 | Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord Rezension von Victoria Aus der Reihe "Kommissar Adamsberg" „Paris im Griff eines harmlosen Zwangsneurotikers“ so lautet die Schlagzeile in einer französischen Zeitung. Die genannte Person malt des nachts blaue Kreise mit Kreide und platziert diverse Gegenstände in diesen Kreisen. Doch aus dem harmlosen Zwangsneurotiker wird ein mordender. Eines Tages wird eine weibliche Leiche mit durchgeschnittener Kehle in einem blauen Kreidekreis liegend aufgefunden. Es soll nicht die einzige Leiche in dieser Geschichte bleiben. Der vor kurzem aus der Provinz in die französische Metropole versetzte 45jährige Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg hat nun die Aufgabe mit seinem Mitarbeiter, Inspektor Adrien Danglard, den Täter ausfindig zu machen. Adamsberg und Danglard sind beide sehr sympathische Charaktere. Inspektor Danglard ist alleinerziehender „grenzenloser“ Vater von zwei heranwachsenden Zwillingen und einem fünfjährigen Jungen, der nicht von ihm stammte. Seine Frau war mit einem Liebhaber auf die Osterinseln gereist, um Statuen zu erforschen und war der Ansicht, „wenn`s schon soviel zu tun gebe, sei es besser, wenn alle kleinen zusammenblieben“. Vive l`emancipation! (Dank Simone de Beauvoir). Täglich ab dem frühen Nachmittag genießt er seinen Weißwein, was zuweilen eine seiner Töchter kritisiert doch aufgrund der Gutwilligkeit seiner bisherigen Vorgesetzten bereitet ihm dies keine Probleme. Auch Adamsberg mag ihn, was zu einer guten Zusammenarbeit führt, obwohl Danglard seinen Chef darum bat, ab sechzehn Uhr nicht mehr mit Schießereien oder ähnlichem konfrontiert zu werden. Kommissar Adamsberg ist das absolute Gegenteil; eher klein gewachsen und sehr charmant, ruhig, eigensinnig und alleine lebend. Er neigt zu langen und langsam gesprochenen Monologen, was ihm jedoch bewusst ist; so klärt er seinen Untergebenen sofort auf, dass er alles langsam mache – doch stets bestens überlegt! Auch im Falle von Krankheit lässt er sich nicht hetzen. So „hatte (er) lieber einen ganzen Tag Fieber, als auch nur den Krümel eines Medikamentes zu schlucken.“ Am Rande des Geschehens wird noch Adamsbergs Liebe zu Camille, einer ehemaligen Partnerin, sehr einfühlsam geschildert. Der Roman von Fred Vargas ist spannend und schön zu lesen bis zur letzten Seite. Nicht nur Freunde von literarisch erstklassig geschriebenen Kriminalromanen, sondern auch Frankreich- und Parisliebhaber kommen bei der Lektüre von Fred Vargas „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ auf ihre Kosten. So kann ich mich dem Urteil des Berliner „Tagesspiegels“ nur anschließen, das lautete: „Dies ist .. eine vielversprechende neue Stimme des europäischen Kriminalromans“. Nur eine Anmerkung zur Übersetzung des Titels: im Original lautet der Roman „Der Mensch mit den blauen Kreisen“ (“L`homme aux cercles bleus“). Der von Tobias Scheffel gewählte deutsche Titel ist sicher nicht untreffend, doch ich ziehe es vor, möglichst wahrheitsgetreu zu übersetzen.
Eure Meinungen:
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