Mensch ohne Hund Rezension von MM Aus der Reihe "Gunnar Babarotti" Eine ganz normale Familienfeier in einer ganz normalen schwedischen Mittelschichtsfamilie wird vorbereitet. Der Leser erlebt die Vorbereitungen mit und bekommt ein Bild vom Charakter der Gastgeber und der zu erwartenden Gäste. Da sind die Eltern, beide pensionierte Lehrer, er sogar ehemaliger stellvertretender Schulleiter, worauf er nicht wenig stolz ist. Da ist Walter, der als missraten angesehene Sohn der Familie, der keinen sozial anerkannten Beruf ausübt, es aber dennoch als Langstreckenläufer und Teilnehmer an einer drittklassigen Fernsehserie – einer Art schwedischem Dschungelcamp - zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Diese Fernsehserie ist auch der Grund warum sich seine Familie so abgrundtief für ihn schämt. Walter ist in einer Folge von der Kamera beim Onanieren erwischt worden, was bei dem Niveau dieser Sendungen doch eigentlich kein dramatischer Aufreger sein sollte. Da ist die Tochter Ebba, erfolgreiche Chirurgin mit ihrem nicht ganz so vorzeigbaren Gatten Leif, der Supermarktleiter ist, und den Söhnen Kristoffer und Henrik. Nicht zu vergessen die andere Tochter Kristina, die mit einem superreichen und äußerst erfolgreichen Fernsehmann, Jakob, verheiratet ist. Der gemeinsame Sohn Kelvin scheint nicht ganz altersgemäß entwickelt zu sein. Gemeinsam haben alle handelnden Personen nur eines: Niemand freut sich auf die bevorstehende Feier, alle würden sich am liebsten vor der Familienfeier drücken. Aber das kommt natürlich nicht in Frage, denn schließlich gilt es ja Karl-Eriks 65. und Ebbas 40. Geburtstag zu feiern und da wollen sich alle zusammenreißen und drei Tage miteinander vertragen. Kurz und gut der neue Nesser ist gleichzeitig Familienroman und Krimi in einem. Der Leser bekommt die unterschiedlichen Charaktere sehr ausdifferenziert dargestellt und es ist bedrückend zu lesen, wie all die soziale Wohlanständigkeit dieser Musterfamilie mit einem Schlag zusammenbricht und sich lebenslänglich unter der Oberfläche gehaltene Probleme auf einmal mit Macht entfalten. Auslöser dafür ist das spurlose Verschwinden zweier Familienmitglieder, nämlich Walters und Henriks. Dieses Verschwinden lässt den anderen keine Wahl mehr, sie können es nicht ignorieren und unter der so wohlgepflegten Oberfläche verstecken. Wie an dieser Konfrontation eine ganze Familie zerbricht, wird mit viel psychologischen Feingefühl dargestellt. Ach so natürlich gibt es in diesem neuen Roman von Hakon Nesser auch Mörder und Ermordete. Ja es gibt auch einen Kommissar, sogar einen völlig neuen - Gunnar Barbarotti – der seine Sache richtig gut macht. Spannung wird hier nicht allein durch die Kriminalhandlung aufgebaut, sondern durch die Beziehungen der Personen untereinander, ihren Umgang miteinander und ihre Motive. Sehr empfehlenswert, ich freue mich schon auf weitere Fälle von Gunnar Babarotti.
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