 | Berlin-Noir-Trilogie Anfang der 90er Jahre schuf der britische Kriminalautor Philip Kerr den Privatdetektiv Bernhard „Bernie“ Gunther. In einer Mischung aus historischem und Hardboiled-Roman erzählte Philip Kerr die Geschichte eines Mannes, der in der Zeit des verbrecherischen Nazideutschlands versucht, anständig und integer zu bleiben. Die drei Romane „March Violets (1989, dt. Feuer in Berlin)“, „The Pale Criminal (1990, dt. Im Sog der dunklen Mächte)“ und „The German Requiem (1991, dt. Alte Freunde - neue Feinde)“ fanden große internationale Anerkennung und wurden mit zahlreichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Fünfzehn Jahre später legt Philip Kerr mit „Das Janusprojekt (OT: The One from the Other, 2006) eine Fortsetzung dieser vielgerühmten Berlin Noir-Triologie um den Privatdetektiv und Expolizisten Bernhard „Bernie“ Gunther vor. Im März 2008 wird ein fünfter Bernie Gunther-Roman in England erscheinen. Bernie Gunther ist eine klassische Privatdetektiv-Figur. Er ist zynisch, sarkastisch und verbittert. Er ist einer, der sich in seine Fälle reinkniet, der wühlt, der geradlinig istund der provoziert, um seine Gegner aus der Reserve zu locken. Er agiert nicht planvoll, er sammelt Bruchstücke und setzt sie nach und nach zusammen. Bernie Gunther hat als Soldat für das Kaiserreich gekämpft, war Polizeibeamter in der Weimarer Republik und quittierte 1936 seinen Dienst, als die Kripo im Sinne der nationalsozialistischen Machthaber der Gestapo gleichgeschaltet wurde. Danach arbeitete er solange es ging als Privatdetektiv weiter. Mit Kriegsbeginn wurde er Mitglied der Waffen-SS, was für Polizeibeamte obligatorisch war, und hat an der Ostfront gekämpft. Er war ein Nazigegner und ist doch schuldig geworden im Krieg, er ist zynisch bis hart an die Grenze des Korrupten und doch einer mit Mut und Moral. Noch wichtiger – er hat keine Illusionen. Wenn es hart auf hart geht, paktiert er auch mit dem Teufel. Er hat erfahren, wie schwer es ist, die einen von den anderen zu unterscheiden und seine zynische Weltsicht erlaubt ihm die Tricksereien und Scheinheiligkeiten von Freund und Feind zu durchschauen. Er wollte in der Zeit des Tausendjährigen Reiches ein moralisch integrer Mann mit festen Grundsätzen und humanen Überzeugungen bleiben und weiß jetzt, dass seine Zeit abgelaufen ist. Es ist dieser komplexe Charakter des Bernie Gunthers, der Kerr die glaubhafte Darstellung dieser Zeit möglich macht. Historische Fakten und Personen werden dabei von Kerr geschickt mit Fiktion verknüpft. |  |