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Wer erschoss Tupac? (Offenbarung 23 #1)

Gaspard, Jan; Nathan, David (Sprecher); Wunder, Dietmar

Rezension von Michael Matzer
Aus der Reihe "Offenbarung 23"

In Berlin wird Hacker-Legende Tron, mit bürgerlichem Namen Boris F., erhängt in einem Park aufgefunden. In Las Vegas töten mehrere Schüsse den berühmten Rapper Tupac Amaru Shakur. Eine geheimnisvolle CD bildet offensichtlich eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen. Oder ist es bloß ein raffiniert eingefädeltes Täschungsmanöver? Denn Trons Anrufbeantworter nimmt immer noch Nachrichten entgegen, und die Stimme auf der CD könnte die von Tupac sein. Der Hacker T-Rex geht der Sache auf den Grund – und bringt dadurch sich und andere in Lebensgefahr.

Das Jahr 1996, Los Angeles: Schüse, Reifenquietschen, Schreie. Tupac Amaru Shakur, 25, berühmter Rapper, ist offensichtlich mausetot. Täter sind die Southside Crips, eine der großen Banden von L.A. Warum musste er sterben? Wenig später wird er gerächt, und Notorious B.I.G., ebenfalls ein Rapper, beißt ins Gras. Waren sie den Politikern ein „lästiger Dorn im Auge“, wie uns der Erzähler weismachen will? Wichtig ist nur, dass sich Tupac mitunter „Machiavelli“ nannte, nach jenem Autor des 15. Jahrhunderts, der einen Fürstenratgeber schrieb. Sein Motto: Vertraue niemandem!

Berlin, 2003. Im Musikclub „Beat 23“ bekommt der Hacker T-Rex, mit bürgerlichem Namen Georg Brandt, von seinem Freund Andy, dem DJ, eine neue CD geschenkt. Es soll sich um eine neue Rapper-Scheibe aus L.A. handeln. Klingt nicht nach dem achten Weltwunder, aber zusammen mit seinem Wohnheim-Kumpel Kim Schmittke entdeckt T-Rex, dass auf der CD weit mehr drauf ist als nur Musik.

Mensch, ist das etwas Tupac, der da deutsch singt??? Und wer ist das, der ihn begleitet? Es handelt sich um ein Stück namens „Capture“, und darin liefern sich Tupac und ein Unbekannter eine Rapper Battle (vulgo: ein Duett). T-Rex entdeckt, dass es sich um die Stimme von Tron alias Boris F., dem berühmtesten deutschen Hacker aller Zeiten, handelt. Leider fand man ihn 1998 erhängt in einem Berliner Park, begraben ist er aber in Kroatien. Im Hintergrund spricht jemand rückwärts. Auf den Laptop überspielt, den T-Rex immer bei sich hat, lässt sich die Datei vorwärts abspielen – und siehe da: eine Botschaft von Tupac. Der Zuhörer soll in ein bestimmtes Sound Studio in L.A. kommen.

Über kleine Umwege ergattert T-Rex die Tickets für den Flug nach L.A. Auf dem Flieger lernt er Mista Beat kennen, der – welch Zufall! – Big Daddy Cool kennt, welcher das gesuchte Music Studio betreibt. Und beide kannten selbstredend auch Tupac. Hat der wirklich deutsch gerappt? Ja, aber nur einmal, im Juli 1996, und er wollte nicht, dass die CD veröffentlicht wird und ließ auch keine Sicherheitskopie anfertigen. Aber damals war auch Tron da und unterhielt sich mit Tupac.

Seltsam, dass Tron ein Jahr später wieder auftauchte und die CD abhörte, von der er nur eine Kopie mitnahm. Wieder ein Jahr später segnete er das Zeitliche – oder brachte man ihn um?

Dass die CD auch für T-Rex gefährlich ist, erkennt er erst, als deutsch sprechende Schläger in sein Hotelzimmer in L.A. eindringen und ihn zusammenschlagen. Die CD nehmen sie natürlich mit. Was hat es bloß mit dem Teufelsding auf sich, fragt sich der Hacker.

Über Jan Gaspard i
st nichts bekannt, und es scheint sich um ein Pseudonym zu handeln. ((siehe Webseite von LPL-Records!)) Jedenfalls zeichnet er nach Angaben des Booklets für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich. Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von LPL-Records. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. (Es dürfte auch eine Menge „Transpiration gegeben haben, wenn man Thomas A. Edison glauben darf.) Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

Da die Rap-Musik eine große Rolle spielt, wird Matern von zwei Spezialisten unterstützt. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Als Rapper treten mit einem eigenen Song auf: Henning Brix & Lars Michaelis.

