Online Rezensionen->alle->Albions Alpträume: Zombies!  

Zurück zur Startseite des X-Zines Diskutiert mit uns Unterstützt uns durch Bestellungen Fantasy-Bücher und -Geschichten Science-Fiction-Bücher und -Geschichten Horror-Bücher und -Geschichten Rollenspiele Trading Card Games PC- und Konsolenspiele Musik Comix

Bedienungsanleitung

Zurück zur Startseite des X-Zines

Erweiterte Suche

Albions Alpträume: Zombies!

Kane, Paul; Dioiaiuti, Walter

Rezension von Hyndara

Zombies ... Welche Assoziationen regen sich da im Innern dessen, der auch nur den Titel dieses Buches liest? Diese tölpelhaften Geschöpfe, die eigentlich tot und begraben in ihren Särgen liegen sollten, es aber nicht tun. Verfaulende Leichname, die schlurfenden, unsicheren Schrittes durch die Straßen ziehen, auf der Suche nach frischem Blut und Hirn.

Meine eigenen Erfahrungen mit dieser Klasse der vielschichtigen Horror-Monster hält sich eigentlich nicht gerade die Waage. Ehrlich gesagt, kannte ich vor der Lektüre nur ein gutes Zombie-Werk, vor dem ich als Kind (ja, so lange kenne ich es schon) Alptraumnächte durchlebte. Nun, und dann fiel mir dieses Buch der Eloy Edictions in die Hände ...

Schon allein das Cover mutet zum Gruseln an und ist nichts für Zartbesaitete. Ein Kopf ist darauf dargestellt, verwaschen und mit sich ablösendem Fleisch. Ein Alptraum - und doch wohl das beste, was diesem Buch passieren konnte. So wird man erst wirklich auf das Werk aufmerksam. Hier schon einmal also das erste große Plus für diese Grafik von David Magitis. Ein Cover, das schon allein einen Preis verdient hätte.

Im Vorwort "They Will Not Rest" geht Simon Clark der Frage nach, was denn nun eigentlich ein Zombie ist - ohne einer wirklichen Antwort auch nur nahe zu kommen. Das ganze ist auch allzu verzwickt, kennt man als Horror-Leser doch einige Kreaturen, deren Unleben auf dem ersten Blick durchaus mit einem Zombie verwechselt werden könnte - ja, selbst der berühmte Vampir-Graf Dracula zählt letztendlich dazu.

Eröffnet wird die Anthologie mit der Geschichte "Der Strand" von Tim Lebdon. Und schon allein mit seinen knappen drei Seiten gelingt es ihm, den Leser letztendlich zu fesseln, so daß man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Hilflos wird der Leser in eine raue, unwirkliche Welt am Ende der Zeit entlassen. Ende der Zeit? Nun, zumindest der Lebensspanne. Ein phantastisches Endzeitgemälde, mit nur wenigen Worten dahingeworfen. Klasse!

Christopher Fowler scheint seinen Titel geradezu dahinzuseufzen: "Nacht für Nacht die lebenden Toten". Die Toten stehen auf, doch sie sind nicht die hirnfressenden, blutverschmierten, torkelnden Geschöpfe, die wir alle so gut zu kennen glauben. Nein, sie wollen wieder zurück nach Hause, in ihr Leben zurückkehren. Die Auflösung verrate ich hier nicht, erwähne aber, daß sie die ganze Storyline auf den Kopf zu stellen scheint - bis der Leser einmal wirklich über das eben Gelesene nachzudenken beginnt. Eine Horrorstory, in der sich eine Gesellschaftskritik verbirgt - interessante Lösung.

Stuart Youngs Protagonistin sieht "Das Gesicht am Fenster" und ist erst einmal mehr als erschrocken darüber. Was dann aber kommt - es bleibe dem Interessierten selbst überlassen, sich daraus sein Bild zu machen. Auf jeden Fall sehr humorvoll und nicht wieder einen Schlag gegen die heutige Gesellschaft. Mein zweites Highlight in dieser Anthologie.

Wo wir dann auch gleich bei meiner persönlichen Lieblingsgeschichte sind: Simon Bestwicks "Starkys Town". Ein junger Filmemacher auf dem Weg, die Reportage seines Lebens zu machen - leider so ganz anders als gewollt. Mit 31 Seiten zwar die längste Geschichte des Buches, aber einfach hervorragend geschrieben. Der Stil hart, die Bilder genial gezeichnet. Und wieder Kritik an der Gesellschaft vor unserer Tür. Einfach klasse und ein MUSS!

Mark West dagegen schlägt eher etwas leisere Töne an mit seiner "auferstandenen Ehefrau". Deren Mann trauert sehr um seine zu jung Dahingeschiedene. Ob er es mit seinem sehnlichsten Wunsch, sie wieder bei sich zu haben, oder aus eigenem Antrieb schafft, plötzlich steht sie wieder vor ihm - und er hat das Problem, wie er ihr Wiedererscheinen vor der Welt verbergen kann. Nicht ganz ohne Humor, mir persönlich will der Schluß aber nicht so ganz schmecken (ich alte Anti-Romantikerin, ich).

John B. Ford entführt den Leser in seiner "Macht des Bösen" in eine surreale Welt, die direkt aus Lovecrafts Geist zu stammen scheint. Nun ja, nicht gerade die Großen Alten, aber immerhin. Die Toten nehmen eine Stadt ein. Hier zeigen sich die Zombies sehr unzombiehaft, vielmehr scheinen sie intelligent zu sein, oder von einer gewissen Intelligenz gesteuert zu werden.

