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Herr Apropos von Nichten

David, Peter

Rezension von Marcel Dykiert
Aus der Reihe "Herr Apropos von Nichten"

Herr Apropos von Nichten ist die Geschichte des gleichnamigen Knappen, der, so der Klappentext des Buches, „ein Lump, ein Schuft, ein Halunke“ ist – und das sollen noch seine besten Eigenschaften sein.

Seinen Vater hat der junge Mann nie kennen gelernt – seine Mutter ist das Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden und so konnte die Vaterschaft nie so recht festgestellt werden; wirkliches Interesse hat aber auch niemand daran gezeigt. Da Apropos Mutter aber während dieses unangenehmen Zwischenfalls feststellte, dass sie durchaus in der Lage ist, Geld mit ihrem Körper zu machen und gleichzeitig abzuschalten, verdingt sie sich als Hure und Bedienung in einer drittklassigen Spelunke in einem Dorf namens Dorf. Als kleiner Vorgriff sei mir an dieser Stelle die Bemerkung erlaubt, dass, wer diesen Kalauer nicht lustig findet, auch mit dem Rest des Buches so seine Schwierigkeiten haben dürfte, doch zurück zur Handlung ...
Apropos Mutter Maidelene verdiente sich also ihr Geld als Schankmaid und Hure und gebiert eines Tages ihren Sohn, der zwar mit einem verkrüppelten Bein, dafür aber voll ausgebildeten Zähnen zur Welt kommt. Mit denen beißt er den Wirt und Arbeitgeber und verdient sich mit dieser Aktion seinen rätselhaften Namen: Apropos.

Später, als Kind, lernt er seinen treuen Freund und Wegbegleiter Tacit kennen, dem er eine Menge verdankt: seine Eigenschaften als Kämpfer und Waldläufer und die Fähigkeit, sein verkrüppeltes Bein im Leben wie auch in einer Auseinandersetzung wenn schon nicht als Vorteil, dann doch zumindest auszugleichen.

Und so folgen wir dem Lebensweg von Apropos noch eine Weile, erfahren, immer von des Ritters Kodderschnauze selbst erzählt, wie er seine spätere Freundin und Weggefährtin kennen lernte, wie seine Mutter aus dem Leben schied und es zur Überwerfung mit Tacit kam: Denn Apropos ist ein Mann, dass kann er gar nicht oft genug betonen, dem Ehre wenig bedeutet. Sie macht ihn schließlich weder satt, noch kann er sich in sie hineinkuscheln.

Über Umwege schafft diese sonderbare Gestalt es dennoch der Knappe eines Ritters zu werden und als man ihn, vor versammelter Ritterschaft und in Gegenwart des Königs selbst, bei einem Schäferstündchen mit der Braut eines anderen Ritters trifft, schafft er es, sich derart herauszureden, dass er nicht nur nicht als Ehebrecher geahndet wird, sondern auch noch als tugendhafter Held gefeiert und mit einer äußerst gefährlichen Mission vom König persönlich davon geschickt wird.

Hier beginnt der zweite Teil des Buches, in dem aus der Biographie eine Abenteuergeschichte wird, bei der auch weiterhin ernstes mit flapsigem vermischt wird.

