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American Psycho.

Ellis, Bret Easton

Rezension von Tobias Thieme

„American Psycho“ ist mit Sicherheit einer der bedeutendsten Romane der 90er Jahre. Kurz nach seinem Erscheinen in Deutschland im Jahre 1991 landete „American Psycho“ auf dem Index für jugendgefährdende Schriften und wurde erst 2001 rehabilitiert.
Erzählt wird die Geschichte des Wall Street Yuppies Patrick Bateman Ende der 80er Jahre. Bateman ist ein gutaussehender, intelligenter und reicher siebenundzwanzigjähriger Mann, der nach außen hin aussieht wie ein zwar eingebildeter, aber tüchtiger Unternehmer. Beschäftigt ist er bei „Pierce & Pierce“, wo er vor allem mit seinen lästigen Kollegen und seiner Sekretärin Jean zu kämpfen hat. Doch abends ändert sich das Bild des Patrick Bateman sehr drastisch. Nach einem gepflegten Dinner in einem Nobelrestaurant wird er zum Serienkiller. Seine Opfer sind meistens Frauen mit denen er zuerst im Bett landet und die er dann brutal tötet, zerstückelt und unter Umständen noch isst. Aber auch einige seiner männlichen Kollegen müssen dran glauben. Denn wenn Bateman jemand nicht mag wird dieser umgebracht, egal ob es eine Prostituierte, ein hoch angesehener Geschäftsmann, oder auch ein Bettler ist.
Die Sex- und die Mordszenen werden sehr detailreich und in voller Brutalität geschildert, was den Grund für die Indizierung des Buches darstellt. Zwar kommen diese Szenen auf den 550 Seiten nicht übermäßig oft vor, allerdings sind sie von solcher Brutalität und Perversität, dass es einem jedes mal den Atem verschlägt.
Doch hinter alldem steckt eigentlich eine Gesellschaftskritik, auch wenn man das auf dem ersten Blick nicht sofort sieht. Bret Easton Ellis rechnet ab mit der Profitgier, der Gleichgültigkeit und der Arroganz der amerikanischen Reichen im gesamten, und der Wall Streetler im besonderen. Patrick Bateman erzählt vielen seiner Freunde von seinen Taten und kündigt teilweise auch einige an, doch niemand hört ihm zu, niemand interessiert sich für ihn und niemand traut ihm so etwas zu. Weder seine Fast-Verlobte, noch seine Geliebte, noch seine Geschäftsfreunde. Die meisten erkennen das wahre Ich des Patrick Bateman erst wenn sie dem Tod schon ins Auge sehen.
Die Gleichgültigkeit der handelnden Personen wird auch in den Dialogen sehr deutlich. Niemand hört dem anderen zu, auf Fragen wird oft nicht geantwortet und ernst nehmen sich die Menschen ohnehin nicht. Das Leben ist geprägt von Oberflächlichkeit. Die wichtigsten Themen sind neue Restaurants, wo man am Abend essen geht, wer eine neue Geliebte hat und wie die anderen angezogen sind. Vor allem der Punkt der Kleidung wird in „American Psycho“ ganz besonders hervorgehoben. Ellis beschreibt bei jeder in dem Buch auftretenden Person zunächst einmal die Kleidung dieser. Es gibt eine genaue Aufzählung von Anzug, Kleid, Schuhe, Hose, Sonnenbrille oder teilweise auch Unterwäsche. Dieses stilistische Merkmal des Buches mag einem als Leser zunächst sehr suspekt und auch langweilig vorkommen, allerdings wird man im Laufe des Buches erkennen, dass dieser Stil ein Teil der Lebenseinstellung der handelnden Personen darstellt und damit sogar sehr gut passt. Ellis versteht es wirklich allein durch seinen Schreibstil sehr viel von der Lebenseinstellung seiner Personen zu vermitteln.

Fazit: „American Psycho“ ist nach seinem Erscheinen Anfang der 90er Jahre wegen der Gewalt- und Sexszenen schwer in die Kritik gekommen. Frauengruppierungen gingen auf die Barrikaden, bezeichneten das Buch als frauenfeindlich und viel zu gewalttätig. Bret Easton Ellis bekam sogar Morddrohungen und man hatte Angst das es Kriminelle gibt, die die Morde des Buches nachahmen. Was dabei sehr oft nicht zur Sprache kam, ist die Tatsache, dass „American Psycho“ bei weitem kein reißerischer Thriller über einen Serienmörder ist, sondern das die Gewaltszenen nur einen ganz kleinen Teil des Romans ausmachen und das über alldem eine Gesellschaftskritik steht. Und zwar eine die es in sich hat und dabei noch gewaltig gut ist. Wer „American Psycho“ liest sollte zwar starke Nerven haben, aber auch einiges an Grips um die Botschaft dahinter zu verstehen. Und wenn man diese Botschaft einmal verstanden hat, wird man „American Psycho“ lieben. Ich tue es schon.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Ekelhaft)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Autor:

Ellis, Bret Easton

Verlag:

Kiepenheuer & Witsch, Köln

Erschienen:

Jan. 2006

Kritiker:

Tobias Thieme

ISBN:

3-462-03699-8

ISBN(13):

978-3-4620-369-2

EAN:

9783462036992

Typ:

Taschenbuch

 

Bret Easton Ellis

 

Bret Easton Ellis wurde 1964 in Los Angeles geboren. Im Jahre 1984, als Student, schrieb Ellis in einem Creative Writing Kurs seinen ersten Roman "Less than Zero" ("Unter Null"). Das Buch wurde in den USA schnell zum Kultbuch und gelangte wenig später auch nach Europa. bret Easton Ellis lebt heute in New York [mehr]

 

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