 | Fiasko Rezension von Jim Melzig Endlich hat die raumfahrende Menschheit die theoretischen und technischen Schwierigkeiten des interstellaren Fluges gemeistert und nach Jahrhunderten eines erfolglosen SETI-Projekts einen vagen Hinweis auf die Existenz einer intelligenten Spezies entdeckt. Vom Titan aus wird das gigantische Mutterschiff Eurydike auf die Reise geschickt. Obwohl es den Raum fast mit Lichtgeschwindigkeit durchkreuzt, muss es für sein Explorationsschiff Hermes den Raum krümmen, um es noch rechtzeitig im Orbit der Quinta zu plazieren, bevor deren Zivilisation das Kontakfenster verlassen hat und entweder ausgelöscht oder sich soweit entwickelt hat, dass eine Kommunikation unmöglich ist. Das Manöver, nie zuvor geprobt, gelingt und die Hermes erreicht das Sonnensystem der Quinta. Nur, zur großen Verblüffung der Raumfahrer, sind die Quintanter an einer Kontaktaufnahme nicht interessiert und verweigern jede Kommunikation. Ein hundertjähriger kalter Krieg hat ihrem Planeten ein rüstungstechnisches Patt aufgezwungen und hinterlässt zwei Machtblöcke, die nicht in der Lage und Willens sind, ihre hochgerüsteten vollautomatisierten Schutzeinrichtungen zu deaktiveren. Als sich langsam aber sicher herausstellt, dass jeder Kommunikationsversuch der Hermes ins Leere verlaufen wird, entscheidet sich die Besatzung für eine "Demonstation der Stärke" um den Kontakt zu erzwingen. Ein Fehler, denn die Demonstration endet in einem Desaster und führt die Hermes und Quinta in ein absurdes Spiel aus Drohung und Gewalt, an dessen Ende die totale Vernichtung des Planeten steht. Technisch versiert schöpft Lem aus seinem ganzen physikalischen und philosphischen Repertoire, gestaltet eine erhebliche Konzentration verlangende Lektüre, die zudem auch noch an Spannung nichts zu wünschen übrig lässt und ein Wiedersehen mit Pirx bietet oder zumindest dessen alter ego in Form einer Reinkarnation. Die Absurdität des kalten Krieges, seine technischen Raffinements, sein logischer Wahnsinn sind das Thema des Buches. Auf die Spitze getrieben, in das All verlegt und dem Menschen als Zerrspiegel seiner selbst vorgehalten. Denn obwohl er technisch in der Lage ist, gleichsam Tote zum Leben wiederzuerwecken, opfert der Mensch in schwierigen Situationen seinen Verstand den zerstörerischen Gelüsten nach Rache und Vergeltung.
Eure Meinungen:
| Es geht in dem Buch um Menschlichkeit - im Guten wie im Bösen. [MTempe] |
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