Der Ansatz, eine Parodie auf die üblichen Fantasy Geschichten zu schreiben ist nicht unbedingt brandneu und wurde auch schon erheblich überzeugender angeboten. Immerhin schafft es Peter David, dem ganzen doch noch eine neue Facette abzugewinnen, in dem er – und da überzeugt er schon – seiner Geschichte auch immer wieder eine Bodenständigkeit zufügt, die es von der Masse zweit- und drittklassiger Bahnhofs Fantasyliteratur abhebt. Wenn Apropos Mutter vergewaltigt wird, sie ihren Lebensunterhalt als Hure verdient oder unser kauziger Held kurz die Risiken einer Aktion abwägt und sich dann gegen einen heldenhaften Einsatz entscheidet, dann bekommt die ansonsten ebenso belanglose wie langweilige Geschichte schon einen Touch, denn man zum einen nicht erwartet hätte und der zum anderen einen erfrischenden Realismus in ein Genre bringt, in dem strahlende Ritter noch immer dominieren.
Dennoch konnte ich im ganzen Buch keinen Grund ausmachen, eine ernsthafte Empfehlung auszusprechen. Herr Apropos von Nichten ist vor allem erst einmal zu lang. Alleine die Eröffnungsepisode, die im Tod des Ritters Granit endet, zieht sich auf über 50 Seiten hin! Dabei ist dem geneigten Leser bereits nach fünf Seiten längst klar, was sich hier abspielt, wie es sich abspielt und vor allem: wie es ausgeht. Unsägliche Langweile macht sich blitzschnell breit und von Apropos angepriesener Eloquenz fehlt weit und breit jede Spur. Schnell wünscht man sich, Granit hätte den Jüngling einfach unangespitzt in den Boden gerammt und dem Trauerspiel ein Ende.
Stattdessen fängt das Leiden auf Seite 55 erst so richtig an. Es kommt einfach keine Fahrt in die Lebensgeschichte des verkrüppelten Knappens und die genau richtig eingesetzte Dosis Realismus irritiert eher, hätte sie ihren wohlverdienten Platz doch in ansprechenderer High Fantasy viel eher einnehmen sollen. Für ein derartiges schrifstellerisches Unterfangen fehlen Peter David aber eindeutig die Fähigkeiten. Neben seinem ermüdenden und langatmigen Schreibstil ist die Geschichte, die unter dem Strich übrig bleibt, weder neu, noch interessant in Szene gesetzt, die Charaktere bleiben allesamt flach und langweilig und sind zudem derart klischeebeladen, dass man sich nur wundern kann, dass sie sich so überhaupt aus dem Haus trauen und der Humor ... nun ja, über den kreativen Witz, ein Dorf Dorf zu nennen, mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden.
Wirklich unverzeihlich ist aber die lieblose Welt, die David uns präsentiert. Selbst eine mittelmäßige Geschichte kann immer noch spannend genug sein, wenn die Fantasy Welt durchdacht ist und wenigstens hier neue Aspekte beleuchtet werden. Tatsächlich findet sich hier auch die ein oder andere Perle, die aber leider vor die Sau der Geschichte geworfen wurde.
Allein die Lebensgeschichte des Königs Meander war das Highlight, dass das Buch vor dem totalen Reinfall bewahrt, aber ein Grund, es zu lesen ist sie auch wieder nicht.

Peter David, dessen Arbeiten im Comic Bereich ich übrigens sehr schätze, tut der Welt als Schriftsteller nicht unbedingt einen Gefallen. Der im Internet viel gepriesene psychologische Tiefgang der Figuren ist mir an keiner einzigen Stelle des Buches begegnet, vielmehr ist bei mir der Eindruck entstanden, dass die Meßlatte für solche Bücher einfach ziemlich niedrig hängt.
Herr Apropos von Nichten hätte es verdient, einfach unbemerkt wieder zu verschwinden, aber siehe da, es gibt schon zwei Fortsetzungen und ich fürchte, es wird nicht dabei bleiben ...

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der Redaktion von www.lesehoehle.de. Die Lesehoehle beschäftigt sich mit Neuerscheinungen im Bereich der Fantasy und des Rollenspiels sowie der Online-Literatur.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mies)

Anspruch:

(Klolektüre)

Spannung:

(Langweilig)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Herr Apropos von Nichten

Autor:

David, Peter

Verlag:

Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach

Erschienen:

Aug. 2004

Kritiker:

Marcel Dykiert

ISBN:

3-404-20493-X

ISBN(13):

978-3-4042-049-9

EAN:

9783404204939

Typ:

Taschenbuch

 

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