Online Rezensionen->DVD->Solaris  

Zurück zur Startseite des X-Zines Diskutiert mit uns Unterstützt uns durch Bestellungen Fantasy-Bücher und -Geschichten Science-Fiction-Bücher und -Geschichten Horror-Bücher und -Geschichten Rollenspiele Trading Card Games PC- und Konsolenspiele Musik Comix

Bedienungsanleitung

Zurück zur Startseite des X-Zines

Erweiterte Suche

Solaris

Tarkowskij, Andrej

Rezension von Markus K. Korb

Es war noch mitten im kalten Krieg, dass ein russischer Filmemacher auf den Filmfestspielen in Cannes mit einem Film für Aufsehen sorgte. Andrej Tarkowskij präsentierte dem staunenden Westen eine SF-Gourmetstück, das in punto Tiefgang locker mit Stanley Kubricks visionärem „2001 – A Space Odyssee“ mithalten konnte – „Solaris“.
Für seine philosphische Fabel von der Raumstation, die über dem Planeten Solaris kreist, erhielt Tarkowskij 1972 den Spezialpreis der Jury auf dem Filmfestival in Cannes.
Der Streifen basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stanislav Lem, der schon längst Kultstatus unter den Liebhabern von anspruchsvoller Science-Fiction Literatur erlangt hat.
Die Icestorm Entertainment GmbH veröffentlicht den Film hierzulande nun auf einer gut ausgestatteten DVD.

Inhalt:
Der Psychiater Kris Kelvin wird zum Planeten Solaris geschickt, um mysteriöse Ereignisse auf der dortigen Forschungsstation aufzuklären. Der Planet spiegelt als kollektives Bewusstsein gleich einem unendlichem Ozean die Erinnerungen, Ängste und Wünsche der Kosmonauten wider und materialisiert ihre Gedanken. Kelvin trifft bei seiner Ankunft auf die übrig gebliebenen beiden Mitglieder der ursprünglich 85-köpfigen Besatzung. Die anderen starben aus unerklärlichen Gründen oder brachten sich um. Kelvin selbst begegnet kurz nach seiner Ankunft seiner Frau, die Jahre zuvor Selbstmord begangen hatte und für deren Tod er sich schuldig fühlt. Das Forschungsvorhaben wird für die Besatzung des Raumschiffs zur metaphysischen Reise in die Innenwelt ihrer eigenen Kultur und an die Grenzen des menschlichen Seins.

Kritik:
Die Inhaltsangabe wird dem Film kaum gerecht, dreht er sich doch um viele philosophische Fragen, auf die er bewusst vielschichtige Antworten sowohl in Bild als auch in Wort gibt.
Vom Handwerklichen aus gesehen, ist „Solaris“ ein ruhiger Film. Tarkowskij lässt sich Zeit, gibt den Bildern der Kamera Zeit sich zu entfalten und im Zuschauer nachzuwirken. Die Schwenks und Schnitte sind mit Bedacht gesetzt. Die Ausstattung der Raumstation wirkt für die damaligen Verhältnisse stimmig und passt hervorragend zum Inhalt des Films. Zum Teil wirkt die Solaris-Station klinisch steril, dann wieder schmutzig. Nie kann sich der Zuschauer sicher fühlen, dass nicht hinter der nächsten Ecke etwas Unheimliches ihn erwartet. Die Atmosphäre ist erdrückend surreal.
Womit wir schon beim eigentlichen Thema des Films wären. Im Buch „Solaris“ von Stanislav Lem nimmt sich der Autor verschiedener Schwerpunktfragen an, wie zum Beispiel das Problem, ob Menschen prinzipiell dazu in der Lage sind, Kontakt mit einer außerirdischen Lebensform aufzunehmen, oder ob dies schon an der Tatsache der fehlenden gemeinsamen Denkmuster scheitert. Dies greift Tarkowskij nur am Rande auf. Für ihn steht ganz klar die philosophische Frage im Mittelpunkt, ob die in der Raumstation auftauchenden Personen real oder irreal sind. Anders ausgedrückt: in welchem Verhältnis steht das Ideelle zum Materiellen.
Es ist ein hoher Verdienst des russischen Filmemachers, dass er diese höchst komplexe und von Philosophen schon jahrhundertelang diskutierte Frage in das Zentrum eines Science-Fiction Filmes rückt, ohne dass dabei ein verkopfter Filmkunst-Streifen herauskommt. Andrej Tarkowskij gelingt das Meisterstück, den philosophischen Inhalt seines Films derart spannend in eine Handlung zu verpacken, dass er vielen Menschen wahrscheinlich gar nicht auffallen wird. Dennoch spürt ein jeder, dass es hier um existenzielle Fragen geht, und die Antworten darauf muss ein jeder Zuschauer selbst finden.

Bonusmaterial
An Bonusmaterialien finden sich auf der DVD folgende Tracks:
- Biografie und Filmografie des Regisseurs Andrej Tarkowskij
- Bildergalerie
- „Solaris“ als Grundfrage der Philosophie; Dr. Michael Rosenhahn kommentiert
Besonders der letzte Track ist sehr wichtig, will man den Film in seiner Gesamtheit und aller Tiefe genießen. Ich empfehle zunächst den Film unbedarft anzusehen und sich nachher diesem Kommentar zu widmen. Sieht man „Solaris“ dann ein zweites Mal, erschließen sich einem neue Verknüpfungen.

Fazit:
„Solaris“ ist ein Meisterwerk des anspruchsvollen Science-Fiction Films. Sein Einfluss auf weitere Filmemacher kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Steven Soderbergh hat unlängst seine Begeisterung für „Solaris“ kundgetan, indem er ein Remake mit George Clooney in der Hauptrolle in die Kinos brachte. In einer Zeit, in der Blockbuster nur noch aus einer Aneinanderreihung von Special-Effekten zu bestehen scheinen, ist „Solaris“ eine wohltuende Ausnahme. Ebenso wie Tarkowskijs Film „Stalker“ nimmt „Solaris“ den Zuschauer ernst und schickt ihn auf eine Reise an einen weit entfernten Ort, der sich jedoch als näher entpuppt, als man zunächst glaubte – das Wesen des Menschen schlechthin.


Markus K. Korb


DVD Daten:
Bild: 1,85:1 (4:3 LB)
Farbe
Audio: Deutsch Dolby Digital Mono
Regional Code: 2 (PAL)
Animierte Kapiteleinteilung
159 Minuten

Datenbank:0.0014 Webservice:0.0820 Querverweise:0.0062 Infos:0.0006 Verlag,Serie:0.0003 Cover:0.0001 Meinungen:0.0006 Rezi:0.0001 Kompett:0.0914

 

Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

Links

 

Shopping:
kauf mich amazon

Mehr von Andrej Tarkowskij:
Stalker

Infos Icestorm Entertainment GmbH:
Produkte im X-Zine

Navigation:
Zurück
Druckerversion

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Tarkowskij, Andrej

Verlag:

Icestorm Entertainment GmbH

Erschienen:

Nov. 2003

Kritiker:

Markus K. Korb

ISBN:

3-423-10177-6

ISBN(13):

978-3-4231-017-6

EAN:

9783423101776

Typ:

DVD

 

  [mehr]
 

Werbung

  www.tividi.de
 
AMANGO - Kino per Post