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Wir sind die armen Schwartenhäls

Spectaculatius

Rezension von Phoenix

„Wir sind die armen Schwartenhäls“ ist die zweite CD der deutschen Folklore-Combo Spectaculatius. Die vor allem in der Mittelalterszene bekannte Band hat es sich zur Aufgabe gemacht, das leider oftmals in Vergessenheit geratene historische deutsche und europäische Liedgut einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und anderen ihre eigene Freude an dieser Musik zu vermitteln.

Das gelingt ihnen auf der zweiten CD sogar für mein Dafürhalten noch besser als auf dem Vorgänger „Als Lumpen tun wir fahren“. Wieder suchten Spectaculatius eine große Bandbreite von traditionellen Stücken aus, diesmal u.a. aus Franken, Mecklenburg, Österreich und den Masuren, die zumeist von Sänger Michael Bingler textlich oder musikalisch neu arrangiert wurden. Zeitlich umspannen die Lieder eine Spanne vom 13. Jahrhundert bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die Stücke werden wieder bewusst einfach interpretiert, ohne dass darunter die Qualität des ausdrucksstarken Gesangs nach Bardentradition und die instrumentelle Begleitung (ausschließlich historische Instrumente ohne jeglichen technischen Schnickschack) leiden muss. Gerade die rein instrumentellen Stücke, „Mazurek“, „Branle D ´Ecosse Orientale“ und „Pusemuckeltanz“ (eine Eigenkomposition des Sängers Michael Bingler) sind äußerst gelungen und vielleicht sogar noch etwas besser als die Instrumentalstücke auf der ersten CD. Hörtipp: das dudelsacklastige „Mazurek“.
Besonders schön auch das mal lebhafte, mal sehnsuchsvolle jiddische Stück „Tog ojs, Tog ajn“ und das ruhige „Schmähet nicht die Jugend“ aus dem Jahr 1840, von Michael Bingler sehr eindringlich und charismatisch gesungen. Übermütiger und frecher geht es im Tanz- und Spottlied „Schneiders Hochzeit“, im bäuerischen mittelalterlichen Fress-und Trinklied „Die Schwartenhäls“ und im lustigen „Die Bauern von St. Pölten“ zu. Letzteres stammt aus Österreich, wirkt aber dank der jodelähnlichen Instrumentalpassagen manchmal fast bayerisch.
Mein Favorit dieser CD ist „Mein Michel“, ein Traditional mit überarbeitetem Text von Michael Bingler. Es prangert sehr kritisch und eindrucksvoll Dinge wie Ausbeutung, den Verlust von Kultur und Fantasie an und bringt zudem noch die charismatische Stimme des Sängers perfekt zur Geltung. Sehr überzeugend.

Fazit: Wieder eine äußerst gelungene CD. In jedem Lied merkt man den vier Mitgliedern von Spectaculatius ihre Freude an ihrer Musik und ihr Herzblut an. Und das, obwohl eine Studioproduktion für eine Liveband, die noch dazu auf elektronische Unterstützung verzichtet, wahrscheinlich eher ungewohnt ist. Die Musik von Spectaculatius lässt vergessene Zeiten für den Hörer wieder lebendig werden und macht Lust aufs Mit- bzw. Nachsingen. Das sorgt dafür, dass die Tage von „Sailing“ am sommerlichen Lagerfeuer bald gezählt sind... Noch dazu erweist sich Michael Bingler wieder als begabter Komponist und Texter. Immer wieder schön, mehr davon.

Trackliste:

1.So treiben wir den Winter aus
2.Im Maien
3.Mazurek
4.Schneiders Hochzeit
5.Phyllis im Garten
6.Die Schwartenhäls
7.Branle D´ Ecosse Orientale
8.Tog ojs, Tog ajn
9.Flammenreiter
10.Schmähet nicht die Jugend
11. Die Bauern von St. Pölten
12. Der Schnitter
13. Pusemuckeltanz
14. Mein Michel

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(keine Angabe)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Emmuty Records, Bonn

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Spectaculatius

Verlag:

Emmuty Records, Bonn

Erschienen:

Apr. 2003

Kritiker:

Phoenix

Typ:

CD

 

Spectaculatius

 

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