 | Als der Himmel verschwand Zweyer, JanRezension von Hyndara Ein ziemlich präkerer Fall erwartet den Versicherungsdetektiv Jean-Paul Büsing, als er aus seinem wohlverdienten Urlaub gerissen wird. Die Himmelsscheibe von Nebra, ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert, ist gestohlen worden. Für die Versicherung soll er sie wieder beschaffen, sonst würde eine horende Summe zahlbar, was die AG logischerweise verhindern will. Büsing reist also nach Florenz, denn dort in einem Museum sollte sie ausgestellt werden. Dort begegnet er der attraktiven Archäologin Gianna Rossi. Als diese Interesse an Jean-Paul zeigt, fühlt Büsing sich mehr als geschmeichelt. Doch kurz darauf verschwindet die Archäologin spurlos, zwei Tage vor ihr wird ihre Tochter entführt, wie der Detektiv kurz darauf erfährt. Büsings Auftrag und die Entführung der beiden scheinen alle dasselbe Muster aufzuweisen. Die Spur führt nach Regensburg, und dort zu einer dubiosen Gesellschaft, die im Verdacht steht, eigentlich eine Sekte zu sein. Durch Zufall sieht Büsing ein Video mit einer Aufzeichnung. Darauf zu sehen: Die Himmelsscheibe von Nebra - und Gianna! Spaß sollte das Schreiben dem Autoren machen. Ein Buch, das aus diesem Spaß heraus geschrieben wurde, wird auch dem Leser Vergnügen bereiten. Ein Buch dagegen, dem man anmerkt, wie sehr der Autor mit sich, den Worten, den Personen und der Handlung ringen mußte, wird nie das Vergnügen erregen wie der oben geschilderte Fall, selbst wenn einige da anderer Meinung sind. Jan Zweyer merkt man den Spaß beim Schreiben an. Er läßt sich auf ein kompliziertes Thema ein und bewältigt es ohne allzu große Schnitzer. Natürlich würde man sich als Leser noch etwas mehr zum Thema Himmelsscheibe wünschen, aber selbst wenn dieses Thema im Verlauf des Buches etwas ins Hintertreffen gerät, das Buch macht einfach Spaß! Man möchte es als Leser gar nicht mehr aus der Hand legen. Ein Bekannter von mir erwähnt immer wieder bei Büchern, die er mag, daß er sie als "zu dünn" empfindet. Bisher sah ich dann immer etwas ratlos aus der Wäsche, doch bei diesem Roman muß ich ins gleiche Horn stoßen. Für diesen herrlichen Stil, den Witz und die komplexe Handlung - ich wünsche mir mehr davon! Aber pronto! Zweyer legt seine Figur Jean-Paul Büsing als einen "Herrn im besten Alter" an, zwar etwas zur Fülle neigend und offensichtlich (wirklich erwähnt wird das nicht, doch der Autor impliziert es) mit etwas schütterem Haarwuchs. Zunächst einmal hat man den Eindruck, Büsing würde so ziemlich alles für Geld machen, doch dann lernt man ihn besser kennen. Er arbeitet gut, seine detektivischen Fähigkeiten kommen immer wieder zum Tragen. Manchmal ist er schlauer als die Polizei und ihr um eine Nasenlänge voraus, dann wieder ist es umgekehrt. Überhaupt legt Zweyer seinen Helden als eine interessante Figur mit ihrem ganz eigenen Charme und Witz an. Büsing wird im Verlauf des Romans immer mehr zu einem Spielball, ohne es zu merken. Teilweise ist das schon mehr als lustig zu lesen, wenn er nachts erwacht und Gianna in seinen Sachen wühlend vorfindet - sich aber, abgesehen von einer kurzen Frage - nichts weiter dabei denkt. An anderer Stelle überrascht der Autor seine Leser. Mit dem "Anagramm"-Rätsel hatte er mich tatsächlich kalt erwischt, und bis Büsing selbst herausfand, worum es ging, rätselte ich herum, was denn nun ein Anagramm war, welcher Name. Nun, nicht zuviel des Lobes, obwohl ich wirklich nur eine Stelle gefunden habe, an der etwas nicht ganz korrektes (wenn auch nachvollziehbares) steht: Es geht um die beiden Tag-und-Nacht-Gleichen, als die Wendepunkt Frühling und Herbst. Natürlich ist es verführerisch, wenn man die Daten der Sonnenwenden kennt, diese um ein Vierteljahr vor oder zurückzurechnen, aber leider nicht ganz korrekt. Die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche findet nicht am 21. März statt, sondern bereits am 20., während das Herbst-Aquänoktikum am 23.09. begangen wird, nicht am 21. Kleiner Fehler, dennoch ein wenig ärgerlich, weil er leicht hätte vermieden werden können. Ansonsten aber bleibt über dieses Buch nur zu sagen: Ein hervorragender Krimi, der Lust auf mehr macht. Interessantes Thema, interessante Figuren, einfach Spaß am Lesen haben. Herstellerinfo: Mediterranes Flair, vorchristliche Mythen und ein modernes Verbrechen. Versicherungsdetektiv Jean-Paul Büsing soll die Himmelsscheibe von Nebra wiederbeschaffen. Aber als auch die attraktive Wissenschaftlerin Gianna Rossi auf mysteriöse Art verschwindet, beschäftigt Büsing nur noch die Frage: Wo ist Gianna?
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