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Baby

Stölzl, Philipp

Rezension von Sunfest

Bühnenbildner, Kostümgestalter, Schreiber von zwei Musicals – unter anderem an den Bühnen der Münchner Kammerspiele und des Deutschen Theaters in Berlin aktiv. Dann der Branchenwechsel nach Wien und die Arbeit als Art-Director mit dem Popart-Medium schlechthin: Video-Clips. Es folgen Produktionen für Die Ärzte, Marius Müller Westernhagen, Rammstein und Madonna – inzwischen auch Evanescence und Pavarotti. Man merkt dem cineastischen Debüt von Philipp Stölzl deutlich an, dass hier ein Geist mit viel Feingefühl, vor allem aber auch mit großer inszenatorischer Erfahrung und Hingabe am Werk war. Der Film Baby bringt eine stimmungsvolle und atmosphärisch sehr dichte Ballade auf die Bildfläche. Komponiert eine Harmonie der besonderen Art – tragisch und komisch zugleich, auf der einen Seite authentisch, intensiv, lebensnah, auf der anderen Seite kunstvoll arrangiert und poetisch in Szene gesetzt. Thema: Das Leben in seinen mannigfaltigen Facetten, seiner Einzigartigkeit und seinen Irrwegen.

„Du merkst wohl nichts, Paul. Oder hältst du nur die Fresse?“ Es ist windig, das Wetter mittelmäßig, die Szene einsam, überzogen von einem Hauch Tristesse. Frank und Paul sind gute Freunde. So scheint es zumindest. Zusammen mit ihren beiden Freundinnen, Elisabeth und Julia, machen sie Urlaub an der holländischen Küste. Zwei wacklige Zelte zwischen Dünen und struppigem Sandgras. Es gibt Pommes mit Ketchup. Mit von der Partie, Lilli, Franks Tochter. Paul schenkt dem Kind viel Aufmerksamkeit, während sich Frank lieber an Pauls Freundin heranmacht. Als Lilli beim Baden am menschenleeren Strand verunglückt, ist es Paul, der das kleine Mädchen vor dem Ertrinken rettet. Zügig rückt das Kind in den Mittelpunkt. Dann ein Autounfall. Lilli sollte ins Krankenhaus gebracht werden, die beiden Freundinnen der Männer sterben. So wird das Mädchen zum neuen Bindeglied zwischen Paul und Frank und es entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft zwischen den dreien. Jahre später wird Lilli allmählich erwachsen. Man wohnt immer noch zusammen, irgendwo in einem tristen, grauen Wohnblock. Doch im Inneren der Gemeinschaft herrscht Glück, Quell dessen ist Lilli selbst. Ihr Papa Frank und ihr einstiger Retter Paul arbeiten in einem kleinen Stripclub, ein eingespieltes Team, der eine Türsteher, der andere Barkeeper. Frank liebt seine Tochter über alles, außerdem Gedichte – und natürlich Fußball. Paul ist vielleicht ein großer Bruder für Lilli, beizeiten aber eher eine geisterhafte Erscheinung; er rettete dem Kind das Leben und zugleich brachte er Julia und Elizabeth den Tod. Nagende Gedanken an Schuld, lichte Momente bringen da nur das Zusammensein mit der Stripperin Lana, Modellbau – und natürlich Fußball. Doch dann beginnt die Heiterkeit im Inneren langsam verblassen. Vielleicht ist es der erschossene Lagerwächter im Makro Markt. Vielleicht aber auch die fälschlicherweise gelieferten Brathähnchen. Denn Lilli lernt Tommy kennen und Frank bekommt, ganz der Vater, Angst um seine Tochter. Natürlich kann sich da ein Weis&Hickman Duo nicht gegen einen Fjodor Dostojewski durchsetzen – Tommy fliegt im hohen Bogen raus und rasselt bei Frank durch, bis nach ganz unten. Es ist die Unsicherheit, die Lilli und Paul bald darauf zusammen treibt. Eine Nacht mit Folgen, denn die fünfzehnjährige Lilli wird schwanger. Das Glück, welches sich nach dem Tod von Julia und Elisabeth etabliert hatte, bröckelt immer stärker und zerfällt schließlich zur Gänze, als Frank in Rage Tommy erschießt – den er für Lillis Schwangerschaft verantwortlich macht. Ein grinsender Kommissar. Der Vater Frank wandert in den Bau, der Mörder Paul flieht nach Holland – begleitet von der jungen, werdenden Mutter Lilli. Doch das ist nicht das Ende. Verletzte Gefühle binden aneinander, genauso wie Freundschaft.

Baby ist ein besonderer Film. Trist und traurig, schön, aber auch immer wieder humorvoll – oft überlagern sich die Emotionen stark, so dass man nicht recht weiß, ob die leichte Träne im Augenwinkel auf Komik oder Tragik zurückgeht. Insgesamt ein Werk bei dem alles wunderbar zusammenpasst. Die Präsentation und Szeneneinstellungen, die schwermütige Musik von Ingo Ludwig Frenzel und vor allem die Glanzleistungen der Schauspieler. Gerade die Hauptdarsteller verkörpern sehr menschliche Charaktere, wobei jeder unverkennbar als Unikat daherkommt. Man muss Philipp Stölzl wohl uneingeschränkt Recht geben, dass eine andere Besetzung im Nachhinein undenkbar scheint. Lilli, gespielt von Alice Dwyer (jüngst in „Erbsen auf halb sechs“ in der Kinolandschaft unterwegs), brilliert in der Mitte der beiden grundverschiedenen Männer; auf der einen Seite der selbstbewusste, zielstrebige Frank, gespielt von Filip Peeters, auf der anderen Seite Paul, verschüchtert, unsicher, zögerlich, gespielt von Lars Rudolph – der einmal mehr zwischen Woyzeck und Kinski eine ganz persönliche Glanzleistung aufs Parkett legt. Bild- und Tonqualität der DVD sind tadellos; Untertitel sind auf Deutsch, Englisch und Französisch vorhanden. Die Extras der DVD – Audiokommentar, Bildergalerie, drei gelöschte Szenen, sowie ein Interview mit dem Regisseur Stölzl und der Filmtrailer – machen das Ganze noch runder als es ohnehin schon ist. Lediglich die Sequenzen aus dem Casting sind von grausamer Qualität – zwar wird dies eingangs erwähnt, doch kickt dieser Part den DVD Player kurzzeitig komplett aus dem Rennen. Da hilft nur Aus- und wieder Einschalten und keine Panik. Aufgrund der Thematik und der dem Werk innewohnenden Traurigkeit wird Baby wahrscheinlich zwar nicht jedem gefallen, aber wer Balladen liebt und großartige Schauspieler in Aktion sehen möchte, dem sei dieser Film ans Herz gelegt.

DVD-Info Bildformat: 16:9, 2.35:1 Tonformat: Dolby Surround Sound, PAL (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1) Sprache: deutsch Laufzeit: 99 Minuten FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Datenbank:0.0014 Webservice:0.0908 Querverweise:0.0065 Infos:0.0011 Verlag,Serie:0.0003 Cover:0.0002 Meinungen:0.0010 Rezi:0.0001 Kompett:0.1017

 

Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(keine Angabe)

Brutalität:

(keine Angabe)

Ton:

(Gut)

Bild:

(Gut)

Menüs:

(Gut)

Ausstattung:

(Gut)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland & Niederlande

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Stölzl, Philipp

Erschienen:

Jan. 2005

Kritiker:

Sunfest

Typ:

DVD

 

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