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Im Reich des Glasvolks

Blazon, Nina

Rezension von André Stahl

Ein paar Worte vorweg: Mit besagtem Roman schließt die Autoren ihre dreiteilige Woran-Saga ab. Die im Überreuter-Verlag erschienen Bücher erzählen jedoch keine durchgängige Geschichte, sondern sind drei Einzelromane, die alle in derselben Welt spielen. Für den ersten Teil der Triologie „Im Bann des Fluchträgers wurde Blazon 2003 mit dem Wolfgang-Hohlbein-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2004 folgte dann mit „Im Labyrinth der alten Könige“ der zweite Teil der Triologie. Da ich die ersten beiden Romane als sehr gelungen in Erinnerung hatte, waren meine Erwartungen an den Roman entsprechend hoch, Band 3 sollte der krönenden Abschluss einer großartigen Triologie werden.

Zum Inhalt: Nun, gekrönt wird tatsächlich in diesem Buch. Ravin va Lagar, unser Protagonist, aus dem ersten Buch, ist ein betagter Mann geworden und soll nun nach dem Ableben der Königin Gisae zum König des Waldlandes Tjärg gekrönt werden, also jenes Landes, dass er vor ca. 40-50 Jahren mit einer Reihe Freunden vor dem Untergang bewahrt hat. Aus diesem Grund werden viele Botschafter und Gäste erwartet, auch aus anderen Ländern. Ravins Enkelin Jonnvinn hat jedoch andere Dinge im Kopf. Seit einiger Zeit hat sie immer wieder denselben Alptraum – sie sieht ihre Schwester, die Glasmacherin Nive mit einer Glasscherbe in der Brust. Voller Sorge um das Leben ihrer kleinen Schwester bricht Jonnvinn schließlich während der Krönung zu Pferde in das Handelsland Fiorin auf, um dort ihre Schwester zu finden und sicher wieder nach Tjärg zu bringen.
Auf dem Weg nach Ganrr, der Glasmacherstadt, trifft sie auf ein geheimnisvolles Sternentier, das im Käfig gegen entsprechende Bezahlung zur Schau gestellt wird. Kurz entschlossen beschließt Jonnvinn, das seltsame Wesen zu befreien. Obwohl ihr Vorhaben gelingt und das Wesen aus dem geöffneten Käfig entkommen kann, wird sie entdeckt und muss fliehen. Dabei stößt sie auf den Stallburschen Karis, dem ihre Flucht von der Krönungszeremonie nicht entgangen ist. Der hoffnungslos in die schöne Nive vernarrte Stallbursche beschlißt daraufhin, Jonnvinn bei der Suche nach der Glasmacherin zu unterstützen.
In Ganarr müssen die beiden jedoch erfahren, dass Nive ihre Lehre abgebrochen hat und mit einem dubiosen Priester in die Wüste gezogen ist. Als Diebe verfolgt, fliehen auch Jonnvinn und Karis in die Wüste - in Begleitung eines Linlans namens Gulunk. Dort stoßen sie nach einigen Schwierigkeiten auf die Gesuchten. Nive denkt jedoch ganz und gar nicht daran, mit Jonnvinn zurück nach Tjärg zu gehen. Sie möchte mit Hilfe des Priesters Kadas Raj und ihrer Magie die Nelai retten und aus dem Glas befreien, in das sie einst von einem der alten Worankönige gebannt wurden.
Als ob das noch nicht genug wäre, droht nun auch noch ein Krieg. Die Linlan und die skrupellosen Schamanen, die als einzige wissen, wo in der Wüste Wasser zu finden ist, ziehen gegen das Lager.
Es kommt zum Kampf, Jonn und Nive müssen verletzt fliehen und dann…

