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Puppenspiel

Rankin, Ian

Rezension von Maggy
Aus der Reihe "John Rebus"

Die Studentin und Tochter eines erfolgreichen Investmentbankers ist verschwunden. Noch weiß man nicht, was mit Philippa Balfour geschehen ist, aber ihr Freund David Costello wirkt verdächtig, denn das Paar hatte oft Streit. Inspector Rebus taucht am ersten Abend der Ermittlung betrunken bei dem Freund auf, was seine neue Chefin Gill Templer dazu veranlasst, ihm einen Arztbesuch zu empfehlen. Die Stimmung auf dem Revier ist alles andere als rosig. Der neuen Chefin stehen einige Kollegen skeptisch gegenüber. Eiskalt hat sie eine Untergebene ins Messer laufen lassen, als diese sich als neue Pressesprecherin blamierte.
Doch ganz so dilettantisch geht es mit den Ermittlungen in diesem Fall glücklicherweise nicht weiter. Rebus ahnt bereits, dass Philippa nicht mehr lebendig gefunden wird und diese Ahnung wird untermauert, als in der Nähe des Landsitzes der Eltern ein kleiner Sarg mit einer absurden Holzpuppe gefunden wird. Solche rätselhaften Särge tauchen in der schottischen Geschichte immer wieder auf. Die bekanntesten Puppensärge wurden 1836 von spielenden Kindern in einer Höhle auf dem Arthur’s Seat gefunden. Die rätselhafte Herkunft der insgesamt siebzehn Särge ist bis heute nicht geklärt und im Laufe seiner Ermittlung macht Rebus Bekanntschaft mit einer Ausstellungsleiterin im Nationalmuseum, die sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Rebus versucht eine Verbindung zu dem aktuellen Fund und zu der verschwundenen Philippa herzustellen. Dabei entdeckt er, dass zwischen 1972 und 1995 fünf solcher Puppensärge gefunden wurden, die alle in Verbindung mit verschwundenen Frauen bzw. Opfern von Gewaltverbrechen stehen. Rebus kramt in alten Akten, versucht damalige Zeugen zu erreichen und diese Puppen ausfindig zu machen. Ihm zur Seite steht seine Kollegin Ellen Wylie, deren Karriere als Pressesprecherin gerade gescheitert ist und die aufgrund ihres angekratzten Selbstbewusstseins keine allzu große Hilfe ist. Da von den noch aktiven Pathologen niemand Interesse hat, alte Obduktionsbefunde durchzusehen, hilft ein pensionierter Pathologe bei den Ermittlungen. Dessen ausströmender Gestank stürzt Ellen Wylie in noch größere Depressionen. Ein wahrlich tolles Gespann!

Der Krimi wäre aber nicht über 600 Seiten lang, gäbe es nicht noch eine weitere Spur, mit der sich Rebus Kollegin Siobhan Clarke beschäftigt. Sie entdeckte auf dem Computer der Verschwundenen eine geheimnisvolle Mail, die auf ein Rollenspiel hindeutet und mit Quizmaster unterzeichnet ist. Daraufhin nimmt sie Kontakt mit diesem mysteriösen Quizmaster auf und versucht dessen Identität festzustellen. Doch er lässt sich darauf nicht ein und verlangt von ihr das Spiel mitzuspielen. Da sie darin die einzige Chance sieht mit dem anonymen Quizmaster in Verbindung zu bleiben, lässt sie sich darauf ein. Er stellt ihr Rätsel, die sie bei erfolgreicher Lösung auf die nächste Stufe des Spiels bringen. Bald wird ihr klar, dass es sich hierbei nicht um eine rein virtuelle Welt handelt, denn die Lösungen führen immer wieder zu realen Schauplätzen in der Nähe Edinburghs.

Mit diesem Roman ist Rankin ein wunderbares Werk zum „Hineinkriechen“ gelungen: Der Plot ist durchdacht und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die Zahl der Hauptfiguren ist relativ groß und dennoch gibt er den Figuren genügend Raum, um sich voll zu entfalten. Das macht das Buch um einige Seiten länger, es wird dadurch aber nicht langweilig, sondern interessanter. Rebus ist noch melancholischer und sein Alkoholproblem größer geworden. Siobhan versucht einen eigenen Stil zu entwickeln und merkt, dass sie viel zu oft spricht und handelt wie Rebus. Gleichzeitig muss sie sich gegen einen aufdringlichen Kollegen erwehren, der allerdings bei den Rätseln eine große Hilfe ist.
Auch die Themenwahl ist spannend und kontrastreich: die Geschichte bewegt sich auf den Spuren in die Vergangenheit bis in die Frühgeschichte der Pathologie und ganz aktuell in die virtuelle Welt der Rollenspiele. Rankin gelingt es, diese beiden Themen nebeneinander laufen zu lassen, ohne dass diese sich zwangsläufig berühren müssen. Die Spannung zwischen diesen beiden Handlungssträngen wird nicht dadurch aufrechterhalten, dass man zum Schluss ein Aufeinanderzukommen erwartet, sondern beide stehen gleichberechtigt nebeneinander und bei beiden fiebern die Leser einer Auflösung entgegen.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Großbritannien, Schottland, Edinburgh

Zeit:

2000er

Serie:

John Rebus

Autor:

Rankin, Ian

Erschienen:

Sep. 2002

Kritiker:

Maggy

ISBN:

3-442-54546-3

ISBN(13):

978-3-4425-454-9

EAN:

9783442545469

Typ:

Taschenbuch

 

Ian Rankin

 

Rankin wurde im April 1960 in Cardenden, Schottland, geboren und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Edinburgh, London und Frankreich. Mit dem Schreiben von Comics und Gedichten begann er schon als Kind. Bevor Rankin auf die Universität ging, hatte er für seine Gedichte schon diverse Preise gewonnen [mehr]

 

John Rebus

 

Mit dem melancholischen Inspektor John Rebus hat Ian Rankin eine in Großbritannien sehr erfolgreiche Romanfigur geschaffen [mehr]

 

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