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Frieden auf Erden

Lem, Stanislaw

Rezension von Jim Melzig

Ijon Tichy, Lems Weltraumvagabund aus den „Sterntagebüchern“, wird von der Lunar Agency angeheuert, auf dem Mond nach dem Rechten zu sehen. Eigentlich gibt es zwischen den Erdmächten ein Abkommen, dass niemand den Mond betreten darf, um das Rüstungsgleichgewicht und den darauf beruhenden Frieden auf Erden nicht zu stören. Zwecks dazu haben die Großmächte ihre Rüstung Computern bzw. Robotern übertragen, diese auf den Mond verlegt und gemäß der „Doktrin der totalen Unkenntnis“ sich selbst überlassen. Nun weiß wirklich niemand mehr, was auf dem Mond überhaupt los ist und man vermutet dass er sich auf eine Erdinvasion vorbereitet. Um dies abzuklären erhält Tichy die erforderliche Ausnahmegenehmigung, begibt sich auf eine Umlaufbahn und erkundet den Mond mit Hilfe von sogenannten Sendlingen, per Bewußtseinsübertragung gesteuerte Aufklärungsroboter. Als ein Sendling nach dem anderen den Verteidigungsmechanismen des Mondes zum Opfer fällt, schlüpft Tichy in den Prototypen eines dispersen Sendlings, eine Art Roboterwolke aus Nanopartikeln. Auch diese Technik bringt leider nicht den gewünschten Erfolg, im Gegenteil, Tichy erleidet eine Pseudokallotomie, nach der sich seine beiden Gehirnhälften nun autark verhalten und ihm dadurch einige Probleme bereiten. Doch sein gespaltenes Ich ist nicht das einzige was Tichy mit auf die Erde zurückbringt und somit wird trotz aller konkurrierenden Geheimdienstaktivitäten der Mond die irdische Zivilisation grundlegend verändern.

Lem karikiert in erster Linie den kalten Krieg und den Irrsinn des Wettrüstens der 80er Jahre. Seine Fiktion von der sich völlig verselbständigten, autoevolvierenden Rüstung ist nicht nur faszinierend, sondern in ihrer Schilderung auch plausibel, da er auf bereits bestehende oder gerade entstehende Technologien zurückgreift. So verwendet Lem schon im Jahr 1984 Nanopartikel und Computerviren, um die Evolution seiner Maschinen voranzutreiben. Intelligent und vielseitig zündet der Autor ein Feuerwerk kurioser und aberwitziger Einfälle, in dem Begriffe wie Sadistik, Algomatik, Fernentäußerung, Teletopismus, autodisperse Atomwaffen, Kryptokryptik, nur um ein paar zu nennen, amüsieren und vortrefflich unterhalten. Mit seinem typischen skurrilen Humor, Lem treibt z.B. Tichy in seinem kallotomischen Zustand von einer grotesken Situation in die nächste, gelingt dem Autor ein großes Werk der Science Fiction Literatur.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Lem, Stanislaw

Verlag:

Suhrkamp

Erschienen:

Jan. 1988

Kritiker:

Jim Melzig

Typ:

Taschenbuch

 

Stanislaw Lem

 

Stanislaw Lem, geboren am 12. September 1921 in Lwòw, dem galizischen Lemberg, lebt heute in Krakow. Er studierte Medizin und war nach dem Staatsexamen als Assistent für Probleme der angewandten Psychologie tätig. Privat beschäftigte er sich mit Problemen der Kybernetik, der Mathematik und übersetzte wissenschaftliche Publikationen [mehr]

 

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