… tja, dann geht die Geschichte im Prinzip erst richtig los. Geschickt versteht Blazon es, die Spannung immerr weiter aufzubauen, bis es dann endlich zum großen Finale kommt. Zudem kreiert sie eine Vielzahl fantastischer Wesen, deren Absichten bis zu letzt unklar bleiben. Das sind dann auch mal nicht die uns schon hinlänglich bekannten Elfen, Zwerge, Orks oder Drachen, sondern ganz andere Wesen.
Da wären zum einen die Linlan, die in der Wüste leben und das Wasser hassen wie die Pest. Sie sind zwar nicht besonders groß, sollten aber trotzdem nicht unterschätzt werden.
Dann wären da die Wassersucher, die stets nur maskiert durch die Gegend laufen und im Roman ebenfalls eine große Rolle spielen.
Die Schilderungen der Nelai sind ebenso farbenprächtig wie die der Dämonen selbst, die in Tempeln und Palästen versteckt in der Wüste leben und deren Reich niemand ohne Erlaubnis betreten darf. Hier lassen sich auch noch die Martiskatzen erwähnen, die normalerweise jeden in ihrer Nähe zerreißen, sich dann und wann jedoch als Reittier benutzen lassen.
Und schließlich taucht auch das merkwürdige Sternentier wider auf, das sich als Mensch eines nun ausgestorbenen Volkes entpuppt, das die Haut wunderschöner, weißer Blüten hat. Keine Frage, Nina Blazon hat Talent, wenn es darum geht, neuen, fantastischen Wesen eine Gestalt zu geben.

Dies ist jedoch nicht das einzige Plus des Romans. Wie man das inzwischen von ihr gewohnt ist, zeichnet sich die noch sehr junge Autorin durch abgeklärtes Erzählen aus. Sicher leitet sie den Leser durch eine Geschichte, bei der man bis zuletzt noch nicht weiß, wer eigentlich die Guten und wer die Bösen sind. Des Rätsels Lösung liegt dabei wie ein großes Puzzle vor dem Leser, das sich erst nach und nach zusammensetzt. Und mit jedem Teil, das hinzukommt, wird der Leser dazu veranlasst, das bisher Geschehene zu überdenken, bis sich ihm des Rätsels Lösung schlussendlich offenbart.
Die farbenprächtigen Schilderungen des Wüstenlandes, der gewaltigen Tempel und der Glasmacherstadt Ganarr, in der alles schillert und leuchtet, sind dabei sehr beeindruckend.
Sehr schön sind auch die vielen Legenden, die Blazon in ihre Geschichte einwebt und das Buch noch fantastischer und farbenprächtiger erschienen lassen. Immer, wenn einer von Blzons Protagonisten ausholt, um eine Geschichte zu erzählen – sei es nun die von der Schaffung der Regenbogenpferde oder dem Ursprung der Nelai – kann man sich entspannt zurücklehnen und sich getrost ihren Schilderungen überlassen, die einen in längst vergangene Zeiten entführen.

Protagonisten? Man sollte bei Blazon wohl eher von Protagonistinnen sprechen. Bei kaum einem anderen Fantasy-Autoren lassen sich wohl so viele weibliche Hauptpersonen finden wie bei ihr. Auch in diesem Buch stehen mit Jonnvinn und Nive zwei junge Frauen im Mittelpunkt, worüber sich vor allem weibliche Leser freuen dürften. Nun sind weibliche Heldinnen in Fantasyromanen in den letzten Jahren zwar nicht mehr so eine Seltenheit wie noch zu Tolkiens Zeiten, trotzdem setzt Blazon auch in diesem Bereich Maßstabe.

Mit diesem Buch schließt die Autorin also ihre Triologie ab. Wer also die ersten beiden Bücher gelesen hat, sollte sich auch diesen Band unbedingt kaufen. In ihm wird nun auch endlich das ganze Geheimnis der Woran gelüftet, der Wesen, der die Saga ihren Namen verdankt und die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk ziehen. Im ersten Band war es Amina, die gegen den Woran-Fluch ihrer Mutter ankämpfen musste und beinahe selbst zur Woran wurde. Im zweiten Teil waren es die mächtigen Worankönige von einst, die mit dem Wasser des Lebens wieder erweckt werden sollten. Und im dritten Teil sind es Jonnvinn und Nive, die gegen das Erbe ihrer Großmutter, das auch in ihnen schlummert ankämpfen müssen und dabei leidvoll erkenn müssen, wie schwer es ist, der gefährlichen Macht zu widerstehen. Dabei erhält auch der Leser Einblick in die Welt der Woran und muss erkennen, dass auch diese vielschichtiger ist als bisher gedacht. Die Welt der Woran ist nämlich nicht nur unheimlich finster, sondern auch unheimlich anziehend.

