 | Wo Licht und Schatten ist Rezension von Maggy „Wo Licht und Schatten ist“ (oder „sind“ wie man dem Verlag grammatikalisch korrekt entgegenschreien möchte) ist P.D. James siebzehnter Roman. Die Grande Dame des englischen Kriminalromans ist weit über 80 Jahre alt und vermag noch immer mit ihren Krimis die Leser zu fesseln. Dahinter muss eine faszinierende und disziplinierte Persönlichkeit stecken, die so etwas zu schaffen kann. Ich möchte mich jedoch nicht nur ehrfürchtig vor dem Alter der Autorin verneigen, denn dass der Krimi in seiner Gesamtheit (Struktur, Inhalt, Erzählweise) altmodisch ist, mag ich gar nicht verhehlen. Doch James Stil ist im positiven Sinne altmodisch: man kann sagen, sie hat Agatha Christie weiterentwickelt, schreibt solide, die Geschichten sind klassisch, der Personenkreis überschaubar, der Mord geschieht am Anfang der Geschichte und die anschließende Verbrecherjagd wird aus Ermittlersicht erzählt: ein echter whodunit eben. Für diesen Roman hat James die Handlung auf eine kleine Insel vor Cornwall verlegt. Nur wenigen ist die Existenz der Insel bekannt und noch weniger dürfen sie betreten: Combe Island ist eine Oase der Ruhe für prominente Gäste. Diejenigen die hierher kommen dürfen, wünschen Ruhe, die sie nur auf der Insel bekommen. Neben der letzten Erbin der Eigentümerfamilie sind nur wenig Personal und eine überschaubare Gruppe an Gästen auf der Insel. Einer davon, der berühmte Schriftsteller Nathan Olivier, nimmt laut Stiftungsvertrag der Insel eine Sonderstellung ein. Er ist auf der Insel geboren und hat daher ein unbeschränktes Bleiberecht. Er ist ein wahrliches Ekelpaket, der seine Umgebung schikaniert. Er will zukünftig von seinem Bleiberecht stärker Gebrauch machen, was die dauerhaft Ansässigen entsetzt. Aber auch unter den übrigen Gästen schafft er es, sich innerhalb kürzester Zeit unbeliebt zu machen und bevor er seine Drohung, seine Tochter und sein Lektor von der Insel zu verbannen, wahr machen kann, wird er am Leuchtturm (original Titel des Romans ist "Lighthouse") aufgeknüpft aufgefunden. Ein Fall für Adam Dalgliesh, der mit Kate Miskin und Sergeant Francis Benton-Smith auf die Insel kommt, um zu ermitteln. Da in Kürze ein sehr prominentes Treffen auf der Insel statfinden wird, soll möglichst wenig Personal eingeschaltet werden. Daher die kleine Besetzung. Niemand kann die Insel verlassen und niemand hätte sie unbemerkt betreten können, daher ist die Anzahl der Verdächtigen von vorne herein begrenzt. James lässt sich viel Zeit die Figuren, ihre Schicksale, ihre Charaktere zu beschreiben. Diese kleine überschaubare Insel als Handlungsort schafft eine beeindruckende Atmosphäre in einem Mikrokosmos, der eigens für diesen Roman geschaffen wurde. Jeder hat seine eigene Geschichte und eigenen Grund für den Aufenthalt auf der Insel. Der Inselarzt beispielsweise hat den Tod eines Kindes zu verantworten und flüchtete auf die Insel um zu verdrängen, eine Jugendliche ohne Familie und Zukunft wurde von dem Bootsmann auf die Insel gebracht, ein deutscher Gast sucht die wahre Geschichte seines Vaters, der als Soldat auf die Insel gekommen ist und seitdem als verschollen gilt. Jede Figur ist interessant und stimmig. Eine seltsame, nicht zwingend realistische Mischung von Personen machen diesen zwangsweise aufeinander angewiesene Gemeinschaft aus. Alle können sich auf der Insel frei bewegen, aber keiner darf sie verlassen, was selbst die ermittelnden Polizisten zu Gefangenen macht. Dies verstärkt sich noch, als auf der Insel eine kleine SARS-Epidemie ausbricht und die gesamte Insel unter Quarantäne gestellt wird. Zugegebenermaßen ist das etwas dick aufgetragen, verstärkt aber noch mal das beklemmende Gefühl der Gefangenschaft. Der Roman ist ein klassischer Krimi mit interessanten Charakteren und guter Story – sehr spannend mit toller Atmosphäre. Ein typischer englischer Krimi eben, zum Hineinfühlen schön!
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