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617 Grad Celsius

Eckert, Horst

Rezension von Claus Kerkhoff

(Verlagstext) Der Mord an dem jungen Maler Daniel, der wie ein Bruder für sie war, bringt die Welt der Kripobeamtin Anna Winkler ins Wanken. Trotzdem gelingt es ihr, zur Verurteilung des Täters beizutragen. Ein Jahr später explodiert ein Wohnhaus, es gibt Tote – an der Gasleitung wurde manipuliert. Als die Identität der Opfer feststeht, erkennt Anna, dass sie den Mord an Daniel neu überdenken muss: Die beiden Fälle hängen zusammen. Und bald deutet eine Spur nicht nur auf ihren Onkel Uwe Strom, der als Ministerpräsident vor der Wiederwahl steht. Auch Annas eigener Vater, früher selbst bei der Polizei und jetzt Landtagsabgeordneter, scheint ein düsteres Geheimnis zu hüten.

Im Mittelpunkt des neuen Romans „617 Grad Celsius“ von Horst Eckert steht die Düsseldorfer Kripobeamtin Anna Winkler. Anna stammt aus einer gut-bürgerlichen Familie. Ihr Vater Bernd Winkler, ehemaliger Polizist, ist heute Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und ihr Onkel gar Ministerpräsident des Landes. Anna Winkler kehrt vorzeitig von einem zweijährigen EU-Einsatz aus Bosnien aufgrund der ernsten Erkrankung ihres Vaters zurück. Dieser Auslandseinsatz war nicht ganz freiwillig. Sie konnte damit einem drohenden Disziplinarverfahren zuvor kommen, weil sie bei der Überführung des Mörders ihres Jugendfreundes Daniel Lohse unlautere Mittel anwendete: Sie erpreßte den Mitbewohner des Mörders zu einem Widerruf seiner Aussage, daß er mit dem Täter zum fraglichen Zeitpunkt des Mordes zusammen gewesen wäre. Aufgrund dieses Widerrufs sowie einer Falschaussage von Daniels Mutter Karin Lohse wurde der Täter dann verurteilt.
Anna Winkler bleibt wenig Zeit, sich auf ihre neue, alte Umgebung einzustellen, denn ihr wird der Fall einer Gasexplosion in einem angeblich leerstehenden Wohnhaus übertragen. Bei den Aufräumarbeiten werden die Leichen von acht illegalen Arbeitern aus der Ukraine sowie die Leiche des Videokünstlers Peter Uhlig entdeckt. Weitere Ermittlungen ergeben, daß die Gasleitungen manipuliert wurden und der tote Videokünstler Verbindungen zu Daniel Lohse hatte. Bald entdeckt Anna Winkler Verbindungen zu einem 20 Jahre zurück liegenden ominösen Selbstmord eines erfolgreichen Musikers sowie weitere Hinweise, die auf eine Beteiligung ihres Vaters, seines Freundes Michael Lohse und ihres Onkels, der ob seiner Beteiligung an Schmiergeldaffären und Vertuschungsversuche seiner bisexuellen Orientierung um seinen Wahlsieg fürchtet, an den drei Fällen schließen lassen.

Horst Eckerts neuster Polizeiroman spielt auf drei zeitlichen Ebenen, die vielfach miteinander verwoben und verknüpft sind. In Rückblenden erzählt Horst Eckert vom sozialen Aufstieg Bernd Winklers. Als einfacher Polizeibeamter hilft Bernd Winkler anfangs den Mächtigen mit Gefälligkeiten, fordert dann eine Belohnung für seine Hilfestellungen und wird so nach und nach zu einem mächtigen Landtagsabgeordneten, der im Hintergrund die Strippen zieht.
Und wie jeder gute Polizeiroman ist auch „617 Grad Celsius“ ein Gesellschaftsroman. In Horst Eckerts Roman agieren keine Helden, denn keiner ist ohne Schuld. Anna Winkler hatte die Ermittlungen nach dem Mörder von Daniel Lohse manipuliert, aus Furcht der Mörder könnte ungestraft davon kommen. Jetzt begibt sie sich tapfer auf eine schmerzhafte Spurensuche - wohl ahnend, dass sie die dunklen Seiten ihrer Familiengeschichte erfahren wird.
Horst Eckert entlarvt in seinem Roman die Mechanismen, über welche Menschen (auch mit Idealen) politisch korrumpiert werden. „617 Grad Celsius“ - die Temperatur, bei der sich Erdgas entzündet - wird so zu einem Symbol für den Flammpunkt einer Gesellschaft, die ob der Alltäglichkeit der Wahrheitsverdrehung, der politischen Opportunität und Korruption sowie der Verfilzung zu zerfallen droht.
617 Grad Celsius“ ist ein spannender, verzwickter Roman. Einziger Malus ist der Dreh mit dem Serienmörder. Da wirkt der Roman doch ein wenig überplottet. Das schmälert das Lesevergnügen aber nur wenig!

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(Entspannend)

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Eckert, Horst

Verlag:

Grafit, Dortmund

Erschienen:

Apr. 2005

Kritiker:

Claus Kerkhoff

ISBN:

3-894-25297-9

ISBN(13):

978-3-8942-529-7

EAN:

9783894252977

Typ:

Taschenbuch

 

Horst Eckert

 

1959 in Weiden geboren, wuchs Eckert in Pressath auf. Er entwickelte seine Liebe zur deutschen Sprache, als die Zeitung über einen bis heute ungeklärten Mord an einem Weidener Bordellbesitzer und einen Raubüberfall berichtete. Er studierte in Erlangen Soziologie und Politische Wissenschaft [mehr]

 

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