Rollenspiel allgemein David Grashoff: Hallo André. Erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst einige Fragen zu beantworten. André Wiesler: Sehr gern! David Grashoff: Als altgedienter Rollenspieler hast du doch sicherlich so manch ein System ausprobiert, doch mit welchem Spiel hast du angefangen? André Wiesler: Mein Einstieg vor nun mehr über 16 Jahren fand, wie bei so Vielen, mit Das Schwarze Auge statt. Ein Freund hatte das „Basis-Set“ (leider bereits ohne Maske für den Spielleiter) von seiner Oma zu Weihnachten bekommen, die gar nicht so genau wusste, was sie da verschenkte. Es fiel auf fruchtbaren Boden und wurde ziemlich schnell ein erheblicher, während der Schuljahre sogar der vorrangige, Bestandteil meines Lebens. Nach meinem ersten Con-Erlebnis auf dem WuppCon der GFR (von dem es sogar noch ein Foto gibt und das spektakulär auf der Kippe stand :-)) kamen dann weitere Systeme dazu. Man kann wohl sagen, dass mich das Rollenspiel auf meinen heutigen Weg gesetzt hat. David Grashoff: Leitest oder spielst du lieber? André Wiesler: Ich mache beides gern, aber ich halte eine Phase, in der ich nur leite, länger durch, als eine Phase, in der ich nur spiele. Irgendwann kämpft sich der Geschichtenerzähler an die Oberfläche und will neue Ideen ausprobieren. Da ich schon immer derjenige war, der einspringen musste, wenn kein anderer Leiten wollte, entwickele ich Abenteuer mittlerweile in Minutenschnelle und verfeinere sie dann während des Spiels. David Grashoff: Hast du so etwas wie einen Lieblingscharakter und warum ist er dir ans Herz gewachsen? André Wiesler: Ich habe sehr viele und zum Teil sehr schräge Charaktere gespielt, aber wenn ich wählen müsste, wäre es wohl Wolfskin alias „Walks away in Anger“, ein Werwolfcharakter, der im Laufe seines Spiels immer stärker vom Bösen korrumpiert wurde, dem schlussendlich aber dann doch noch ein Heldentod vergönnt war. Bei diesem Charakter stimmte die Spannungskurve und er hat unglaublich viel Spaß gemacht, zu spielen. Das liegt mit Sicherheit aber vor allem an den grandiosen Mitspielern und der Spielleiterin: meiner Frau Janina. Ich würde mich nicht gegen die Behauptung wehren, ich hätte sie auch wegen ihres Talents für bittersüße, grausam-erhebende, eben durchgängig widersprüchlich-überraschende Geschichten geheiratet :-)
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