Mehr Infos auf www.offenbarung-23.de.

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause LPL-Records kennt. Als da wären:

Torsten Michaelis spricht Tupac Amaru Shakur und klingt wie Wesley Snipes.
David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney am Telefon.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“.
Benjamin Völz spricht Boris F. alias „Tron“.
Tilo Schmitz spricht Tom alias Mista Beat und klingt wie Ving Rhames oder Michael Clarke Duncan.
Helmut Krauss ist der Erzähler.

Es müssen ja nicht immer die Schauerromantik oder die drei Fragezeichen sein, sagten sich wohl der Autor und das Produktionsteam, und tüftelten eine Hörspielserie aus, die es an Aktualität und Realismus mit der Gegenwart aufnehmen kann. Natürlich darf die Handlung es nicht an Rätseln, Überraschungen und enthüllten Mythen fehlen, denn wo wäre denn sonst der Reiz für das junge Publikum? Sensationsberichte über Rapper und andere Musiker gibt es ja schon im Überfluss.

Die erste Doppelfolge – Folge 2 ist die direkte Fortsetzung – befasst sich gleich mit zwei populären Subkultur-Helden der letzten Jahrzehnte: Tupac und Tron. Rapper und Hacker, beide eines mysteriösen und gewaltsamen, um nicht zu sagen: unzeitigen Todes gestorben, quasi in der Blüte ihrer Jahre. (Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben, siehe James Dean, Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix.)

Das Geheimnis der Silberscheibe: Doch nicht genug damit, dass diese Tode Rätsel bieten, nein, auch die beiden Jungs selbst haben es faustdick hinter den Ohren gehabt. Zunehmend enthüllt sich dem armen Goldgräber-Hacker T-Rex, dass Tron alias Boris F. mehr Geheimnisse herausgefunden hatte, als sich eines Hackers Schulweisheit träumen ließe. Und natürlich sind alle hinter diesen „Wahrheiten“ her. Zu blöd. Dass T-Rex ins Schussfeld dieser Geheimnisjäger geraten ist.

Eine der Reliquien, mit denen sich die Subkulturhelden Tupac und Tron abgaben, ist das brisanteste Stück Technik, das T-Rex je in der Hand gehabt hat: die CD mit dem Song „Capture“. (Dieser Song ist in voller Länge auf der Hörspiel-CD zu hören.) Natürlich reicht es nicht, dass ein amerikanischer Rapper mal deutsch trällert – so wie weiland Elvis „Muss i denn“ – nein, auch die Message hinter der Message sorgt noch einmal für Aufregung.

Santa Paranoia: Denn dies ist die Triebfeder aller Verschwörungstheorien: Vertraue niemandem und gib dich niemals mit dem bisschen zufrieden, das man dir offiziell aushändigt. Denn nichts ist so, wie es zunächst scheint. Und wenn man dir beweist, dass es keine Verschwörung gibt, dann ist das genau der Beweis, der noch nötig war, um zu erklären, wie raffiniert die Verschwörung doch ist und wie hoch sie reicht. Dass du paranoid bist, heißt ja noch nicht, dass sie nicht hinter dir her sind…

Wem darfst du trauen? Deshalb erscheint es T-Rex ganz natürlich, erst einmal abzublocken, als der deutsche Polizist auftaucht (in Folge 2), schließlich will der Hacker erst einmal seine Geheimnisse auskosten, und in dieser Hinsicht war die deutsche Polizei – oder die irgendwelcher anderer Staaten – noch nie sonderlich hilfsbereit, ganz im Gegenteil. Als T-Rex aber einen leibhaftigen Rapper namens Mista Beat trifft, schüttet er ihm im Handumdrehen sein Herz aus, was dann dazu führt, dass sich noch weit mehr Türen öffnen. Es gibt also klare Grenzen, wem ein Hacker trauen kann und wem nicht. Die Subkultur traut der Staatsgewalt natürlich niemals.

In den berühmten Rapper-Aufnahmestudios von Los Angeles T-Rex befindet sich sozusagen im Rapperhimmel: Hier hat der selige Tupac selbst gewirkt! Seltsamerweise wird die ganze Zeit vorausgesetzt, dass Rap die natürliche Musikdroge eines Hackers sei. Dabei könnte ein Wirtschaftsinformatiker doch genauso gut auf Beethoven stehen und ein Büste von Ludwig van auf seinen Monitor montieren – so ähnlich wie der Held in „Uhrwerk Orange“.

