 | Der verbotene Ort Rezension von Wiebke Jean-Baptiste Adamsberg, der eigenwillige und introvertierte Kommissar aus Paris darf diesmal zu einem Polizeikongress nach London fahren. Mit von der Partie, sein Kollege Adlatus Danglard, der sich, im Gegensatz zu Adamsberg, mit der englischen Sprache auskennt und geschichtlich gut bewandert ist. Seine Kenntnisse gereichen ihm auch diesmal wieder zum Vorteil, vor allem als sie auf dem Friedhof Highgate einem schrecklichen Fall beiwohnen müssen. Am Hauptportal des Friedhofs, auf dem Berühmtheiten wie Charles Dickens und Karl Marx liegen, stehen plötzlich 17 Schuhe mit offenen Schnürsenkeln, aufgestellt in einer Reihe. Doch das Fatale daran ist, in jedem der Schuhe steckt ein Fuß, sauber über dem Knöchel abgesägt. Untersuchungen ergeben, dass die vorgefundenen Füße in den letzten 20 Jahre gesammelt und mehrfach aufgetaut und wieder eingefroren worden sind. Schockiert von dieser Tatsache und froh, die britischen Kollegen mit diesem ungewöhnlichen Fall alleine lassen zu dürfen, reisen die beiden Kommissare zurück nach Paris. Kurz darauf werden sie zu einem Mordfall gerufen, der nicht weniger schrecklich anmutet. Ein ehemaliger Gerichtsreporter wurde das Opfer eines Wahnsinnigen, der regelrecht Hackfleisch aus ihm gemacht hat. Mittels Säge, Axt und Hammer zerlegt, finden die Beamten über Hunderte von Einzelteilen des Mannes, zerstreut im Salon des Hauses vor. Einziges Indiz, ein Zettel, der auf ein kleines serbisches Dorf hinweist. Als wären es der Geschehnisse nicht genug, erhält Adamsberg die Information, dass der tote Gerichtsreporter im Ruhestand nicht das einzige Opfer dieses Wahnsinnigen ist. In Österreich gab es bereits vorher einen solchen Mord, bei dem das Opfer mit der gleichen Grausamkeit zugerichtet worden ist. Und noch eine Tatsache schockiert die Kommissare. Die Schuhe von Highgate, die sie während ihrer London-Reise unfreiwillig betrachten durften, sind französischen Ursprungs. Danglard glaubt, zwei der Schuhe als die seines Onkels identifiziert zu haben, der vor zwanzig Jahren das Zeitliche segnete. Verzweifelt beginnt Adamsberg nach der Verbindung zwischen den abgeschnittenen Füßen in London, den Massakern in Paris und Österreich und dem Hinweis auf das Dorf in Serbien zu suchen. Denn das da ein Zusammenhang besteht, sagt ihm seine Intuition und genau auf diese, konnte er sich bisher immer verlassen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, reist er nach Serbien zum Ursprung der Sage um den berüchtigten Vampir Plogojowitz. Vor Ort aber, überschlagen sich die Ereignisse, Tatsachen treten zutage, die vorher still und heimlich im Dunkeln vor sich hin schmorten und Adamsberg muss plötzlich um sein Leben bangen. Die französische Autorin Fred Vargas, die hauptberuflich als Archäologin beim nationalen Forschungszentrum arbeitet, schreibt in ihrer Freizeit leidenschaftlich gerne Krimis. Eine beachtliche Zahl davon hat sie bereits vorzuweisen und der in diesem Roman als Hauptprotagonist zutage tretende Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, ist den Lesern bei Weitem kein Unbekannter mehr. Ein wenig langsam, ein bisschen skurril, aber mit messerscharfem Verstand lässt sie ihn ermitteln und die Tatsachen auf den Punkt bringen. Mit von der Partie und immer ein wenig im Hintergrund, der intellektuell überlegene Danglard und der junge und äußerst naive Estalère. Mit dieser Ermittlertruppe hat die Autorin Charaktere geschaffen, die dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Aber nicht nur die Figuren wurden mit viel Liebe zum Detail konstruiert, auch die vorliegende Handlung entbehrt nicht einer gewissen Raffinesse. Stück für Stück wurde hier ein grausames Puzzle entworfen, das allmählich durch den beliebten Kommissar Adamsberg wieder zusammengefügt wird. Insgesamt ein stimmiges Arrangement, das den Freunden französischer Romanen ein kurzweiliges Lese- bzw. Hörvergnügen garantiert. Gelesen wird das Hörbuch von Barbara Nüsse, die vielen als Schauspielerin ein Begriff sein dürfte. Mit viel Leidenschaft spielte sie auf bekannten deutschen Bühnen, wie dem Bayerische Staatsschauspiel oder dem Deutsche Schauspielhaus in Hamburg-St. Georg und ist gelegentlich auch im Film und im Fernsehen zu sehen. Als Hörspiel- und Hörbuchsprecherin nimmt Barabara Nüsse zurecht einen festen Platz, auch in diesem Genre, ein. Mit ihrer markant daher kommenden, sonoren Stimme und einer gelassenen Erzählweise führt sie den Hörer in eine Welt, die grausamer nicht sein kann. Kombiniert mit gekonnt gesetzten stimmlichen Nuancen versteht sie es, den einzelnen Figuren einen ihr eigenen Charakter zu verleihen und dem Hörer die jeweiligen Gedanken und Gefühle lebensecht zu vermitteln. Basierend auf einer hervorragenden Intonation des Sprechertextes, schafft es Barbara Nüsse dem Hörbuch eine ihm eigene atmosphärische Dichte zu verleihen. Eine Dichte die den Hörer, hat er erst einmal angefangen sich darauf einzulassen, nicht mehr vom Haken lässt. „Der verbotene Ort“ ist ein Hörbuch, das vor allem Freunden der französischen Kriminalliteratur und Liebhabern der Romane von Fred Vargas ein besonderes Vergnügen bereiten wird. Aber auch allen anderen Krimisüchtigen wird es als ein angenehmes und spannendes Hörvergnügen im Gedächtnis hängen bleiben.
Eure Meinungen:
| Recht guter Überblick, mir fehlt noch die Information, wie lange das Hörbuch ist und ob gekürzte oder ungekürzte Leseung. [ME] |
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