 | Die letzten ihrer Art Rezension von Alassia Wenn ich Douglas Adams höre denke ich zwangsläufig an Weltall, Zukunft und andere futuristische Ereignisse. Doch weit gefehlt. In “Die Letzten ihrer Art” beschäftigt sich Douglas Adams zwar auch in gewissen Sinne mit der Zukunft, allerdings mit der Zukunft vom Aussterben bedrohter Tiere. Zusammen mit dem Zoologen Mark Carwardine sucht er nach fast ausgestorbene Delphine in China, und besucht Weiße Nashörner in Zaire. Adams selbst bezeichnet diese Reportage als “Das wichtigste, das ich jemals geschrieben haben” Diesen Stoff gibt es sowohl in der ausführlichen Buchform, als auch als gekürztes Hörbuch mit 2 CD’s, und genau über dieses Hörbuch möchte ich heute berichten: Früher schickte Douglas Adams seine Hörer per Anhalter durch die Galaxis. Ende der 80er Jahre fuhr er selbst in eine für ihn neue, zauberhaft bizarre Welt: ins Universum der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Mit dem bekannten britischen Zoologen Mark Carwardine reiste er um den Globus und besuchte Riesenechsen, herumlungernde Gorillas, flugunfähige Papageien und andere seltene Kapriolen der Schöpfung. Schauspieler und Adams-Fan Dietmar Mues liest Geschichten aus diesem fundierten, erfrischend skurril erzählten Reiseband, der zum Bestseller avancierte. »Blinde Panik« führt die Autoren zu den hörgeschädigten Delphinen des chinesischen Yangtse, eine der lautesten, dreckigsten Wasserstraßen der Welt. In »Ein Pillenschachtel-Hütchen aus Leopardenfell« bestaunen die Reisenden in Zaire Nashörner, Berggorillas und eine zu Adams´ Leidwesen nicht bedrohte Spezies: Ein zackiges deutsches Forscherteam. CD 1: China - Auf der Suche nach den sehr seltenen Flussdelphinen des Jangtse-Flusses in China, den “Baiji” begeben sich Douglas Adams und Mark Carwardine per Flugzeug nach China. Um sich auf die andere Lebensart der Chinesen einzustellen versucht Adams bereits während des Fluges sich von alten Gewohnheiten abzuwenden, indem er zum Beispiel den gesamten Rasierwasservorrat des Duty Free Wagens kauft, wohingegen er auf anderen Flügen den Wagen stets ignoriert hat. In China angekommen müssen er und sein Begleiter jedoch schnell feststellen, das es mit solch einfachen Änderungen nicht getan ist. Hier in China ticken die Uhren anders. Am erstaunlichsten scheint es zu sein, das noch so viele Chinesen leben, bei der Art wie sie sich im Straßenverkehr bewegen. Das Verkehrschaos, das hauptsächlich aus Fahrrädern besteht, scheint selbstmörderisch. Auch Kleinigkeiten wie das seltsam braune Wasser das aus den Leitungen kommt, wird zu einem echten Problem. Nach dem obligatorischen Besuch der Hauptattraktionen von Peking, wie das Mao-Mausoleum und den Platz des himmlischen Friedens geht die Reise weiter zum eigentlichen Ziel. In Tong Li sollen im Jangtse Fluß noch einige wenige Exemplare des Baiji Delphins leben, einer fast blinden Delphinart, die vom Aussterben bedroht ist. CD2: Zaire - Die zweite CD entführt uns in einen ganz anderen Teil der Erde. Nach Afrika. Genauer gesagt Zaire. Hier schildern die Aberteuerer zuerst ihre Erlebnisse mit dem hiesigen Zoll, die durch die korrupten Beamten, zu einem echten Hörerlebniss werden. Die Willkür mit der Touristen behandelt werden sucht wohl ihresgleichen, und das es keine Ausnahme war, beweisen ihre Erlebnisse bei der Ausreise aus Afrike erneut. Krokodile dürfen nicht ohne Krokodilschein angesehen werden, Berggorillas demzufolge natürlich nicht ohne Gorillaschein. Was für ein Glück für die beiden Reisenden, das sie wenigstens diesen