Die Insel des Todes Rezension von Torsten Scheib Dass Markus K. Korb längst zu den wichtigsten Genregrößen im Bereich der dunklen Phantastik gehört, dürfte inzwischen bekannt sein. Zahlreiche Beiträge in diversen Anthologien (wie etwa zuletzt die tolle Story „Die Wiege“ in der im Basilisk-Verlag erschienenen Sammlung „Arkham - Ein Reiseführer) und nicht zuletzt seine letzten Werke (z. Bsp. „Nachts“, erschienen im Eldur-Verlag) belegen dies und beweisen zudem auf meist sehr beeindruckende Art und Weise Korbs unnachahmliche Art, Spannung und düstere Atmosphäre zu erzeugen; geschrieben in einem Stil, der sich sehr an jenem von klassischen Schauerautoren wie Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft oder Ambrose Bierce orientiert, gleichzeitig aber dennoch eigenständig genug ist, um den Stil eindeutig als den von Korb auszumachen. So schlägt man eben erfolgreich Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Mit der „Insel des Todes“ legt Korb nun einen weiteren Erzählband vor, der sich zwar - zumindest dem Zusatz auf dem Titel nach - thematisch der Gespenstergeschichte zuwendet, aber nicht nur ausschließlich von verlorenen Seelen oder nach Rache dürstenden Toten handelt. Stattdessen beweist Korb mit praktisch jeder einzelnen Geschichte, wie weit sein - beeindruckendes - Spektrum reicht. Den Auftakt macht die Geschichte „Schatten“. Oberflächlich eine weitere Geschichte über ein weiteres verfluchtes Herrenhaus, doch Korb macht mehr draus. Genau der richtige Anfang! Weiter geht es mit „X bedeutet Schatz“ - einer meiner Lieblingsgeschichten in dem Buch. Eine Handvoll Abenteurer folgen den Beschreibungen einer Schatzkarte auf eine einsame Insel - und werden fündig … Großartige Atmosphäre und eine fantastische Schilderung der isolierten Protagonisten. Der Schrecken kommt langsam, aber gewaltig! Auch „Das Gesicht am Fenster“ spielt wieder in maritimen Gestaden (offenbar ein Faible des Autors) und handelt von den Erlebnissen eines kleinen Jungen bei seinen, auf einer kleinen Insel in der Nordsee lebenden Großeltern zur Zeit des zweiten Weltkrieges und den dort stattfindenden, unheimlichen Geschehnissen. Gut und solide erzählt. Der „Schattenverwobene Pavillon im Licht der ringförmigen Sonne“ zählt m. M. zu den schwächeren Geschichten des Bandes. Zwar erzeugt Korb auch hier eine unnachahmliche Atmosphäre, doch bleibt die Geschichte eines Mannes, der sich nach seiner einstigen Geliebten sehnt ohne den gewünschten Effekt. Was man von „Van Deres Gewächshaus“ nicht behaupten kann. Hauptperson ist der titelgebende Henri Van Dere, der einer jungen und neugierigen Blumenverkäuferin sein düsteres Geheimnis offenbart - mit entsetzlichen Folgen … Tolle Geschichte - und perfekt abgerundet von einen passenden, schön düsteren Ende! Gleiches kann man auch vom „Bungalow am Strand“ behaupten, in der der Autor auf ziemlich hässliche Art und Weise demonstriert, was so alles passieren kann, wenn man sich bei einem Rendezvous mit dem Falschen verabredet. Dem folgt ein junges Pärchen, das im „verbotenen Hain“ auf uralte und längst vergessene Götter trifft. Mit der darauffolgenden Geschichte, „Lost in America“ hinterfragt Korb auf nachdenkliche Art und Weise den amerikanischen Traum, gefolgt von der „Kapelle im entlegenen Teil des Dorffriedhofes“, eine weitere Schauergeschichte, die diesmal aus der Sicht eines (scheinbar?) Wahnsinnigen erzählt wird. Auch die Hauptperson der darauf folgenden Geschichte, „Die kalte Anni“ scheint irrsinnig geworden zu sein - doch vielmehr ist es das furchtbare Wissen darüber, dass die unheimliche Erscheinung aus Kindheitstagen keine Erfindung, sondern die volle Wahrheit ist … Das Finale - und zugleich die längste Erzählung - bildet die „Insel des Todes“; ein unheimlicher Ort, an den es die Überlebenden eines Schiffunglückes zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verschlägt. Und je näher die Gruppe dem unvorstellbaren Geheimnis des Eilandes näher kommt, desto verwandelt sich rationelles Handeln in blanken Terror … Wie bereits erwähnt, sind nicht alle Geschichten klassische Gespenstererzählungen und sicherlich ist die eine oder andere Thematik nicht unbedingt neu, wird jedoch von Korb stets stimmungsvoll und mit so mancher Überraschung umgesetzt, so dass letztlich selbst die etwas schwächeren Geschichten noch immer weit über dem Durchschnitt liegen und für ein tolles und zugleich niveauvolles Lesevergnügen der düsteren Art garantieren. Ergänzt wird das Ganze noch zudem von Mark Freiers großartigem Titelbild und Timo Kümmels erstklassigen Zeichnungen. (Nicht nur) für Freunde des gepflegten und anspruchsvollen Gruselns sehr zu empfehlen!
Datenbank:0.0010 Webservice:0.1012 Querverweise:0.1783 Infos:0.0008 Verlag,Serie:0.0006 Cover:0.0001 Meinungen:0.0017 Rezi:0.0003 Kompett:0.2843 |