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Auch Pünktlichkeit kann töten

Christie, Agatha; Schwarz, Martin Maria (Sprecher)

Rezension von Jörg von Bilavsky
Aus der Reihe "Hercule Poirot"

Besonders wohl scheint sich der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot in der Gesellschaft des englischen Adels nicht zu fühlen. Das mag vielleicht daran liegen, dass sich beide Seiten in punkto Arroganz in nichts nachstehen und immer wieder zu überbieten suchen. Doch diese charakterlichen Schrullen hindern Poirot nicht daran, einer Einladung des exzentrischen Sir Gervase zu folgen, der ihn in einer wichtigen privaten Angelegenheit zu sprechen wünscht. Obwohl Poirot ursprünglich dieser eher nach einem Befehl klingenden Bitte nicht nachzukommen bereit war, treibt ihn seine unstillbare Neugier doch noch zum Stammsitz des uralten Adelsgeschlechts. Als er dort mit Verspätung ankommt, trifft er nur noch die Verwandten und Freunde des Ratsuchenden lebendig an. Der Gastgeber hat sein Geheimnis pünktlich um acht Uhr mit ins Jenseits genommen.

Natürlich gehört Poirot zu den Ersten, die den Tatort in Augenschein nehmen: Gervase´ Arbeitszimmer, das er nun genauestens unter sein legendäres „Monokel“ nimmt. Alles deutet zunächst darauf hin, dass es sich um einen Selbstmord handelt: die von innen abgeschlossene Tür, die Pistole in der Hand des Toten, der Abschiedbrief. Nur nicht der durch einen Schuss zersplitterte Spiegel. Denn dieser konnte nur zu Bruch gegangen sein, wenn Sir Gervase beim Abdrücken der Pistole eine „vollkommen unbequeme Stellung“ eingenommen hätte, wie Poirot sofort feststellt. Während der herbeigerufene Kriminalist, Major Riddle, bis zum Schluss auf Selbstmord tippt, sucht der Meisterdetektiv in den Aussagen der Anwesenden nach weiteren Hinweisen auf einen Mord.

Wie immer kitzelt der Meisterdetektiv aus jedem Einzelnen heraus, in welchem persönlichen Verhältnis er zum Toten stand und welches Motiv ihn zur Tat verführt haben könnte. Wie in den Poirot-Romanen „Mord im Orient-Express“ oder „Tod auf dem Nil“ haben fast alle Beteiligten ein Motiv. Nicht zuletzt deshalb, weil der Ermordete ein ausgesprochen cholerischer und herrschsüchtiger Ahnherr war. Seine Adoptivtochter und der uneheliche Neffe könnten es auf die Erbschaft abgesehen, sein Privatsekretär einer drohenden Entlassung vorgebeugt und die Geschäftsfreunde einen Skandal verhindert haben. Oder wussten seine Ehefrau oder die zur Abfassung einer Adelschronik engagierte Miss Lingner um ein tödliches Familiengeheimnis, das ihn in den Tod getrieben hat.

Für Poirot ist nach dem Verhörmarathon fast alles klar. Ein Splitter des Spiegels, eine kaputte Papiertüte und die Fußabdrücke vor dem Fenster des Arbeitszimmers geben ihm letzte Gewissheit, bevor er alle Verdächtigen am nächsten Morgen zur Aufklärung des Falles in den herrschaftlichen Salon bittet. Wie immer wird der Täter von ihm auf einzigartige rationalistisch-deduktive Weise überführt. Dies tut er nicht, ohne der raffinierten Vorgehensweise des Täters Respekt zu zollen. Nur so kann seine eigene Leistung vor den Verdächtigten in noch glänzenderem Licht erstrahlen. So ist er eben: der gute alte, nach Anerkennung heischende und selbstverliebte Poirot.

Und genau an dieser Konstruktion kranken viele Erzählungen der „Duchess of Death“, Agatha Christie. „Sie sind viel zu vertrackt ersonnen und enthalten zu wenig von dem, was in der Welt vorgeht“, schreibt Raymond Chandler in seinem glänzenden Essay „Die simple Kunst des Mordes“ von 1950. Monsieur Hercule Poirot ist „ein Typus, vor dem selbst der raffinierteste Verstand schließlich mit offenem Munde dasteht“, merkt Chandler schließlich ironisch an. Denn nach seiner Ansicht ist „kein Mordfall auf der Welt so leicht zu lösen, wie der, wo jemand versucht hat, besonders raffiniert vorzugehen.“ Fehlender Realismus bei der Charakterisierung der Personen und des Tatmotivs lassen die im Jahre 1936 spielende Erzählung denn auch unglaubwürdig erscheinen. Obgleich es dem Sprecher Martin Maria Schwarz mit seiner aristokratisch-gepflegten Stimme gelingt, die zeitlose Atmosphäre des englischen Landlebens in seiner exklusiven Variante plastisch werden zu lassen.

Doch eine dialogreiche Erzählung mit solch unterschiedlichen Charakteren vermag eine Stimme allein nicht zum Klingen zu bringen. Dem durch Kabarett- und Rezitationsabende geschulten Sprecher gelingt es deshalb nur bedingt, den Figuren mit Timbre, Tempo und Tonlage eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. Besonders die Frauenstimmen bildet er akustisch nicht trennscharf ab. Sie geraten oft etwas zu hoch oder zu hastig. Hercule Poirot hingegen, „jenen ingeniösen Belgier, der ein Französisch spricht wie ein wörtlich übersetzender Schuljunge“ (Chandler), charakterisiert der Vortragende durch den süßlich-arroganten Tonfall treffend. Vielleicht hätten die Hörer aber mit einer szenischen Lesung und verteilten Rollen den unterhaltsameren und lebendigeren Abend vor dem heimischen Kamin verbringen können.

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Wertung

 

Gesamt:

(Geht so)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(Langatmig)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Hörbuchproduktionen, Marburg/Lahn

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

England

Zeit:

1936

Serie:

Hercule Poirot

Autor:

Christie, Agatha

Verlag:

Hörbuchproduktionen, Marburg/Lahn

Erschienen:

Jan. 2004

Kritiker:

Jörg von Bilavsky

ISBN:

3-896-14279-8

ISBN(13):

978-3-8961-427-5

EAN:

9783896142795

Typ:

Hörbuch

 

Agatha Christie

 

Agatha Christie wurde am 15. September 1890 in Torquay, Devon, England
geboren und starb am 12. Januar 1976. Sie wurde bis zum Alter von 16 Jahren
zu Hause von ihrer Mutter unterrichtet und studierte Musik in Paris.

Im 1. Weltkrieg meldete sich Agatha Christie als freiwillige
Krankenschwester, eine Position, die ihr später hilfreiches, spezielles [mehr]

 

Martin Maria Schwarz

 

Martin Maria Schwarz, geboren 1963 in Frankfurt, arbeitet als Redakteur, Moderator und Autor im Bereich Hörfunk Kultur des Hessischen Rundfunks. Im aktuellen Informationsprogramm ist er zuständig für das Thema »Wein und Genuss«. Außerdem ist er Herausgeber zahlreicher Publikationen zur hessischen Landesgeschichte und Autor von mehreren Hörwerken zur Fußballgeschichte [mehr]

 

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