 | Solaris Rezension von Jim Melzig Über dem globalen Ozean des zwei Sonnen umkreisenden Planeten Solaris schwebt eine Forschungsstation. Die großen Tage wissenschaftlicher Untersuchungen der fremden Welt sind vorüber und somit erwartet der Forscher Kelvin bei seiner Ankunft auch nichts Außergewöhnliches. An Bord jedoch angekommen, befremdet ihn der verwahrloste Zustand der Station, die Unordnung, die abgeschalteten Automaten und der ungepflegte und abgehärmte Snaut, der nichts präzises zu dem Tod eines Besatzungsmitgliedes äußern möchte und dubiose Hinweise auf Gäste gibt. Zu dem verbliebenen Forscher Sartorius gelingt Kelvin nur ein indirekter Kontakt, da sich dieser in seinem Labor verbarrikadiert hat. Und tatsächlich, nicht lange nach seiner Ankunft bekommt Kelvin Besuch von seiner verstorbenen Frau Harey. Zunächst vermutend, wahnsinnig geworden zu sein, versucht der Forscher dieses Phänomen einer krankhaften Einbildung zuzuschreiben, muss jedoch durch mathematische Selbsttests erkennen, dass Harey keine substanzlose Phantasiegeburt sondern Realität ist. In Gesprächen mit Snaut und durch Studien in der Bibliothek findet Kelvin als Ursache der Gäste den Ozean von Solaris, der sich als gigantische Lebensform aus den Erinnerungen und der Psyche der Wissenschaftler bedient, um die ihm fremde Spezies zu erforschen. Sicher ist Solaris eines der herausragendsten Werke des klassischen Science Fiction und bestimmt kein Liebesroman, wie vielerorts behauptet wird. Lem beschreibt nicht nur ein völlig neues zwar fiktives, aber durchaus plausibles Forschungsgebiet, mit kontroversen Hypothesen, Publikationen, wissenschaftlichen Koryphäen, Dogmatikern, Geschichte und Strömungen, Perioden und benennt es Solaristik, sondern bettet in diesen Hintergrund eine ebenso faszinierende Geschichte, die philosophische Denkanstöße im Sinne der cartesianischen Metaphysik bietet. Lems ozeanische Lebensform ist so fremdartig, wild und unverständlich, dass es nur folgerichtig sein kann, dass die plumpen Kontaktversuche des Menschen auch nach Jahrzehnten keine wirklichen Resultate erbringen und jeder Versuch anthropozentrischer Interpretationen des regen Ozeangeschehens zum Scheitern verurteilt ist. Besonders beeindruckt die bildhafte Ausdrucksweise des Autors, die mit ihren Farbenspielen der Sonnenauf- und untergänge über Solaris, der daraus resultierenden wechselnden Belichtung des Interieurs der Station und den mannigfaltigen Metamorphosen des Ozeans, das Vorstellungsvermögen des Lesers aufs Äußerste strapaziert.
Eure Meinungen:
| Diese Rezension ist von einem Analphabeten verfaßt worden. [Wuffi] |
| Das Buch ist ein Meilenstein und die Rezension ist gut. [matze p.] |
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