 | Solange du lügst Rezension von MW Inhalt England Mitte des 19. Jahrhunderts. Sue Trinder ist als Waise bei der zwielichtigen Mrs. Sucksby aufgewachsen. Sues Mutter war eine Diebin, die nach einer misslungenen Gaunerei gefasst und gehängt wurde. Mrs. Sucksby nahm die Stelle der Toten ein und zog das Waisenkind wie ihre eigene Tochter auf, weshalb jene mit ihrem ganzen Herzen an der alten Frau hängt. Als Richard Rivers - wegen seiner noblen Abstammung „Gentleman“ genannt – mit dem Plan an die jetzt siebzehnjährige Sue herantritt, sich das Vertrauen einer reichen Erbin zu erschleichen, um an deren Vermögen zu gelangen, willigt sie ein, da Mrs. Sucksby dieses Gaunerstück ebenfalls gutheißt. So schlüpft Sue in die Rolle eines Dienstmädchens und reist nach Briar, einem Landsitz in 40km Entfernung von London. Dort tritt sie eine Stelle als Zofe von Maud Lilly, der Erbin, an. Maud steht unter der Fuchtel ihres Onkels, der sein gesamtes Leben einem Buch-Index der besonderen Art gewidmet hat. Rivers hat eine Beschäftigung bei Mr. Lilly angenommen und beabsichtigt nun, Maud zu umschwärmen und sie dazu zu bringen, mit ihm zu flüchten und ihn dann zu ehelichen. Nach der Heirat will er sie in ein Irrenhaus abschieben und als ihr Gatte das zu erbende Vermögen beanspruchen. Sue soll dabei ihre Vertrauensposition als Zofe dazu missbrauchen, das Opfer im Sinne der Intrige zu beeinflussen. Nach und nach schließt Sue aber ihre Herrin ins Herz und ist sich nicht mehr sicher, ob sie auch weiterhin am finsteren Ränkespiel mitwirken will. Doch sie ist bereits viel weiter darin verwickelt als sie selbst glaubt – eine böse Überraschung wartet auf die Hochstaplerin … Kommentar Der Roman >Solange du lügst< der britischen Autorin Sarah Waters wurde in ihrer Heimat extrem gut aufgenommen, was sich neben hohen Verkaufszahlen auch im Gewinn des Ellis Peters Award für den besten historischen Kriminalroman des Jahres 2002 sowie in der Verfilmung des Stoffes durch die BBC niederschlug. Waters erzählt ihre Geschichte aus zwei verschiedenen Ich-Perspektiven (Sue und Maud). Dabei ist anzumerken, dass es nicht geschadet hätte, wenn der Erzählstil entsprechend der jeweiligen Protagonistinnen etwas unterschiedlicher ausgefallen wäre: warum klingt die ungebildete Sue genauso wie die belesene Maud? Das soll jetzt nicht heißen, dass die „Sue-Passagen“ orthographisch und stilistisch mit Fehlern gespickt sein sollten, aber eine erkennbare Differenzierung wäre schon angebracht gewesen. Doch selbst ohne diese klare Unterscheidbarkeit ist interessant, einen Teil des Geschehens aus verschiedenen Blickwinkeln mitzuerleben und zu sehen, wie alles zusammenhängt und welche unterschiedlichen Bedeutungsebenen sich in Worten und Taten verbergen. Wie sehr man dieses Buch genießen wird, hängt zum Großteil davon ab, inwieweit sich der Leser bzw. die Leserin mit den beiden Hauptdarstellerinnen anfreunden kann, denn mangelt es in dieser Hinsicht an Identifikationsbereitschaft und Sympathie, dann wird die umfangreiche Geschichte vermutlich zur ausufernden Qual. Immerhin zählt der Roman 620 Seiten, was mir persönlich etwas zu lang erscheint, da an manchen Stellen zuviel übertriebene Dramatik, Introspektion und wehleidiges Gejammer enthalten ist, was besser herausgekürzt worden wäre. Dennoch fällt das Gesamturteil positiv aus, weil die Schriftstellerin sich darauf versteht, die Atmosphäre der viktorianischen Epoche heraufzubeschwören und einen mit ihren Wendungen stets aufs Neue zu überraschen. >Solange du lügst< überschreitet dabei die Grenzen eines konventionellen historischen Krimis, weil es ebenso als Schurkenstück, Thriller, psychologisches Drama, lesbische Liebesgeschichte und Seifenoper zu werten ist. Fazit Wer eine gehörige Portion Melodramatik verträgt, sich für das England des 19. Jahrhunderts begeistert und Intrigengeschichten liebt, sollte hier zugreifen.
Eure Meinungen:
| ich habe mich gefühlt als hätte man mich in das victorianische england entführt. Ein wundervolles buch, das manchmal einen bitteren nachgeschmack hinterlassen hat. Das lag wohl daran das ich so gut mit den figuren fühlen konnte und es mir sehr schwer fiel das buch aus der hand zu legen. Sarah Waters ist Weltklasse!!!! [Ina Michalzov] |
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