Der Schnupfen Rezension von sgo In Neapel kommt es zu einer seltsamen Häufung von Todesfällen ausländischer Touristen. Die betroffenen Männer haben alles Eines gemeinsam: sie sind um die 50 Jahre alt, leiden an Heuschnupfen und Haarausfall. Außerdem besuchten sie ein bestimmtes Schwefelbad der Stadt. Die Männer entwickelten vor ihrem gewaltsamen Tod einen an Paranoia grenzenden Verfolgungswahn. Die Tode wurden von der italienischen Polizei regelmäßig als Selbstmord eingestuft, obwohl keine Abschiedsbriefe hinterlassen wurden und das Verhalten der Opfer sich fundamental von ihrer üblichen Persönlichkeitsstruktur unterschied. Bei den Obduktionen ergab sich allerdings kein Anhaltspunkt für ein Fremdverschulden, und auch Vergiftungen waren nicht nachweisbar. Die Kriminalpolizei kann keine gemeinsame Ursache für diese Todesfälle finden und schließen widerstrebend die Akten. Einige Hinterbliebene können und wollen sich aber nicht mit einem derartig unbefriedigenden Ende der Fälle abfinden und beauftragen eine renommierte Privatdetektei mit weiteren Ermittlungen. Aber auch diese Profis finden keinen sinnvollen Ansatz für weitere Ermittlungen und schreiten zu ungewöhnlichen Schritten: ein Amerikaner wird nach Neapel geschickt. Er passt perfekt in das ermittelte Opfer-Schema. Und er gerät in Rom in ein Bomben-Attentat... Dieses Buch von Stanislaw Lem ist der erste seiner Kriminalromane, welcher mir eher aus Zufall unter die Finger kam. Bislang kannte ich nur seine deutlich berühmteren Werke wie Solaris oder die großartigen Robotermärchen. Umso gespannter war ich nun auf dieses Buch. Ich war mir zunächst gar nicht mal so sicher, ob der vom suhrkamp-Verlag als Krimi eingestufte Roman nicht doch ein verkappter SF-Roman war, denn der Ich-Erzähler bezeichnet sich selbst als Astronauten und könnte demnach ein Bruder des Kadetten Pirx sein. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass er ein längst ausgemusterter Ersatzmann einer mal wieder verschobenen NASA-Mission ist. Weltraumtechnik wird man in diesem Buch also vergeblich suchen, und tatsächlich könnte alles in diesem Roman (bis auf die etwas seltsamen Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen von Rom) aus der Gegenwart stammen. Auf 200 Seiten kann man nun den Ermittlungen unseres frischgebackenen Versuchskaninchens folgen und Zeuge seiner Erlebnisse werden. Die logisch aufgebaute und exzellent geschriebene Kriminalgeschichte belohnt den Leser mit einem überraschenden und trotzdem überzeugenden Ende. Lem ist auch hier ein faszinierender Erzähler, welcher dank seiner wissenschaftlich fundierten Kenntnisse komplexe naturwissenschaftliche Probleme elegant in seine Bücher einzubauen versteht. Ein absolut empfehlenswertes Buch!
Eure Meinungen:
| Dieses Buch habe ich schon sehr oft gelesen. Damals habe ich auch der Drehbuchwerkstatt ein "Versuchsdrehbuch" übersendet. Da ich aber kein Profi bin und ich auch das Alter der Bewerber überschritten hatte, war es wohl nichts. Jedenfalls hatte das Deutsche Fernsehen vor, dieses Buch zu verfilmen. Leider war Lem ein sehr kritischer und schwer zufriedenstellender Mensch, wenn es um die Verfilmung seiner Werke ging. Aber vor vielen Jahren hatte er wohl mit einem polnischen Kollegen ein Drehbuch verfasst. Leider hat das Deutsche Fernsehen alles wieder umgekrempelt, so das Stanislaw sehr verbittert war und die Verfilmung ablehnte. [Steffen] |
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