nach Köln zu bringen, damit dort ein Ort des Glaubens entstehe. ??? muss sich bemühen, den Auftrag zügig und gut zu erfüllen, denn ein intriganter Neider sitzt ihm im Nacken.

Das Ergebnis des Aufeinandertreffens der Protagonisten könnte schicksalhafter kaum sein. Es ist der Beginn einer langen Reise durch die halbe Welt. Und dies in unruhigen Zeiten. Denn Kai Meyer hat für seinen Roman eine historische Umgebung gewählt, wie wir sie uns heute kaum vorstellen können. Das Osmanische Reich pausiert in den Eroberungszügen, die Mongolen aber drängen von Osten und werden es in den nächsten Jahrzehnten noch tun - die mongolischen Il-Khane erobern Bagdad Ende 1257 unter Hulagu. Hulagu Ilchan ist vermutlich 40 Jahre alt und ein Enkel des Dschingis Khan. Im Auftrag seines Bruders Möngke Khan, der vierte Khaqan/Großkhan der Mongolen, eroberte er 1256 Persien, vernichtete die Sekte der Assassinen im Elburus und stürmte Bagdad. Er begründete das Reich der Ilchane (bis 1353) in den Grenzen des heutigen Iran/Iraks. Die Eroberung Bagdads Januar 1258 bedeutete das Ende eine 600 Jahre alten Kalifats.

Serbien ist ein riesiges Königreich unter Stefan Uros I. (1243-1276). In Paris gründet man die französische Universität Sorbonne. Zwischen Genua und Venedig beginnt ein Hundertjähriger Krieg. Konrad IV. (HRR) starb vor drei Jahren. Er war Herzog von Schwaben, Deutscher König, König von Sizilien und König von Jerusalem. Nach dem Tod Wilhelms von Holland im Vorjahr ist das Reich geteilt. Die rheinischen Fürsten (Köln, Mainz und Pfalz; außerdem der König von Böhmen) wählen den Grafen Richard von Cornwall, Schwager Friedrichs II. und Bruder Heinrichs III. von England, zum deutschen König. Die übrigen Fürsten von Trier, Sachsen, Böhmen und Brandenburg wählen den von Frankreich unterstützten Staufer-Enkel Alfons X. (der Weise) von Kastilien zum König, der niemals Deutschland betreten wird.

In dieser Umgebung werden wir Zeuge einer Reise voller Gefahren, wo die Angst und die Sehnsucht nach dem Paradies die Helden und ihre Widersacher vorantreiben. Doch als ob das nicht genug wäre präsentiert uns Kai Meyer noch die Geschichte einer mongolischen Prinzessin. Diese wird Opfer ihrer Liebe und eines fiesen Intriganten und wird schließlich zu der Heldentruppe stoßen. Damit hebt sich Meyer zum Glück von dem typischen Fantasy Roadmovie ab, in dem eine von Bösen verfolgte Gefährtentruppe einen Gegenstand von A nach B bringen muss - wir kennen das Muster seit Herr der Ringe bereits auswendig genug. Trotzdem lassen sich die Parallelen zu dem bekannten Muster nicht leugnen. Kai Meyer entmenschlicht die Verfolger zu klauenbewehrten Wolfsmenschen und ein, ihrem Anführer und einem fiesen Mager. Kurz vor seinem Ende ähnelt der Erzfeind der Figur Gollum aus Herr der Ringe so sehr, dass es fast schon peinlich wird.

Doch diese Parallelen sind vom Autor sicherlich nicht bewusst hervorgerufen worden. Dem Trubel um Tolkiens Verfilmung kann sich ein Fantasy-Autor nicht entziehen. So zeigt Kai Meyer in der Charakterisierung seiner Figuren auch deutlich den Unterschied. Auch das Hinzufügen des zweiten Handlungsstrangs, der endlose Kapitel völlig selbstständig verläuft, hebt das Buch deutlich ab.

Das Finale ist von Kai Meyer sorgfältig konstruiert. Natürlich können wir nicht erwarten, dass wir nun die Antworten auf die Fragen nach dem Paradies erhalten. Doch das ebenso dramatische, wie mysteriöse Ende belässt uns nur zwei Zeugen, denen wir wortwörtlich Glauben schenken können oder auch nicht.

Die technisch einwandfreie Hörbuchfassung des Romans ist durchwachsen gelungen. Während die ruhigeren Passagen sehr gut gesprochen werden, geraten Momente starker Emotionen wenig glaubhaft. Doch die in der deutlich zu verstehende Sprache und saubere Ausdrucksweise hinterlässt einen positiven Gesamteindruck.

In der Gesamtbetrachtung ist das Hörbuch ein sehr gelungenes Produkt, das ich rundweg für Freunde historischer oder phantastischer Literatur anempfehle. Spannung, Romantik und Abenteuer sind die Triebfedern eines sehr unterhaltsamen Hörbuchs.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Lübbe, Bergisch Gladbach

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Europa

Zeit:

1257

Autor:

Meyer, Kai

Verlag:

Lübbe, Bergisch Gladbach

Erschienen:

Okt. 2004

Kritiker:

jpk

ISBN:

3-785-71430-0

ISBN(13):

978-3-7857-143-10

EAN:

97837857143010

Typ:

Hörbuch

 

Kai Meyer

 

Kai Meyer wurde am 23. Juli 1969 in Lübeck geboren und ist im Rheinland aufgewachsen. Er hat in Bochum einige Semester Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studiert und anschließend mehrere Jahre als Journalist für eine Tageszeitung gearbeitet. Sein erstes Buch veröffentlichte er 1993 im Alter von 24 Jahren. Seit 1995 ist er freier Schriftsteller und gelegentlicher Drehbuchautor [mehr]

 

Philipp Schepmann

 

Philipp Schepmann ist erfahrener Hörbuchsprecher. Von Donna Leon (Venezianisches Finale - Commissario Brunettis erster Fall) bis Ken Follet (Mitternachtsfalken) hat der in Bergisch Gladbach lebende Sprecher so einiges bereits vorgelesen [mehr]

 

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