 | Todesmuster Rezension von Reigam Aus der Reihe "Kriminalhauptkommissar Konstantin Kirchenberg" Gut 2 Jahre nach seinem preisgekrönten Erstlingswerk "Leichensache" (Friedrich Glauser Preis 2004 für das beste Krimidebüt) erschien im Juni 2005 der neue Roman "Todesmuster" von Norbert Horst. Natürlich dreht sich die Geschichte wieder um Kriminalhauptkommissar Konstantin Kirchenberg und sein MK Team. Das broschierte, gut 280 Seiten starke Taschenbuch wird wieder vom Goldmann Verlag verlegt und kostet 7,95€
Die Story: Kommissar Kirchenberg ist gerade erst aus dem Urlaub zurück, als ihn die Nachricht vom Tod seines Kollegen Robert Peters erreicht, welcher im Alter von nur 46 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Konstantin Kirchenberg - von seinen Kollegen meist Konni genannt - übernimmt einige von Peters ungeklärten Fällen, darunter auch einen wenig spektakulären Vorgang im Dörfchen Ingsen. Vor einer still gelegten Erzmine hat ein Pilzsucher eine Blutspur entdeckt, was sich zunächst nach einer langweiligen Routine-Aufgabe anhört. Im Inneren der Mine entdeckt Kirchenberg einen unheimlichen Raum, es scheint, als ob dort ein Mensch tagelang gefangen und gefoltert worden wäre. Spätestens als die Spurensicherung dort eine riesige Blutlache entdeckt, wird aus dem scheinbaren Routinefall plötzlich eine handfeste Mord-Ermittlung.
Konni und seine Kollegen beginnen ihre Ermittlungen in Ingsen, doch die dortige Dorfgemeinschaft begegnet den Ermittlern aus der Stadt mit einer Mischung aus Neugier und Ablehnung. Eines Morgens befindet sich ein anonymer Hinweis in der Post, Thomas Walcher wird des Verbrechens beschuldigt, jedoch ohne konkreten Beweis. Schnell wird deutlich, dass es im Dorf einige Personen mit einer dunklen Vergangenheit gibt. Das unbekannte Schicksal des Opfers macht es den Ermittlern schwer, einen konkreten Ansatzpunkt zu finden. Kirchenberg und sein Team müssen viel spekulieren und extrem kreativ sein, um diesen mysteriösen Mord ohne Leiche aufzuklären.
Die echte Story ;) Soweit die Rezensenten-Pflicht. Ja, wir haben es hier mit einem Krimi zu tun, mit Mord und polizeilichen Ermittlungen. Doch das ist nur die äußere Hülle, eigentlich sind wir für 11 Tage Konstantin Kirchenberg, erleben, was er erlebt. Wir lesen nicht, wie er wann, wo etwas macht, wir sind in seinem Kopf und erleben das Geschehen aus seiner Sicht, wir sind Konni! Nicht nur in den entscheidenden Momenten, sondern auch oder gerade im alltäglichen Leben mit all seinen Tücken und Eindrücken.
Ein Beispiel:(Zitat/Seite 26) Wenig Verkehr. Mittagszeit. Rot. Im Rückspiegel zwei Ausländer, erzählen mit wilden Gesten, lachen, Grün. Sie biegen links ab. An der nächsten Ampel eine langhaarige Blonde im Rückspiegel. Langhaarige Blonde sehen irgendwie alle gleich aus. Sie zupft sich etwas aus den Wimpern, überprüft im Spiegel den Lippenstift, zieht mit dem kleinen Finger nach. Grün. Heidelberger Weg müsste die nächste sein. (Ende Zitat)
Der Autor Norbert Horst, selbst Kriminalhauptkommissar bei der Bielefelder Polizei, versteht es wie kaum ein anderer, sich und den Leser in eine Person hinein zu versetzen. Als Computerspieler würde man dazu wahrscheinlich Ego-Shooter (besser: Sim Life) sagen, für Leser ein einmaliges und sehr intensives Erlebnis. Kommissar Kirchenberg ist kein Fachidiotm sondern eine sehr vielschichtige Persönlichkeit, mit Tagträumen über das weibliche Geschlecht, diversen Affären, aber auch Trauerm als seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wird und er die Wahrheit für seine Schwester erfährt.
Ein weiteres Highlight sind die detaillierten Ortsbeschreibungen des Autors, mit etwas Phantasie braucht man nur die Augen schließen, die Worte projizieren von selbst ein genaues Bild in den Kopf der Lesers. Fast ohne es zu bemerkenm kommt man dem Täter immer näher, keine plötzlichen Eingaben im Traum oder Zeugenm die aus dem Nichts auftauchen, sondern solide Kleinarbeit und Spurenm die sich auch mal als falsch erweisen. Der Autor wirft seine ganze Erfahrung als Ermittler und Kenner interner Abläufe in die Waagschale, heraus kommt ein spannender, höchst glaubwürdiger Krimi der besonderen Art.
Fazit: Obwohl schon geschehenm möchte ich noch ein ganz persönliches Fazit hinzufügen. Norbert Horst hat es nach meiner Ansicht einfach rausm seine Leser mitzunehmen, nicht wie so oft aus sicherer Distanz quasi als Beobachter von außen, sondern live mit den Augen von Konni die Geschichte zu erleben. Das verlangt vom Leser eine Portion Phantasie und Flexibilität, die Gedankenwelt von Kirchenberg ist komplex und nicht in jeder Situation sofort zu durchschauen. Mein Tipp: anlesen, innerlich loslassen und einfach immer weiter lesen und erleben. Wer das kann, erlebt einen Krimi der Sonderklasse; wer sich lieber an gewohnte Perspektiven und eindeutige Positionen klammert, dürfte an diesem Buch allerdings wenig Vergnügen finden.
Eure Meinungen:
| Es ist schön sich auch egal an welcher Stelle sich selbsts zu finden und zu erkennen in seinen " Träumen". [erwin krukenfellner] |
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