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Nacht über Algier

Khadra, Yasmina

Rezension von CK

Algerien im Sommer 1988. Professor Allouche ist Psychiater und Leiter einer psychiatrischen Anstalt. Vor Jahren hatte er einen namenlosen Serienkiller behandelt, der jetzt aufgrund eines präsidentiellen Gnadenerlasses freigelassen werden soll. Allouche hält den Mann noch immer für sehr gefährlich und bittet deshalb seinen Freund Kommissar Llob, den Mann zu überwachen. Llob organisiert die Überwachung ohne Wissen seiner Vorgesetzten, was in Algerien in dieser Zeit nicht ungefährlich ist.
Das ist jedoch nicht das einzige Problem, das Kommissar Llob beschäftigt. Sein Leutnant Lino ist mit der Geliebten von Haj Thobane liiert. Der ist einer der einflussreichsten Männer Algiers und nicht besonders amüsiert über das Treiben der beiden. Thobane macht seinen Einfluss bei Llobs Vorgesetzten geltend, aber Llob ignoriert diesen Druck.
Kurz darauf wird ein Anschlag auf Thobane verübt. Thobane bleibt unverletzt, während sein Chauffeur durch mehrere Schüsse getötet wird. Die Schüsse wurden aus der Waffe von Leutnant Lino abgefeuert. Der behauptet jedoch, die Waffe verloren zu haben und hat zudem für die Tatzeit kein Alibi. Lino wird inhaftiert, landet in einem algerischen Foltergefängnis und wird gefoltert, um ein Geständnis zu erpressen. Llob fürchtet um das Leben von Lino, weshalb er auf eigne Faust mit Ermittlungen beginnt, um Linos Unschuld zu beweisen. Denn trotz aller Indizien ist Kommissar Llob von Linos Unschuld überzeugt. Er glaubt, dass Thobane diesen Anschlag Lino in die Schuhe schieben möchte.
Bei einem weiteren erfolglosen Anschlag auf Thobane wird der Namenlose erschossen, dieses Mal mit Linos Waffe in der Hand. Welche Rolle spielte der Namenlose und warum kennt niemand seine Identität? Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Namenlosen? Eine Antwort hat vielleicht die junge, attraktive Journalistin Soria Karadach. Ihre Recherchen weisen auf ein Massaker in den letzten Tagen des Unabhängigkeitskrieges gegen Frankreich im August 1962 hin, das anscheinend nur der Namenlose überlebt hat. Haj Thobane war zur gleichen Zeit dort gewesen und war damals der Anführer der Revolutionäre. War Thobane für das Massaker verantwortlich? Zusammen mit der Journalistin beginnt Kommissar Lob mit der Spurensuche, die beide in die dunkle Vergangenheit des Haj Thobane führt. Man begegnet beiden mit Schweigen, aussagewillige Zeugen werden ermordet und beide werden mit Mord bedroht. Doch unbeirrt graben Karadach und Llob das dunkle Geheimnis Thobane aus, ohne zu merken, dass sie Marionetten eines viel größeren Komplotts sind.

Nacht über Algier" spielt Ende der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Algerien. Es sind die Monate vor einem jahrelangen Bürgerkrieg, in dem später radikale Islamisten und die algerische Armee gegeneinander kämpfen und über 120.000 Menschen umkommen. Ursache des Zuspruchs für die radikalen Islamisten war die Verelendung breiter Bevölkerungsschichten und die alltägliche Korruption und Misswirtschaft. Zudem befand sich das Land im festen Griff von Cliquen, die sich zwar untereinander nicht grün, aber im Willen, die Macht im Lande untereinander aufzuteilen, miteinander fest verbunden waren. Diese Cliquen waren ehemalige Unabhängigkeitskämpfer und ihre Günstlinge, die auf Kosten der Allgemeinheit ein luxuriöses Leben lebten. Diese explosive Atmosphäre ist in „Nacht über Algier“ allgegenwärtig und durchdringt diesen Roman.
Kommissar Llob ist ein ehemaliger Unabhängigkeitskämpfer, der weiterhin die Ideale des Unabhängigkeitskampfes hochhält. Er ist integer, charakterstark und lebt mit seiner Familie am Rande des Existenzminimums, weil er an der alltäglichen Korruption nicht teilnimmt. Er ist dickköpfig und unerschrocken. Er ist treu und loyal gegenüber Untergebenen und Freunden. Er verklärt die Vergangenheit, ist aber unabhängig genug, zu erkennen, dass Korruption, Günstlings- und Misswirtschaft für die katastrophale Situation im Land verantwortlich sind und deshalb das Land am Rande eines Bürgerkriegs tanzt.

Nacht über Algier" wurde im Jahre 2004 als bester französischer Krimi mit dem Prix du Meilleur Polar Francophone ausgezeichnet. Der Roman ist ein Prequel zur rabenschwarzen Algier-Trilogie, bestehend aus "Morituri (1997, dt. Morituri)", "Double blanc (1997, dt. Doppelweiß)" und "L´automne des chimères (1998, dt. Herbst der Chimären)", mit denen Yasmina Khadra 1997/98 den internationalen Durchbruch schaffte. Yasmina Khadra ist das Pseudonym des 1956 geborenen algerischen Autors Mohammed Moulessehoul, der als hoher Offizier in der algerischen Armee diente. Wegen der strengen Zensurbestimmungen veröffentlichte er seine Kriminalromane unter dem Namen seiner Frau. Erst nachdem er im Dezember 2000 mit seiner Familie nach Frankreich ins Exil gegangen war, konnte er das Geheimnis um seine Identität lüften.
Nacht über Algier" ist epischer als die Algier-Trilogie, aber nicht weniger düster. In bester hardboiled-Tadition gibt der Roman einen pessimistischen Blick auf ein Land, das innerlich zerrissen ist, und in dem eine kleine Clique vom Reichtum des Landes partizipiert und eine große machtlose Mehrheit ein trostloses Dasein fristet. Yasmina Khadras Roman „Nacht über Algier" ist ein packender, eindringlicher und wortreicher Roman, der mit seiner Kriminalgeschichte Zeitgeschichte einfängt und erklärt. Doch tritt diese politische Verwicklung nie in den Vordergrund. Sie bildet Hintergrund und Rahmen der Kriminalgeschichte, in welcher der eindrucksvolle und charismatische Protagonist Kommissar Llob in seiner ganzen Widersprüchlichkeit die vielen Facetten dieser Zeitenwende einfängt und fokussiert. Empfehlenswert!!!

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Algerien

Zeit:

Ende der 80er Jahre

Autor:

Khadra, Yasmina

Verlag:

Aufbau, Berlin

Erschienen:

Jan. 2008

Kritiker:

CK

ISBN:

3-746-62404-5

ISBN(13):

978-3-7466-240-4

EAN:

9783746624044

Typ:

Taschenbuch

 

Yasmina Khadra

 

Yasmina Khadra ist das Pseudonym von Mohammed Moulessehoul. Der 1955 geborene Autor war hoher Offizier der algerischen Armee. Wegen der strengen Zensurbestimmungen veröffentlichte er seine Llob-Romane unter dem Namen seiner Frau. Erst nachdem er mit seiner Familie im Dezember 2000 nach Frankreich ins Exil gegangen war, konnte er das Geheimnis um seine Identität lüften. [mehr]

 

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