 | Der vierzehnte Stein Rezension von Maggy Aus der Reihe "Kommissar Adamsberg" Kommissar Adamsberg und sein Team bereiten sich auf eine Dienstreise nach Kanada vor, wo sie an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen werden. Auf erfrischende Weise lädt die Autorin Fred Vargas ihre Leser ein, die schrulligen Eigenarten ihrer Figuren kennen zu lernen. Zum Beispiel Danglard – ein Kerl von einem Mann – wäre da nicht die fürchterliche Flugangst, in die er sich herrlich reinsteigern kann und er sucht verzweifelt einen Ausweg, nicht mit diese Maschine fliegen zu müssen, deren Absturz fast schon so sicher wie ein Naturgesetz ist. Diese Panikattacken, die sich ins Absurde steigern, sind aber nichts im Vergleich zu Adamsberg Obsession: Er jagt schon seit Jahren einem Serientäter hinterher, der Menschen mit einem Dreizack ermordet und dem es immer gelingt anderen die Schuld für die Tat in die Schuhe zu schieben. Eines dieser unschuldigen Bauernopfer ist Adamsberg Bruder, weswegen seine Verbissenheit in diesem Fall nachvollziehbar ist. Wenn dies noch erklärlich ist, wird es spätestens dann absurd, wenn er zugeben muss, dass der Täter seit 16 Jahre tot ist und selbst wenn sein Tod nur vorgetäuscht ist, müsste er jetzt ein alter Greis sein, der kaum noch in der Lage wäre Menschen umzubringen. Oder doch? Darüber philosophieren Adamsberg und Danglard bevor sie sich auf die Dienstreise begeben. Tatsächlich landet die Maschine unversehrt und auch die Heimreise gelingt. Dazwischen hatten die Pariser Polizisten eine nette Zeit und Vargas spielt mit dem „Kulturunterschied“ zwischen den Franzosen und Kanadiern. Die Übersetzerin Julia Schoch konnte das Befremden der Franzosen über das derbe Kanadisch-Französisch wunderbar in die deutsche Übersetzung retten. Ein dickes Lob! „Mich amüsiert, Berthe, dass Adamsberg uns so voll verarscht hat. Er hat Laliberté richtig schön durch ´n Kakao geschleift“. „Ich möchte dich nicht vom Lachen abhalten, aber momentan sind wir`s, denen auf die Pelle gebenzt wird“. (S 293) „…Und du? Mit wem arbeitest du zusammen?“ „Mit der Zartverpflegten. Kannsta mir noch mal ihren Namen sagen?“ „Zartverpflegt?“ „Dick“, übersetzte Sanscartier verlegen (S. 182) Was das alles mit dem mörderischen Dreizack-Greis zu tun hat? Erstmal nichts. Doch alles fügt sich wunderbar zusammen. Vargas mutige Idee, ihren Protagonisten einem toten Serienmörder hinterher zu jagen, kann eigentlich nur in einen enttäuschenden unlogischen Schluss enden. Aber diese scheinbare Zwangsläufigkeit tritt nicht ein. Man lässt sich auf das Spiel ein und verfolgt gebannt den Fortgang des Geschehens. Die Geschichte wird schneller, atemberaubend und dramatisch, so dass man das Buch gar nicht zur Seite legen mag. Vargas verbindet ihren schönen Schreibstil mit ungewöhnlichen Geschichten und Figuren zu herausragenden Romanen, die ihresgleichen suchen. „Der vierzehnte Stein“ ist ein besonders Beispiel für ihr Können Spannung, Poesie und Humor in Einklang zu bringen. Ein außergewöhnlicher Roman, der sich durch kraftvolle Sprache, Humor und Spannung auszeichnet.
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