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Die Neuromancer-Trilogie. Drei Romane: Neuromancer / Biochips / Mona Lisa Overdrive

Gibson, William

Rezension von Dirk Götz

Die Neuromancer Trilogie (deren Bücher hier schon besprochen wurden) erschien auch als Sammelband bei Heyne.
Der Sammelband umfasst über 1000 Seiten mit Vor- und Nachwort und ist dementsprechend ein schweres Kaliber und etwas unhandlich. Auch vom Schriftbild und mit der unterschiedlichen Kapiteleinteilung der drei unterschiedlichen Romane macht er nicht viel her. Aber das schlichte Titelbild mit Hochglanzbild eines Matrixkonstrukts und der Hochglanzseite mit demselben Konstrukt als Blatt 2 machen das wieder wett.

Neuromancer
Case, ein ehemaliger Konsolenjockey, hat sich auf das Geschäfte machen in Chiba spezialisiert, nachdem man ihm bzw. seinem Nervensystem die Möglichkeit genommen hat in die Matrix einzusteigen. Mit diesen Jobs hält er sich am Leben und unter Drogeneinfluss. Doch die Geschäfte laufen nicht so gut wie sie sollten und somit steht zu Befürchten, dass in seine Gläubiger umbringen. Doch nicht seine Geschäftspartner sind hinter ihm her, sondern Molly.
Molly ist eine gefährliche Frau mit aufgerüstet Sinnen und Reflexen, doch sie soll Case nur zur Mitarbeit überreden. Jemand zahlt dafür ihn heilen zu lassen, so dass er einen Auftrag in der Matrix für ihn übernehmen kann. Diese Graue Eminenzen bezahlt auch Armitage, einen ehemaligen Special Force Soldaten, der die Organisation übernimmt. Bewaffnet mit dem neusten Deck, der aufgezeichneten Persönlichkeit von Cases Lehrmeister und einem militärischen Eisbrecher (eine Art Virus) und durch ein Toxin zur Mitarbeit gezwungen startet Case in einen Auftrag, der durch die Welt bis in den Orbit führt.
Genaueres verrate ich nicht!

Biochips
Turner ist ein echter Profi im Abwerben von Leuten von einem Konzern für einen anderen. Damit hat er sich allerdings auch viele Feinde gemacht und regeneriert gerade, nachdem sein von einer Bombe zerfetzter Körper zusammengeflickt wurde, als ihn ein neuer Auftrag ereilt.
Marly ist Kunstsachverständige auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch, doch aufgrund eines Skandals um sie und den Verkauf einer Fälschung macht sie sich keine Hoffnung. Doch Josef Virek, der wohl reichste Mensch, möchte gerade sie dafür anwerben um einen Künstler ausfindig zu machen.
Bobby möchte ein Konsolencowboy werden und nennt sich deshalb Count Zero. Doch gleich der erste Versuch in ein Firmennetz einzustecken scheitert trotz geliehenem Eisbrecher und während er einen Anfall erleidet, hat er die Vision von einem Mädchen.
Wie diese drei Handlungsstränge geschickt zusammengeführt werden, was bei einer Abwerbung durch Profis alles schief gehen kann, warum ein halbverrückter, nur noch durch Maschinen am Leben gehaltener Superreicher wirklich einen Künstler sucht und in was ein Möchtegerncowboy alles rein geraten kann, lest selbst!

Mona Lisa Overdrive
Yakuzaboss Yanaka schickt seine Tochter nach London zu seinem Geschäftspartner Swain, damit sie während der Unruhen in Sicherheit ist. Als Abschiedsgeschenk bekam Kumiko einen Geist, dies ist im Prinzip eine KI als Stadtführer mit der nur sie in Kontakt treten kann. Dort lernt sie Molly kennen, die sich mittlerweile Sally nennt, welche ihr rät vorsichtig zu sein und Mr. Swain nicht zu trauen.
Der exzentrische Kid Afrika fordert von Slick Henry einen Gefallen ein. Er soll auf einen Kerl auf einer Barre aufpassen, der an alle möglichen Geräte angeschlossen ist. Mit dabei ist die MTA Cherry mit der Slick sich anfreundet. Allerdings ist die Unterbringung nicht ganz unproblematisch, dank seines exzentrischen Mitbewohners Gentry und der illegalen Unterkunft in der sie wohnen.
Angela Mitchell ist eine Berühmtheit, die sich nach der Entziehungskur noch eine kleine Auszeit gönnt. Wie es für eine Berühmtheit gehört hat sie neben ihren Freunden im Showbiz auch Neider. Mona ist einer ihrer Fans und ihre Ähnlichkeit mit ihrem Idol hat ihr schon manchen Freier gebracht. Doch diesmal soll es ihr einen anderen Job bringen und dieser soll sie und ihren Freund und Zuhälter Eddy von der Strasse bringen.
Was Kumiko alles in London erlebt, was Molly aus ihrem Ruhestand zurückholt, wen Kid Afrika bei Slick untergebracht hat und was das alles für Apparate sind, was für eine Rolle eine Berühmtheit mit Vergangenheit (Nebenfigur in Biochips) in all dem Wirrwarr spielt und warum Monas Aussehen so wichtig ist, all das erzählt der Roman, aber nicht ich!

Das Vorwort steckt voller Lob und erzählt dem Leser auf 30 Seiten viel zur Beziehung der beiden Autoren zueinander und zur Person von William Gibson. Wer die Zeit hat (und die sollte man sich ja fürs Lesen nehmen) sollte es auf alle Fälle lesen, denn neben der blanken Information wird man hier auch unterhalten und schon auf den Roman eingestimmt.

Im Nachwort des Autors erläutert der Autor kurz die Entstehungsgeschichte seiner Trilogie.

Betreffend des Schreibstils muss ich dem Autor einfach meine Anerkennung zollen, denn hier könnte man einfach lesen nur um sich an der Sprache zu erfreuen. Es beginnt schon mit dem genialen Bild im ersten Satz, mit dem Himmel, der die Farbe eines Fernsehers hat, der auf einen toten Kanal geschaltet ist. Auf so einen Vergleich kann man fast nur neidisch sein. Das sprachliche Niveau hält sich über die drei Bände, auch wenn der Stil sich über die Jahre dazwischen weiterentwickelt hat. Auch hab ich mich fast die ganze Zeit des zweiten Bandes gefragt warum hier von einer Trilogie die Rede ist, denn vordergründig haben die Romane nur die Welt gemein. Aber der dritte schließt die Brücke der beiden Handlungsstränge in der Zukunft und führt über interessante Wege zu einem genialen Ergebnis.

Übersetzung und Lektorat sind sehr gelungen, so dass ich Leuten mit ähnlichen Englischkenntnissen wie mir wirklich den deutschen Sammelband ans Herz legen kann.

Ich möchte es kurz und knapp machen: Nicht um sonst ein Klassiker, auch wenn Cyberpunk wohl wirklich ein totgeschwiegenes Genre ist.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Gibson, William

Verlag:

Heyne, München

Erschienen:

Mar. 2000

Kritiker:

Dirk Götz

ISBN:

3-453-16410-5

ISBN(13):

978-3-4531-641-9

EAN:

9783453164109

Typ:

Taschenbuch

 

William Gibson

 

William Gibson wurde am 17. März 1948 in Conway, South Carolina, USA, geboren. Er verließ die Vereinigten Staaten 1968 nach Kanada um nicht für den Vietnam Krieg eingezogen zu werden. Er siedelte sich erst in Toronto an und zog 1972 nach Vancouver. [mehr]

 

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