 | Potsdamer Platz Giovinazzo, BuddyRezension von Claus Kerkhoff Die beiden Hitmen Tony und Hardy reisen im Auftrage ihres Mafia-Chefs Riccardo Montefiore aus New Jersey nach Berlin, um dem türkischen Bauunternehmer Yossario, einem alten Freund Montefiores, beizustehen. Yossario steht in einem blutigen Verdrängungskrieg um Grossaufträge für die Riesenbaustelle am Potsdamer Platz mit einem deutsch-russischen Konsortium, das hervorragende Kontakte zur alten Stasi und russischen Mafia hat. Der Hilferuf Yossarios kommt Montefiore gerade recht, denn er plant eine Expansion ins alte Europa, und die Bauaufträge am Potsdamer Platz sind äußerst lukrativ. Tony und Hardy bilden die ahnungslose Vorhut. Sie sollen mit guter, alter amerikanischer Gewalt entsprechenden Druck auf die Gegenseite ausüben. Doch gleich ihr erster Auftrag geht schief: Bei der Liquidierung einiger gegnerischer Bandenmitglieder massakriert der psychopathische Hardy auch die Tochter des Russenmafia-Chefs und in der Folge eskaliert der Bandenkrieg. „Potsdamer Platz“ ist keine Geschichte für empfindsame und sensible Zeitgenossen. Folter, Vergewaltigung und Morde werden ausführlich und detailliert geschildert. Ihre Beschreibung erspringt aber nicht einer morbiden Lust an der Schilderung blutiger Gewaltorgien, sondern hinter all dem Blut und der Gewalt ist Giovinazzos Roman der Entwicklungsroman eines Hitman, dessen Leben ins Wanken gerät, als er seiner großen Liebe begegnet. Tony ist ein brutaler Killer, der wenig Sympathie verdient und doch gelingt es Giovinazzo, den Leser für seinen Protagonisten einzunehmen. Darin zeigt sich die Klasse und Qualität des Autors. Giovinazzo erzählt in vielen Rückblenden die Kindheit und Jugend Tonys. Er entwickelt ohne kurzschlüssige psychologische Erklärungen das Psychogramm eines jungen Mannes, den eine kaputte Familie, eine gewaltbereite und darwinistisch-geprägte Umwelt sowie die falschen Freunde zur falschen Zeit zu dem gemacht haben, was er heute ist: eine Killermaschine ohne Gefühle und Gewissen. Erst die Ankunft in Berlin, die Konfrontation mit einer ihm unbekannten Kultur und die Begegnung mit seiner großen Liebe bringen Tony dazu, über sich selbst nachzudenken. Er entwickelt Skrupel und ein schlechtes Gewissen, möchte schließlich aussteigen und mit Monica ein normales Leben führen. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht so einfach abstreifen und holt ihn immer wieder ein. Die assoziativen Rückblenden sind eingebettet in eine hochspannende, dramaturgisch zielsichere Handlung, die sich voller Zwangsläufigkeit zu einem furiosen Showdown entwickelt. Buddy Giovinazzo erzählt seine Geschichte sehr filmisch, knappe Beschreibungen, knappe Dialoge. Sein Stil ist lakonisch, trocken und packend. Seine Fähigkeit unvergessliche Charaktere zu schaffen und die atmosphärische Dichte seines Romans machen „Potsdamer Platz“ zu einem herausragenden Kriminalroman. Datenbank:0.0014 Webservice:0.0977 Querverweise:0.1780 Infos:0.0010 Verlag,Serie:0.0009 Cover:0.0001 Meinungen:0.0017 Rezi:0.0003 Kompett:0.2814 |  |