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Mord-Westfalen: Kriminelle Geschichten aus Ostwestfalen-Lippe

Butkus, Günther

Rezension von Arielen

Anthologien sind auch im Krimi-Genre immer ein gewagtes Unterfangen. Die meisten Leser glauben nicht, dass Autoren auf nur wenigen Seiten eine spannende Geschichte erzählen oder gar die Umgebung plastisch werden lassen können.
Mittlerweile haben aber auch Sammlungen zu bestimmten Themen bewiesen, das es durchaus möglich ist. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich dabei die Regionalkrimis, die – wenn die Geschichten vielleicht nicht ganz so gelungen sind – doch durch den Lokalkolorit lebendig werden.
Bisher haben sich in diesem Bereich vor allem Autoren und Autorinnen aus dem Süden hervorgetan, so dass man den Eindruck bekommen könnte, vor allem Bayern und Baden-Württemberg seien wahre Mördergruben. Nun aber zieht endlich auch Nordrhein-Westfalen nach.

„Mord-Westfalen“ beweist, das der gemeinhin als verschlossen und stur geltende Ostwestfale durchaus seine Leichen im Keller haben kann. 26 Geschichten auf fast 400 Seiten erzählen von den dunklen Abgründen in der Region zwischen Bad Oeynhausen, Detmold, Bielefeld, Lippstadt und Paderborn. Günther Buttkus hat eine abwechslungsreiche Sammlung mit höchst unterschiedlichen Geschichten zusammen gestellt, so dass jeder Leser sicherlich einen oder mehrere Favoriten finden kann.
Dem perfekten Mord an nicht mehr ganz so geliebten Menschen wenden sich Dietmar Bittrich in „Liebende Kühe“ und Renate Niemann in „Aufwind“ zu. Beide Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein – wo letztere subtil auf die Pointe hinarbeitet, macht erstere keinen Hehl daraus, auf was sie eigentlich abzielt.
Horst Bosetzky, früher bekannt als „-ky“ erzählt in „Im selben Boot“ die Geschichte eines beruflichen Aufstiegs, der sogar über Leichen geht – und das auch noch bei einer Kanufahrt mitten in Bielefeld. Die Stadt ist auch der Schauspiel des Treibens in der „Hollywood-Gruft“, als eine eigentlich harmonisch zusammenlebende Alters-WG beim Tod einer alten Dame zur geldgierigen Betrügerbande mutiert. Nur gut, dass die Frau schon vorgesorgt hatte.
„Das Haus gegenüber“ von Sandra Niermeyer beginnt mit der faszinierenden Studie einer Frau, der es endlich gelungen ist, der Gewalt ihres Lebenspartners zu entfliehen – nur das Ende überrascht und enttäuscht zugleich.
Als spannender erweist sich da schon „Auftragskiller“ von Erwin Grosche, in der ein vermeintlicher Todeskandidat als Killer fungieren soll, weil er eh nichts mehr zu verlieren hat. Nur die Schlusspointe kann in der ansonsten gelungenen Geschichte nicht so ganz überzeugen.
In „Der Prokurist“ von Markus Winter wird ein Fabrikant von seinem ehemaligen Buchhalter erpresst, der selbst Dreck am Stecken hat. Als er endlich den Mut findet, sich des lästigen Mitwissers zu entledigen, spielt ihm das Schicksal einen bösen Streich. Die grundsolide Geschichte kann vor allem durch das Ende überzeugen, das man so nicht ahnen konnte.
Als wirkliches Highlight erweist sich schließlich Sandra Lüpkes „Irgendwo in Immenhausen“. Auch wenn er eigentlich keine Möglichkeit hat, sie lange mit sich zu führen, sammelt ein älterer Obdachloser Fotoalben mit Inhalt vom Trödel, um sich damit in bessere und schönere Zeiten zu träumen. Doch diesmal rühren ihnen die Bilder besonders an und verleiten ihn dazu, mit einem Kumpel nach Immenhausen im Sauerland zu Reisen, um einem Geheimnis nachzugehen, das hinter den Bildern steckt.
Gleichzeitig anrührend menschlich und spannend entwickelt sich hier eine Geschichte, die am ende mit einem Schock zurück lässt.
Eher mysteriös wie Akte-X erweist sich „Sommersonnenwende“ von Nina George. Wie jedes Jahr versammeln sich Mitte Juni viele Esoteriker und andere Verrückte um die Externsteine. Diesmal ist auch ein Freundeskreis dabei, der in den Bann eines geheimnisvollen Todesschreis gerät. Aber sind hier wirklich übernatürliche Mächte am Werk? Gemeinsam versuchen sie das heraus zu finden, ehe es für sie zu spät ist. Auch wenn das Werk nicht ganz perfekt ist, was die Ausführung angeht, so lassen doch die Ideen auf einiges hoffen.

Dies sind nur einige der Geschichten in dieser Sammlung, die Bielefeld, Paderborn und das Lipperland zum Schauplatz gemeinster menschlicher Grausamkeiten und tiefster psychischer Abgründe machen.
Vielleicht sind nicht alle Geschichten gelungen und schwach in der Pointe, aber keine von ihnen ist wirklich schlecht. Vielmehr zeigen die Erzählungen, dass auch die ansonsten eher wenig beachtete Region einiges zu bieten hat.
Den Autoren gelingt es durchweg, die Schauplätze ihrer Handlung zum Leben zu erwecken und auch für den Ortsunkundigen plastisch darzustellen. Und wer die Region schon einmal besucht hat, wird die Atmosphäre der Gegend oder die Mentalität der Menschen problemlos wieder erkennen können.

Das macht „Mord-Westfalen“ jedenfalls zu einer Anthologie, die man sich als Freund von regionalen Krimis jedenfalls nicht entgehen lassen sollte.

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(Entspannend)

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Butkus, Günther

Verlag:

Pendragon, Bielefeld

Erschienen:

Sep. 2008

Kritiker:

Arielen

ISBN:

9-783-86532-1114

ISBN(13):

978-9-7838-653-7

EAN:

9789783865327

Typ:

Taschenbuch

 

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