 | Chamäleon Cacho Rezension von Jens FleischhauerMan stelle sich einmal vor, dass man die Augen auf macht und feststellt, dass man sich nicht bewegen kann und in einem Krankenhausbett liegt. So geht es dem Protagonisten in „Chamäleon Cacho“, der sich unversehens in einem Provinzkrankenhaus in Argentinien befindet. Doch wacht er nicht nur nach einem schweren Unfall, ohne Bewegungsfähigkeit auf, er befindet sich plötzlich in einer seltsamen Situation. Journalisten bestürmen sein Krankenzimmer und interessieren sich für den anderen Mann, der vollkommen einbandagiert im Nachbarbett liegt. Über die Polizei und die Schwestern hört der Mann, dass sein Zimmergenosse ein Indio sein soll, der zwei seiner Familienmitglieder umbrachte und sich selbst versuchte zu verbrennen. Aber die Polizei ist sich dessen nicht ganz sicher. Da trifft es sich bestens, dass der Protagonist selbst Journalist ist. Er wittert eine spannende Geschichte, die er nun als erster erfahren muss. Geschickt schafft er es dem Einbandagierten immer dann, wenn sie ungestört und wach sind, Informationen zu entlocken, die anscheinend zu mehreren Geschichten gehören. Eine der Geschichten handelt von ihm selbst, dem Indio, der sich selbst angezündet haben soll. Doch die anderen Geschichten handeln von mehreren Leuten, die allesamt Cacho genannt werden. Einer von ihnen ist ein Dealer, der andere ein Priester. Der einbandagierte Indio berichtet aus dem Leben dieser beiden Cachos, doch nach und nach wird es eindeutig, beide sind ein und dieselbe Person. Aber es wird noch spannender, denn dieser Cacho scheint von der Bundespolizei gesucht zu werden und wird als das Chamäleon bezeichnet. So fühlt sich der Journalist vor allem auf der Spur dieses Cachos und fragt sich, wie dieser mit dem religiösen Indio in Verbindung steht, der im Nachbarbett liegt.
„Chamäleon Cacho“ ist kein typischer Kriminalroman, da es keine tatsächlichen Ermittlungen gibt, sondern primär ein Bericht über einen Verbrecher vorliegt. Der Indio erzählt die Geschichte über Cacho, wie dieser Probleme mit der Polizei bekommt und flüchten muss. Es ist somit die Geschichte über einen Verbrecher und seine bevorstehende Verhaftung. Dies sind die Elemente, die zu einem Krimi passen, aber die Art und Weise der Erzählung unterscheidet sich stark von gewöhnlichen Krimis. Die Entwicklung des Buchs ist sehr überraschend und lässt die gesamte Geschichte stärker wie einen Krimi erscheinen. Argemí hat gekonnt die Geschichte sich entwickeln lassen, vorhersehbar ist der Verlauf nicht und gibt dem Buch eine sehr gelungene Wendung. Neben der Geschichte um das Chamäleon Cacho, die durch den Verletzten erzählt wird, tauchen ebenfalls Aspekte der argentinischen Geschichte auf, vor allem der Kampf gegen die Militärdiktatur, die eingebaut und thematisiert werden. Dadurch erhält die Erzählung auch eine die argentinische Geschichte verarbeitende Ebene, die sich neben die sehr interessante und bis zum Ende des Buchs kaum durchschaubare Geschichte um das Chamäleon stellt. Inhaltlich ist die Erzählung sehr gelungen, da sie eine durchgehend sehr interessante und spannende Geschichte erzählt, verbunden ist dies auch noch mit einem literarisch ansprechenden Stil. Hat man das Buch einmal angefangen, dann schaffen es die einzelnen Handlungsfäden den Leser in ihren Bann zu ziehen, mit der Absicht ihre Zusammenführung zu erfahren. Dies, verbunden mit dem Stil, macht das Buch nicht nur zu einer gelungenen, sondern auch innovativen Geschichte, die neben Unterhaltung auch die Möglichkeit zu tiefgründigen Überlegungen bietet. Alle diese Komponenten machen „Chamäleon Cacho“ zu einem ganz eigenen, sich überraschend entwickelnden und durchweg spannenden Krimi.
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