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Hier irrt Maigret

Simenon, Georges

Rezension von sgo
Aus der Reihe "Kommissar Maigret"

Georges Simeon ist ja ein durchaus gelobter Krimiautor und sein Kommissar Maigret wurde schon mehrfach verfilmt, also erwartete ich gepflegte Krimikost, als mir dieser schon etwas ältere Band in die Hände fiel. Wie sehr ich mich getäuscht hatte erkannte ich erst später...
Aber ich schildere die Ereignisse besser von Anfang an: Maigret wird zur Leiche einer jungen Frau gerufen, welche in ihrer Wohnung erschossen wurde. Sie war die Geliebte eines reichen älteren Mannes und hatte gleichzeitig ein Verhältnis mit einem jungen Musiker. Beide Männer waren am Mordtag im Haus und sind also verdächtig. So weit so gut.
Doch dann bekam ich erste Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Maigrets. Er hat gerade beschlossen die Ehefrau des reichen Liebhabers zu verhören, und die Concierge fragt ihn ein wenig spitz, ob das denn taktvoll sei. Schimansky hätte bei einer solchen Frage laut „Scheiße“ gebrüllt, Derrick hätte einige ärgerliche Plattitüden von sich gegeben und Kommissar Wallander eine sofortige Depression bei einer solch unpassenden und herzlosen Frage bekommen. Natürlich hätten alle die geplante Befragung jetzt erst recht durch geführt. Und was macht Maigret ? Er antwortet mit „Wahrscheinlich nicht. Sie haben recht.“
Ich habe diesen Absatz mehrere Male durchgelesen weil ich es nicht fassen konnte. Er verzichtet auf die Befragung einer wichtigen Zeugin und Mordverdächtigen, weil eine Frage nach der Geliebten ihres Mannes möglicherweise nicht taktvoll ist ! AAAAARRGH! Was ist denn das für ein Scheiß ?
Auch sonst ist er nicht gerade sehr sorgfältig bei der Spurensuche. So fällt ihm erstmals auf Seite 123 ein, Hausbewohner zu befragen, ob sie Schüsse gehört haben. Wozu will man das auch wissen, die Todesursache der Ermordeten war ja klar ersichtlich. Und ob weitere Leute Schlüssel zu der Wohnung hatten interessiert ihn auch nicht weiter.
Das alles hätte man ja noch mit einem schlechten Tag des armen Kommissars erklären können. Schließlich können Beamte nicht immer nur Spitze sein. Aber es ging ja noch weiter:
Maigret betrachtet beide Verdächtigen: hier der vorbestrafte Musiker, dort der reiche, geachtete und mächtige Chirurg mit Betziehungen zu den oberen Zehntausend. Zielstrebig beginnt er den Musiker zu jagen, schreibt ihn zu Fahndung aus, dreht jeden Stein nach ihm um und stellt Streifenwagen vor seine Wohnung, seinen Arbeitsplatz und seine Stammkneipe. Maigret hat zwar dank wichtiger Indizien schnell Zweifel an der Schuld des Musikers, aber die Fahndung stellt er trotzdem nicht ein.
Den verdächtigen Chirurgen behandelt er ein wenig anders. Bei einem solch geachteten Bürger ist ja nicht mit einer Täterschaft zu rechnen. Es ist offensichtlich noch nie passiert das schwangere Geliebte von reichen Männern ermordet wurden also ist jede Aufklärungsarbeit in diese Richtung überflüssige Arbeit. Daher muss man den Mann auch nicht befragen. Bis zum Schluss geht Maigret einem der beiden Hauptverdächtigen aus dem Weg, weil er zu einer Kontaktaufnahme keine Lust hat. Es ist zwar bekannt das der Arzt der letzte Besucher der Toten vor ihrer Ermordung war, aber das ist doch wirklich kein Grund einen solch geachteten Bürger zu belästigen. Selbst das Alibi des Doktors wird nicht überprüft, was ja wirklich zur absoluten Routine einer Mordaufklärung gehören würde. Immerhin hat Maigret fast den nötigen Anstand um wenigstens zu erröten als ihn eine Zeugin zynisch darauf hinweist, das er den Arzt vor Strafverfolgung geradezu schützt. (Diesen Anstand hat er aber nur Beinahe.)
Man könnte direkt glauben das Maigret geschmiert wurde: als eine Zeugin endlich über das Doppelleben des Arztes auspacken will fällt er ihr geradezu ins Wort und lobt den Arzt, „der sein Leben der Rettung von Leben geweiht hat“. Damit verschließt er der Zeugin schnell den Mund. Der Chirurg muss geradezu darum betteln endlich mal verhört zu werden, was ja wohl einfach nur lächerlich ist.
Fazit: So viel Unfähigkeit ist nur mit Korruption, Obrigkeitshörigkeit oder Dummheit zu erklären. Falls Simeon mit diesem Band beweisen wollte das sein Kommissar auch mal Fehler machen kann ist er weit über das Ziel herausgeschossen.
Als Autor ist Simeon übrigens genauso schlecht wie als Kriminalist: So erfährt man so gut wie Nichts über das Innenleben der handelnden Personen. Alles wirkt ziemlich Klischeehaft und wie mit der Motorsäge in einen alten Holzstrunk gehackt.

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Wertung

 

Gesamt:

(Furchtbar)

Anspruch:

(Klolektüre)

Spannung:

(Langweilig)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos Georges Simenon:
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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Frankreich

Zeit:

1953

Serie:

Kommissar Maigret

Autor:

Simenon, Georges

Verlag:

Diogenes, Zürich

Erschienen:

Jan. 1979

Kritiker:

sgo

ISBN:

3-257-20690-9

ISBN(13):

978-3-2572-069-6

EAN:

9783257206906

Typ:

Taschenbuch

 

Georges Simenon

 

Georges Simenon (* 13. Februar 1903 in Lüttich; † 4. September 1989 in Lausanne; vollständiger Name Georges Joseph Christian Simenon) war ein weltberühmter französischsprachiger Schriftsteller belgischer Herkunft. Bekannt ist er vor allem als Autor von Kriminalromanen um die Figur des Kommissars Maigret.
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Kommissar Maigret

 

Jules Maigret ist eine literarische Figur des belgischen Schriftstellers Georges Simenon, die Hauptfigur in 85 Kriminalromanen (auch Maigret-Romane genannt, in Abgrenzung zu Simenons Non-Maigret-Romanen) und einigen Kurzgeschichten.
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