besitzen. Douglas Adams und Mark Carwardine sind jedoch auf der Suche nach den seltenen weißen Nashörnern, die im Garamba Nationalpark leben. Auf ihrer Reise dorthin begegnen sie jedoch auch noch anderen Tierarten, wie zum Beispiel “Deutschen Forschern”, die dem Autor und dem Zoologen täglich vor Augen führen, was es heißt alles bis ins Kleinste zu planen, und immer wieder zu betonen, wie perfekt sie doch sind. Ebenso sind Moskitos, die Adams auf eine sehr nette Weise klarmachen, wer der Herr in Afrika ist, die Begleiter der langen Reise. Aufgrund ihres Affenscheines ist es den beiden Reisenden sogar erlaubt eine Gruppe von Berggorillas zu beobachten, deren Lager auf dem Weg zu den weißen Nashörnern liegt. Das gekürzte Hörbuch wird von DAV (Der Audio-Verlag) in einer zwei CD’s umfassenden Papphülle präsentiert. Anbei ist ein 12 seitiges Booklet eingeheftet, in der die wichtigsten Infos noch einmal präsentiert werden. Insgesamt dauert die Lesung 157 Minuten und ist in 20 Tracks (jeweils 10 pro CD) unterteilt. Unter der ISBN-Nummer 3-89813-228-5 ist das CD-Paket im Buchhandel oder bei Internet Buchhändlern zu beziehen. Dieses Hörbuch unterscheidet sich eigentlich von allem anderen was man von Douglas Adams kennt. Eigentlich ist es auch kein Romanstoff, sondern eher ein Reisebericht, doch dieser ist nicht trocken und ein wenig langweilig wie man denken mag, sondern humorvoll und in der unnachahmlichen Art von Adams erzählt. Die Geschichte gibt Einblick in die bedrohte Tierwelt, und zeigt wie sich die Gesellschaftliche Entwicklung auf die Tiere auswirkt. Dabei fehlt jedoch der ansonsten so oft gehobene Zeigefinger. Man hat eher das Gefühl, Adams verschleiert seine Botschaft in den Worten, in seinem hintergründigem Humor. Besonders schade finde ich, das auf dieser CD eigentlich nur zwei Teile dieses „Reiseberichtes“ Einzug gefunden haben, denn die Suche nach den Delphinen und den weißen Nashörnern sind nicht die einzigsten Abenteuer der beiden, von der BBC zusammengewürfelten, Kollegen. In der Buchvorlage finden sich da auch noch so interessant klingende Episoden wie die Begegnung mit der Echse (die übrigens auch das Titelbild des Hörbuches ziert), oder den Fund eines eigentlich schon längst ausgestorbenen Kakapo auf Neuseeland. Doch Adams beschreibt nicht nur die Tierwelt, sondern vorrangig seine Reiseerlebnisse, und es ist herrlich anzuhören, wie er versucht ein Kondom in China zu kaufen, oder die Moskitos in Afrika loszuwerden. Sein zuweilen doch sehr trockener und skurriler Humor hat mir sehr gut gefallen, und beim Hören glitt mehr als einmal ein Schmunzeln über mein Gesicht. Sehr hervorzuheben ist auch der Sprecher Dietmar Mues, der nach den ersten paar Minuten scheinbar richtig in Schwung kommt, und es immer mehr versteht den Humor von Adams in eine gute Betonung umzusetzen. Ein einfaches vom Blatt ablesen, wie man es in manchen Hörbuchproduktionen findet, ist hier wirklich nicht gegeben. Einige Male meint man sogar ein unterdrücktes Lachen in der Stimme zu hören. Dieses Hörbuch befriedigt die Erwartungen die man an einen Douglas Adams hat voll und ganz. Mit skurrilem Humor, schrägen Bemerkungen und unheimlichen Ideen wie zum Beispiel Unterwasseraufnahmen mit einem Kondom über dem Mikrofon machen es zu einer hörenswerten Ausnahme in meinem Hörbuchregal. Wer einen reinen Reisebericht sucht, ist hier garantiert an der falschen Adresse, wer einen reinen Douglas Adams sucht auch, aber wer etwas besonderes hören will, ist hier goldrichtig!
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