 | Die Sünden der Väter Rezension von Maggy Aus der Reihe "John Rebus" Dieser Roman baut sich aus mehreren Handlungssträngen auf, die wenig miteinander gemein haben. Da ist zum einem der Fall Joseph Lintz, ein vermeintlicher Naziverbrecher, gegen den die Staatsanwaltschaft ein Verfahren plant. John Rebus wird mit den Ermittlungen betraut, doch kann er sich nicht recht darauf konzentrieren, da er gleichzeitig in einem Bandenkrieg ermittelt - fast muss man sagen mitmischt. Eine junge Frau aus Ex-Jugoslawien ist hier eine wichtige Zeugin, doch sie schweigt und wird trotz Polizeischutz entführt. Zuvor fand sie für eine Weile Unterschlupf bei Rebus Tochter, die kurze Zeit später angefahren wird und seitdem im Koma liegt. War dies ein unglücklicher Unfall oder eine gezielte Warnung aus der Unterwelt? Rebus mischt in allen Fällen mit, die keinen rechten Zugang zueinander finden. Der Plot ist somit völlig überfrachtet, wobei der Beginn der Romans sehr vielversprechend ist. Die Geschichte um den mutmaßlichen Naziverbrecher, der nun friedlich Friedhofsblumen pflegt, und die Auseinandersetzung Rebus mit dem Tatverdächtigen lassen auf einen interessanten Roman hoffen. Doch leider ergeht sich Rankin dann das Thema Unterwelt, dass er bereits in anderen Romanen ausführlich zum Thema hatte. Man gewinnt den Eindruck Edinburgh sei das Zentrum des organisierten Verbrechens und mag es dennoch nicht so recht glauben. Immerhin lässt Rankin nicht nur zwei einheimischen Banden aufeinander los, sondern auch die japanische Yakuza darf ein bisschen mitmischen. Was ist so spannend daran, dass es Rankin immer wieder zum Thema macht und sei es, wie in diesem Fall eine an sich gute Geschichte damit zu zerstören? Vermutlich fehlte dem Autor eine Idee wie er den guten Ansatz weiterspinnen könnte und hat sich leider dazu entschieden, den Roman mit dem Bandenkrieg aufzublähen. Leser, die sich mit diesen Roman zum ersten Mal an Rankin versuchen, sind zu recht enttäuscht. Obwohl sein erzählerisches Können immer wieder aufblitzt und er vortrefflich Figuren erschaffen kann, mindert der überfrachtete Plot das Lesevergnügen. Die Figur des abgehalfterten John Rebus, dessen Gradlinigkeit und mürrisches Verhalten mal eine Besonderheit war, wirkt müde und leer. Die Serie hat sich in gewisser Weise tot gelaufen, obwohl dies nicht ganz stimmig ist, denn die Erscheinungsweise der deutschen Übersetzungen stimmt nicht mit der Chronologie der Originale überein. Der vorliegende Roman erschien zum ersten Mal 1998 und warum nun mehrere Rankin-Romane übersetzt werden, die vorher völlig zurecht keine Berücksichtigung fanden, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre aber Rankin zu wünschen, sein unbestrittenes Können mit neuen Charakteren wieder aufflammen zu lassen. Vielleicht sind sich Autor und Figur zu nah, vielleicht findet der Autor keinen Ausgang aus dem Weltschmerz seiner Figur. Wie auch immer, ein Schlussstrich könnte ein Heilmittel für einen neuen Aufbruch sein. Falls Rankin gedenkt noch weitere Rebus Romane zu schreiben, rate ich dringend zu einem Mord an den Ermittler, um Platz für neue Idee zu schaffen und aus dem mittlerweile langweiligen Labyrinth an Unterwelt, Melancholie und Alkoholismus herauszukommen. Wäre es nicht zu banal, könnte Rebus nach durchzechter Nacht einfach nicht mehr aufwachen, am besten nach einem Saufgelage mit der gesamten Edinburgher Mafia. Wer Ian Rankin bisher nicht gelesen hat, sollte keinesfalls mit diesem Roman beginnen, denn das wahre Können des Schriftstellers blitzt hier nur bruchstückhaft auf. Der Roman beginnt spannend, verheddert sich dann aber leider in seine einzelnen Geschichten. Nur eingefleischten Rankin Verehrern zu empfehlen.
Eure Meinungen:
| Ein Höhepunkt der Rebusreihe. Bedeutungsschwere Kapitel für die gesamte Geschichte des schicksalsgeprägten Protagonisten. Wie soll dieser Band da zuviel des Guten, geschweige überflüssig sein? Es ist der Stil Rankins und ein zentraler Inhalt der gesamten Reihe Edinburgh in eine düstere Athmosphäre zu tauchen. Wie könnte er in diesem Band davon abrücken und ihn gleichzeitig authentisch in die Rebusserie einreihen? Die Kritik klingt für mich nach Überforderung! (Ist der "überfüllte" Plot etwa zu anspruchsvoll?) Tut mir Leid, aber als Kritiker sollten Sie das Buch studieren und nicht zusammenhangslos überfliegen. [F.F.] |
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