Im Nachhinein kann man der Autorin auch nur dazu gratulieren, dass sie für ihre Geschichten nicht immer wieder die selben Protagonisten gewählt hat, sondern vielmehr ganz neue erschaffen hat, da sie ansonsten wohl Gefahr gelaufen wäre, sich selbst zu kopieren und dieselbe Geschichte wieder und wieder erzählt hätte. Das vermeidet sie jedoch geschickt. Wie auch in ihren anderen Romanen stellt sie hier die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere in den Mittelpunkt. Ihre Hauptpersonen sind keine Superhelden, die jede Gefahr mit einem Lächelnim Gesicht meistern. Vielmehr sind es Menschen wie du und ich, die gerade wegen ihrer kleinen Fehler so sympathisch sind. Es sind Menschen, die für ihre Überzeugungen kämpfen. Somit geht Blazon eher zu den Ursprüngen der Fantasy zurück, es muss nicht immer die ganz große Verschwörung oder ein drohender, alles vernichtender Krieg sein, der einen Fantasyroman spannend macht. Nina Blazons Werk ist mindestens ebenso unterhaltsam.

Die lieb gewonnen Helden aus den ersten Bänden werden jedoch keinesfalls aus den Augen verloren. So widmet sie die ersten Kapitel den Helden von einst. Man kann sich auf ein Wiedersehen mit Ravin, Amina, Julin, Haliz, Darian Mel Amie oder auch Skaardja freuen, was vor allem diejenigen schätzen dürften, die auch die ersten Bände gelesen haben (was man keinesfalls muss, um diese Geschichte zu verstehen, aber durchaus zu empfehlen ist). Amina erhält von Blazon auch noch eine andere Aufgabe. Ihr obliegt es, ihrer Enkelin das Geheimnis der Erschaffung der Woran anzuvertrauen, die aus der Nacht selbst gemacht wurden.

Ein Wort noch zum Cover: Dieses passt nämlich gar nicht zu den eher düster gehaltenen Bildern der ersten beiden Büchern. Auch einen Schutzumschlag sowie das so praktische Lesebändchen sucht man vergebens. Der Grund dafür liegt darin, dass sich der Überreuter-Verlag im Jahr 2005 dazu entschloss, seine Vermarktungsstrategie zu ändern. Unglücklicherweise geschah dies, bevor Blazon ihre Arbeit an diesem Werk beendete. Dafür ist dieser Roman jedoch 3 Euro billiger als die letzten beiden.

Zu beachten wäre noch, dass sich meine Inhaltsangabe nur auf die erste Hälfte des Romans bezieht. An dieser Stelle habe ich aufgehört, um nicht die ganze Spannung zu nehmen. Wer wissen will, warum Jonnvinn gegen ihren Willen die Woranmagiin ihrem Körper entfesseln muss, was Nive mit den seltsamen Steinen und Glasplatten vorhat, ob Jonn den geliebten Sternenmann Narmin nun doch für sich gewinnen kann, ob es ihr gelingt, ihre kleine Schwester vor der drohenden Gefahr zu retten und warum sie schließlich gegen ihre eigene Schwester kämpfen muss – tja, der muss das Buch schon selbst lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Ueberreuter, Wien

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Blazon, Nina

Verlag:

Ueberreuter, Wien

Erschienen:

Jan. 2006

Kritiker:

André Stahl

ISBN:

3-800-05215-6

ISBN(13):

978-3-8000-521-8

EAN:

9783800052158

Typ:

Hardcover

 

Nina Blazon

 

Nina Blazon wurde 1969 in Koper geboren. Nach ihrem Studium der Slavistik und Germanistik in Würzburg arbeitete sie an den Universitäten in Tübingen und Saarbrücken als Lehrbeauftragte. Nach einem Redaktionsvolontariat war sie in einer Werbeagentur als Texterin tätig und schrieb für Tageszeitungen. Nebenher verfasste sie ihre Romandebut, einen Fantasy-Jugendroman "Im Bann des Fluchträgers" [mehr]

 

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