 | Krimijahrbuch 2007 Rudolph, Dieter Paul; Bacher, Christina; Menke, Ludger; Noller, UlrichRezension von Claus Kerkhoff Brauchen wir Krimileser ein Krimijahrbuch? Ist ein Krimijahrbuch mit Rezensionen zur deutsch- und fremdsprachigen Krimiszene, mit Interviews und Portraits sowie Texten zu Filmen, Serien und Hörbüchern wirklich lesenswert? Die Antwort ist eindeutig „JA“, wenn man genug hat, von den stereotypen Klappentexten, in denen es von Plattitüden wie „sein/ihr bester Roman“, „spannend wie Mankell“, „der legitime Nachfolger von Mankell“ und „das Thrillerereignis dieses Jahres“ wimmelt. Dazu kommen irreführende Aufkleber „Bestes Buch des Monats“ und vieles mehr. Da, wo die Verlagstexte nur noch inhaltsleer und zu reinen Werbebotschaften verkommen sind, wäre es gut, KritikerInnen zu kennen, die den Überblick nicht in der Flut der jährlichen Neuerscheinungen verloren haben und diese einzuordnen wissen. Man muss deren Urteile nicht übernehmen, aber als Tippgeber wäre ein solches Krimijahrbuch unentbehrlich.
Dem Herausgeberteam Christina Bacher, Ludger Menke, Ulrich Noller und Dieter-Paul Rudolph ist dieses mit dem „Krimijahrbuchs 2007“ gelungen. Sie haben eine illustre und kompetente Runde von AutorInnen versammelt, darunter Thomas Wörtche, Tobias Gohlis, Frank Rumpel, Jörg von Bilavsky, Bernd Kochanowski, Ekkehard Knörer, Joachim Feldmann, Gabriele Wolff, u.a. Das Ergebnis sind 340 Seiten Krimikultur vom Feinsten mit den Krimihighlights des vergangenen Jahres, mit Interviews und Porträts, und Axel Bußmers schlägt darüber hinaus noch einen Bogen zum Krimi in Film und Fernsehen. Dazu gibt zahlreiche Rezensionen zu deutschsprachigen KrimischriftstellerInnen wie Friedrich Ani, D.B. Blettenberg, Oliver Bottini, Doris Gercke, Frank Göhre, Merle Kröger, Jens Luckwaldt, Andrea Maria Schenkel und Ulrich Schmid; Interviews mit D.B. Blettenberg, Oliver Bottini, Thomas Kastura und Lena Blaudez. Ein besonderes Schwerpunktthema ist diesmal die quicklebendige Pieke Biermann, die sich als Autorin, Kritikerin und Übersetzerin seit vielen Jahrzehnten mit der Krimiszene in Deutschland beschäftigt.
Platz findet auch der „kriminelle Rest der Welt“. So gibt es Rezensionen zu Romanen von John Le Carré, Michael Connelly, Philip Kerr, Pentti Kirstilä, Robert Littell, Stefano Massaron, Gabriel Trujillo Muñoz, Leonardo Padura, Malcolm Pryce, P.J. Tracy und Fred Vargas, sowie Aufsätze zu Louise Welsh, Marek Krajewski, Helene Tursten und James Lee Burke, zu Lee Childs Reacher-Romane und nicht zuletzt einen kenntnisreichen Beitrag zu Robert B. Parker´s einflussreicher Spenser-Serie. Abgerundet wird das Krimijahrbuch mit zwei Essays des deutschen "Krimipapstes" Thomas Wörtche ("Designermorde" und "Alle wahnsinnig geworden? Über das fatale Bescheiden mit sinnloser Kriminalliteratur"), einem Memento an die im Jahre 2006 verstorbenen Autoren und einer Liste der wichtigsten Krimipreise. Thomas Przybilka listet die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Sekundärliteratur auf.
Mit dem „Krimijahrbuch 2007“ ist jetzt bereits das zweite Krimijahrbuch im NordPark-Verlag erschienen und es hat das Zeug dazu, eine feste Institution zu werden. Das „Krimijahrbuch 2007“ ist spannender Lesestoff, der Lust macht, neue Autoren und ihre Bücher zu entdecken. Ein Muss für alle, die mehr über Krimis wissen wollen. Sehr empfehlenswert!
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