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Die Falter

Miéville, China

Rezension von Ashyra
Aus der Reihe "Perdido Street Station"

Willkommen in New Crobuzon, einer Stadt voller verschiedenartiger Spezies, in der alle Gesellschaftsschichten vertreten sind.
Slums und Ruinen, vornehme Geschäftsviertel, belebte Märkte, Industrie - all das formt sich zu einem riesigen, fremdartigen Gebilde, dem einzigartigen Setting der "Perdido Street Station"-Reihe.

Die Story an sich ist schnell zusammengefasst:
Isaac Grimnebulin ist ein Wissenschaftler, der alle erdenklichen Aufträge annimmt. Als ein Garuda - ein Vogelmensch - auftaucht und ihn beauftragt einen Weg zu finden, das Fliegen für ihn wieder möglich zu machen, nimmt er an - nicht zuletzt wegen der vielversprechenden Entlohnung.
Isaac scheut sich nicht davor in New Crobuzons Unterwelt nach Forschungsmaterial zu suchen, und so ist das Ergebnis seiner Untersuchungen weitreichender, als ursprünglich geplant - unabsichtlich befreit er fünf mächtige und ziemlich hungrige Wesen, die selbst dem Botschafter der Hölle persönlich Respekt einflößen...

Fantasy ist Prosa, deren Setting eine unbekannte, fremdartige Welt ist. Auf der Grundlage dieser Definition kann man getrost behaupten, dass China Miévilles "New Crobuzon"-Romane einige der wenigen ´wahren´ Fantasy-Bücher sind (vielleicht abgesehen von Terry Pratchett), auch wenn der Verlag sie in die Kategorie Science-Fiction einordnet.
Ob Science-Fiction oder Fantasy ist aber letztendlich völlig gleichgültig - Liebhaber beider Genres, die sich von Andersartigem nicht abschrecken lassen, werden "Perdido Street Station" mögen.

Schon mit den ersten Seiten wird der Leser in eine Welt hineingestoßen, die mit unserer Realität so gar nichts gemein hat: fremdartige Spezies bevölkern eine groteske Stadt - da gibt es die insektoiden Khepri, die Vodyanoi (zu deutsch "Wassergeister"), ja sogar Kaktusmenschen und die entstellten "Remade".
Die ersten zwei Kapitel lang fragt man sich, welche Drogen Miéville benutzt hat, um dieses Buch zu schreiben; nach dem dritten Kapitel beschränkt man sich nur noch darauf, den Kopf zu schütteln.
Aber wirklich interessant wird die Leseerfahrung, wenn man auch damit aufhört; wenn der Wahnsinn New Crobuzons eine Art annehmbare Realität wird; wenn man irgendwann nicht mehr überrascht ist, dass Kakteen durch die Straußen laufen, dass dampfbetriebenene Putzroboter Gefühle entwickeln oder dass die Hölle eine Botschaft in New Crobuzon unterhält.

Die wirkliche Leistung des Autors besteht nicht darin, diese fiktive Welt erschaffen zu haben - dazu hätten vermutlich gewisse bewußtseinserweiternde Substanzen gereicht - die wirkliche Leistung ist, diese fiktive Welt mit all ihren Absonderlichkeiten beinahe greifbar zu machen.
Es ist die Beschreibung, die dem Leser das Gefühl gibt, diese Welt existiere. Und "Perdido Street Station" ist ein Lehrbuch guter Beschreibung.
Viele mittelmäßige Autoren sind kaum in der Lage die Welt in der sie leben so treffend zu beschreiben, dass sie für den Leser real wird - China Miéville gelingt es mit einer seltsamen, surrealen Welt, gelegen irgendwo am Rande unseres Vorstellungsvermögens.

Eine der interessantesten Ideen in "Perdido Street Station" sind die sogenannten Remades. Remaking ist eine perverse Kunstform, die in New Crobuzon gerne und oft praktiziert wird: Man verpflanzt Gewebe oder Maschinenteile auf die Körper lebender Wesen; einer Mutter werden als Strafe für den Mord an ihrem Kind die Ärmchen des Säuglings ins Gesicht verpflanzt; es entstehen entstellte Mischwesen.
Hier kann man eine gewisse Analogie zum Roman herstellen - eine Montage und Collage aus Eindrücken, Situationen, Wahrnehmungen die uns bekannt sind, verzerrt, zerschnitten und wieder zusammengesetzt zu etwas anderem, fremdartigem, zu einer lebendigen Masse, die den Leser mit der ersten Seite verschlingt und auf Seite 558 wieder ausspuckt - mit dem unwiderstehlichen Drang, auch den zweiten Band zu lesen.

Der Roman ist sehr vielschichtig, die Handlung spielt sich gewissermaßen an allen Orten und in allen Gesellschaftsschichten, die New Crobuzon bietet ab - vor allem in der Unterwelt, aber auch auf der Regierungsebene. So lernt der Leser im Verlauf dieses ersten Buchs die Stadt und ihre Bewohner von allen Seiten kennen und Miéville erschafft eine eigenständige Welt mit all ihren Details.

Ein Glück, dass man Magier heutzutage nicht mehr verbrennt, sondern ihnen für solche Bücher Preise verleiht - den Arthur C. Clarke- und den britischen Fantasy-Award, zum Beispiel.
Und wenn es Musen wirklich gibt und sie Schriftsteller mit ihren Küssen zu Inspiration verhelfen, dann hat Miéville einen ganzen Harem voll, und es drängt sich die Vermutung auf sie haben mehr getan als nur zu küssen.

Ein großes Lob verdient übrigens auch die Übersetzerin, die den immensen Wortschatz und die teilweise fast lyrischen Passagen (des Webers) sehr gut ins Deutsche übertragen hat.

Fazit: "Perdido Street Station: Die Falter" ist ein aussergewöhnlicher Roman, der vorallem durch seine Vielschichtigkeit und den Detailreichtum, aber auch durch die neuen Ideen besticht. Für Leser, die etwas mehr als nur die gewöhnliche, konventionelle und oft simpel gestrickte Unterhaltungs-Lesekost wollen ein absolutes Muss.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Perdido Street Station

Autor:

Miéville, China

Verlag:

Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach

Erschienen:

Mar. 2002

Kritiker:

Ashyra

ISBN:

3-404-23245-3

ISBN(13):

978-3-4042-324-1

EAN:

9783404232451

Typ:

Taschenbuch

 

China Miéville

 

China Miéville erblickte 1972 in London das Licht der Welt, wo er noch immer lebt und arbeitet.
Als er 18 Jahre alt war, verdiente er sein Geld indem er in Ägypten Englisch unterrichtete; hier entwickelte er auch ein Interesse für die arabische Kultur und Lebensweise. [mehr]

 

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