Simon Clark zeigt dem Leser "Das brennende Tor", durch das die Zombies ins Paradies entkommen wollen. Wunderschöne, kraftvolle Bilder und eine entfernte Hoffnung, der wohl jeder erliegen würde. Ein weiteres Highlight.

Tony Richards trifft auf "Die schöne Unbekannte" und zeigt damit mal einen Grund für das Zombietum auf Erden. Natürlich, wer hätte das nicht vermuten können! Seine Zombies haben absolut nichts mit den zerfallenen Leichnamen zu tun, die wir üblicherweise unter Zombies verstehen. Im Gegenteil, sie sind sanftmütig, ja, geradezu hilflos, und überirdisch schön. Und dennoch gelingt es einigen von ihnen, Menschen in den Wahnsinn zu treiben ...

Paul Kanes Vision "Lebenslänglich" scheint auf dem ersten Blick eher dem Genre Science Fiction anzugehören, trägt aber mehr als nur einen Hauch von Horror in sich, denn was wir unter lebenslänglich verstehen, ist nicht das, was Joseph (der Prota) zu erleiden hat. Der Begriff "Zombie" ist hier zwar weit in den Hintergrund gerutscht, dennoch aber wiederum wahr. Eine Geschichte zum Nachdenken, deren tieferer Sinn sich einem erst später erschließt.

Derek M. Fox hat keine Probleme, an "Rohmaterial" zu kommen. Leider ist dies die einzige Geschichte, die mir so gar nicht zusagen wollte. Der Übergang vom reinen Horror zum Surrealen war mir zu hart und abrupt. Doch an für sich eine interessante Idee, die der Autor da umsetzt, wenn auch leider schon öfter benutzt.

Paul Finch dagegen sieht "Jemanden im Garten". Ja, wer das wohl sein mag ... Der Nachbar jedenfalls erweist sich als sehr neugierig und will es unbedingt herausfinden. Mit einem Augenzwinkern zu lesen, und Zombies mal von ihrer anderen Seite. Hey, es wäre auch zu langweilig, den ganzen Tag Gehirne zu essen, man muß mal ausspannen. Ach, übrigens, man gebe mir die Adresse, ich hätte da auch noch das eine oder andere zu tun ...

Len Maynard und Mick Sims bilden mit ihrer Geschichte "Die Rettung" den Abschluß der Anthologie. Und sie endet, wie sie begonnen hat. In einer Endzeit, in der die Menschen um ihr Überleben kämpfen oder von den Zombie-Horden überrannt werden. Maguiere, der Protag, macht die Bekanntschaft einer jungen Frau, die vor seinem Haus von Zombies angegriffen wird. Doch die Rettung für ihn ist sie nur bedingt ... Eine harte, aber realistische Geschichte über Opferbereitschaft und Menschlichkeit. Hier sei der letzte Stern der Highlights vergeben.

Das Nachwort von Tobias Bachmann sei hier nicht unerwähnt. Mit seiner Einschätzung über die Geschichten lag er größtenteils mit mir konform, und es macht Spaß, ihm zuzulesen. Haben die Zombies dich schon erreicht?

Ein negatives Wort muß ich dennoch über das Buch sagen. Es ist teilweise schlecht lektoriert. Vor allem bei "Starkys Town", "Rohmaterial" und "Die Rettung" sind mir diverse Schnitzer aufgefallen, dazu kommen noch einige Druckfehler mehr im Buch. Es ist schade, ein solches Kleinod der Horror-Literatur mit so vielen Fehler zu behaften. Und selbst in der Neuen Deutschen Rechtsschreibung wird "ließ" wenigstens mit "ss" geschrieben, nicht nur mit einem "s".

Ansonsten aber ein Buch, das jeder Horror-Fan in seinem Bücherregal stehen haben sollte. Ein MUSS in der Zombie-Literatur, höchster Lesegenuß, angenehmes Gruseln. Man liest es nicht, man verschlingt es!

Herstellerinfo:
Diese von Paul Kane und Walter Dioiaiuti herausgegebene Anthologie vereint die berühmtesten und teilweise mit literarischen Preisen ausgezeichneten Autoren. Ein echtes Karussell des Grauens.

Datenbank:0.0018 Webservice:0.1029 Querverweise:0.0086 Infos:0.0008 Verlag,Serie:0.0009 Cover:2.7219 Meinungen:0.0015 Rezi:0.0002 Kompett:2.8390

 

Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

Links

 

Shopping:
kauf mich 2nd Hand bei abebooks

Infos Paul Kane:
Biographie von Paul Kane
Schattentänzer

Infos Eloy Edictions:
über den Hersteller
Produkte im X-Zine

Navigation:
Zurück
Druckerversion

Weblinks:
Eloy Edictions, Augsburg

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

England

Zeit:

heute

Autor:

Kane, Paul

Verlag:

Eloy Edictions, Augsburg

Erschienen:

Dez. 2005

Kritiker:

Hyndara

ISBN:

3-938-41104-X

ISBN(13):

978-3-9384-110-9

EAN:

9783938411049

Typ:

Hardcover

 

Paul Kane

 

Paul Kane ist 1973 in Chesterfield (England) geboren. Er ist Künstler und Photograph und unterrichtet Creative Writing und Kunst & Design am Chesterfield College in England. [mehr]

 

  [mehr]
 

Werbung

  booklooker.de - Der Flohmarkt für Bücher

 
Buch24.de - Bücher versandkostenfrei
 
Libri.de - Und Bücher kommen immer gut an