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Das Zeichen des Widders

Vargas, Fred

Rezension von Arielen

Durch ihre eigenwilligen Romane um den ähnlich unkonventionellen Kommissar Adamsberg wurde die 1957 geborene Fred Vargas in ihrer Heimat aber auch international zu einer Schriftstellerin mit Weltrang. In ihrem neusten Werk lässt sie sich zudem noch zusammen mit dem Künstler Fabrice Baudoin auf ein besonderes Experiment ein. Denn „Das Zeichen des Widders“ ist kein Roman im herkömmlichen Sinne, sondern eine Graphic Novel – ein Comic.

Der Sommer in Paris ist heiß und schwül und verführt manch einen zum Leichtsinn. Wer nun die Schuld daran trägt – der alte Mann, der seine Tasche all zu unachtsam trägt oder die beiden Kleinkriminellen Gregoire und Vincent, die sie ihm einfach abnehmen bleibt offen, doch dieses Ereignis tritt eine ganze Welle von anderen los.
Zunächst sind die beiden jungen Diebe enttäuscht, denn sie finden in der Tasche nur vier Haarbüschel, einen Tierschädel, Bücher über Zauberei, einen Flakon mit einer seltsamen dunkelroten Flüssigkeit, eine Filmdose mit Zahnsplittern und eine Polizeimarke. Nur die gut versteckten 30.000 Francs entschädigen sie ein wenig.
Doch dann wird Vincent bereits am nächsten Morgen erstochen vorgefunden. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass er von dem „Widder“ ermordet wurde, einem Serienkiller, der schon eine ganze Weile sein Unwesen in Frankreich treibt.
Kommissar Adamsberg von der Mordkommission nimmt sich der Sache an und spürt schließlich auch Gregoire auf. Doch anstatt sich dem unkonventionelle Kommissar anzuvertrauen, der ihm offensichtlich nicht schaden will, ergreift der junge Dieb lieber die Flucht und versucht den alten Mann wieder zu finden, um ihn zur Rede zu stellen, nicht ahnend, dass auch der Mörder selbst seine Spur aufgenommen hat

Durch die Umsetzung in eine grafisch dargestellte Erzählung ist die Geschichte natürlich etwas einfacher gestrickt als andere Romane von Fred Vargas, da die Innensichten der Figuren nicht so deutlich zum Tragen kommen und Hinweise deutlicher gegeben werden müssen. Trotzdem besitzt „Das Zeichen des Widders“ die Atmosphäre anderer Bücher der Autorin wie etwa „Die Dritte Jungfrau“.
Skurrile Charaktere gibt es wieder reichlich, denn bei seinen Ermittlungen trifft Adamsberg auf Gregoires Familie, die ihren eigenen Traum auslebt. Obwohl sie in den Slums leben und keine Zukunftsperspektive haben unterstützen die vier Söhne ihren Vater beim Nachbau einer riesigen Skulptur, und auch der Gegenspieler hat es in sich, arbeitet er doch nicht ganz alleine, sondern versichert sich der Hilfe einer anderen Person, die genau so verrückt zu sein scheint wie er selbst.
Heraus kommt eine Geschichte die einfach und geradlinig zu sein scheint, aber auch im Comic immer wieder Haken schlagt und durch unvorhergesehene Entwicklungen überrascht.
Der Stil von Fabrice Baudoin unterstützt die eigenwillige Atmosphäre zudem. Da auf Farbe verzichtet wurde, leben die Zeichnungen allein vom Strich der Feder- und Pinselzeichnung. Sie sind sehr individuell, nicht unbedingt immer hübsch und wirken oft eher wie emotionale Skizzen, aber genau das macht ihre Stärke aus. Dazu gibt es mehr Text als erwartet, um Dialoge mit den entsprechenden Informationen unterzubringen und den Hintergrund zu vertiefen.
Diese ungewöhnliche Umsetzung dürfte allerdings nicht jedermanns (oder –fraus) Sache sein, da nur wenige Menschen Comics wirklich mögen, und die meisten auch noch bestimmte Ansprüche an die Darstellung haben. Aber die Umsetzung wird durch ihre künstlerisch individuelle Form dem Werk von Fred Vargas mehr als gerecht.

Man sollte dem Aufbau-Verlag jedenfalls viel Respekt für den Mut zollen, das Experiment zu wagen, „Das Zeichen des Widders“ als Comic heraus zu bringen, denn es zeigt, das Kriminalromane auch in einem anderen Medium durchaus die Qualität besitzen können, die man den meisten Romanen nachsagt. Allerdings muss man als Leser selbst entscheiden, ob man diesen Versuch mitmachen möchte.

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Frankreich, Paris

Autor:

Vargas, Fred

Verlag:

Aufbau, Berlin

Erschienen:

Sep. 2008

Kritiker:

Arielen

ISBN:

3-351-03250-1

ISBN(13):

978-3-3510-325-10

EAN:

97833510325010

Typ:

Hardcover

 

Fred Vargas

 

Fred Vargas lebt mit ihrem Sohn in Paris und schreibt ihre Krimis fast ausschließlich in den Ferien. Ihre Romane werden in 30 Sprachen übersetzt [mehr]

 

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