Die Offenbarung der Seifenoper: Nun ja, auch der Hacker kann schließlich eine Seifenoper genießen, nur darf es um Himmels willen nicht die „Lindenstraße“ sein, wo sich seine Phantasie austobt, sondern mindestens die Datenautobahn und diverse Musikklubs. Das höchste Mysterium in dieser Welt ist der Code. Je besser und kniffliger der Code, desto wertvoller das Geheimnis, das er hütet. T-Rex’ Suche gleicht der Queste nach dem Heiligen Gral: Je mehr Codes er knackt, desto höher die (erhoffte) Ebene der Erkenntnis.

Doch wo liegt die höchste Ebene? Ist das letzte Code-Wort bei Gott, wie uns der Evangelist Johannes in seiner „Offenbarung“ weismachen wollte? Oder ist der höchste Code bei Tron? Das zumindest will uns die „Offenbarung 23“ weismachen. Und jeder, der den Film „23“ gesehen hat, kann natürlich sofort etwas mit diesem Titel anfangen.

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Wesley Snipes, Ving Rhames, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood. Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Etwas Humor hat die Hörspielserie nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen.

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere. Die Musik ist meist ein Pausenfüller: Rapmusik oder fetzige Gitarren. Mir gefielen mehr die Gitarren, weil ich mit Rap nur wenig anfangen kann. Das Ende der CD hält wie gesagt den Song „Capture“ bereit. Aber: Fortsetzung folgt.

Würde ein amerikanischer Rapper wirklich deutsch singen? Mit dieser Prämisse steht und fällt eigentlich die Glaubwürdigkeit dieser Doppelfolge. Kein Wunder, dass mehrere Male Elvis zitiert wird, der ja schließlich auch das unsägliche „Muss i denn (zum Städtele hinaus)“ aufgenommen habe. Nur wenn man diese Prämisse akzeptiert (und ich tu’s nicht), ist die Story einigermaßen akzeptabel.

Für wen sind Rapper und Hacker eigentlich noch Helden? Vielleicht für 13- oder 14-jährige Jungs. Und wenn man sich die deutschen Charts ansieht, werden da doch schon schwere Geschütze aufgefahren, was die Texte der deutschen Rapper angeht. Dagegen fallen die Story und die Dialoge von „Offenbarung 23“ doch recht zahm und zahnlos aus. Ich bezweifle, dass sich ein angehender Wirtschaftsinformatiker dieses Hörspiel reinziehen will. Aber vielleicht werden ja noch Enthüllungen kommen, die uns umhauen. Andeutungen zum Untergang der „Titanic“ und dem Mord von John F. Kennedy fallen und dienen als Appetizer, um die nächsten Folgen zu kaufen.

Das Hörspiel ist von Lübbe und LPL Records gewohnt sorgfältig produziert worden und es gibt absolut nichts daran auszusetzen – wie schade. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ansonsten etwas trivialen Handlung den Glamour des Abenteuers. Mal sehn, ob T-Rex bei Nolo landen kann, der Ex-Freundin von Oberhacker Tron.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung von Michael Matzer. Neben seiner Arbeit in der Welt der Datenverarbeitung schreibt Micheal Matzer professionell Rezensionen im Bereich der phantastischen Medien.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(keine Angabe)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos David Nathan:
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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Offenbarung 23

Autor:

Gaspard, Jan

Verlag:

Lübbe Audio, Bergisch Gladbach

Erschienen:

Nov. 2005

Kritiker:

Michael Matzer

ISBN:

3-785-73099-3

ISBN(13):

978-3-7857-309-7

EAN:

9783785730997

Typ:

Hörbuch

 

David Nathan

 

David Nathan gehört zu den erfolgreichen Synchronsprechern der deutschen Sprache. Er arbeitet als Schauspieler und Sprecher von Hörbüchern [mehr]

 

Offenbarung 23

 

Die Verlagsgruppe Lübbe und LPL records präsentieren die neue Hörspiel-Serie Offenbarung 23. Die Serie rund um die Geheimnisse unserer Welt liefert Stoff für neue Verschwörungs-Theorien. Der Name des Autors Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der Mensch hinter Jan Gaspard ist aus Gründen der Sicherheit gezwungen anonym zu bleiben.
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