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Nada

Manchette, Jean-Patrick

Rezension von Maggy

Bereits nach der zweiten Seite ist der größte Teil der Geschichte erzählt: In einen Brief berichtet ein Polizist seiner Mutter von einem Einsatz bei einer Geiselbefreiung. Er rechtfertigt die Befreiungsaktion, bei der die Entführer - eine anarchistische Gruppe – von der Polizei erschossen wurden.
Nach diesem Intro erzählt Manchette in fast filmischen Stil wie diese Entführung vorbereitet und durchgeführt wurde. Vier Männer und eine Frau bilden die anarchistische Gruppe, die den amerikanischen Botschafter aus einem Bordell entführen. Die Gruppe nennt sich Nada und ihre Zusammensetzung ist so unterschiedlich, dass der kleinste gemeinsame politische Nenner sich wohl in Nada auflöst. Die Figuren sind herrlich überzeichnet und skurril: Da ist der Kellner Meyer, der Angst vor seiner durchgeknallten Künstlergattin haben muss. D’Arcy ist an sich ein Problem – zumindest hat er einen problematischen Alkoholkonsum; Epaulard hat bei der Résistance gewirkt, war kurzzeitig Gaullist, schließlich Mitglied bei der Kommunistischen Partei und letztendlich Killer. Niemand kann ernsthaft glauben, dass man nach solchen bewegten Jahren tatsächlich aus purer politischen Überzeugung bei einer Entführung mitmacht. Ganz im Gegensatz zu dem hitzköpfigen Philosophielehrer Treuffais, der das Manifest der Gruppe verfasst hat, schließlich aber doch zum Bedenkenträger wird. Mit von der Partie ist Cash, die einzige Frau in der Gruppe, die auf dem Gehöft wohnt, auf dem die Geisel untergebracht wird. Buenaventura, der Katalane ist der eigentlich Kopf der Bande, wobei bei einer anarchistischen Gruppe natürlich solche hierarchischen Denkstrukturen verpönt sind.
Mit der Entführung will die Gruppe eine Veröffentlichung ihres Manifestes erzwingen und 200.000 Dollar Lösegeld erpressen. Die Polizei kommt relativ schnell dahinter, wo sich die Gruppe befindet und das eingangs erwähnte Gemetzel führt schließlich zu einem Aufeinandertreffen des skrupellosen Kommissars Goémond mit dem einzig überlebenden Anarchisten.
Dieser Roman ist ein Zeitdokument, der Auszüge aus der Gesellschaft Anfang der 1970er Jahre zeigt, die in einem minimalistischen, mit schwarzem Humor gewürzten Stil auf den Schusswechsel zwischen Polizei und Anarchisten reduziert wird und schließlich in einem Zweikampf gipfelt. Die Ziele der Entführer, die polizeiliche Ermittlungsarbeit sind keine Themen mit denen sich Manchette beschäftigt, sondern die schon als kriegerisch zu bezeichnende Auseinandersetzung zwischen Entführer und Polizei interessieren ihn. Der nüchterne Stil Manchettes beschreibt die Handlung fast filmisch (Nada wurde von keinem geringeren als Chabrol verfilmt).

Dankenswerter Weise sind dem Roman Worterklärungen angefügt und auch einige Deutungen der Namen, denn Manchette benutzte gerne „sprechende“ Namen für seine Charaktere, die deren Eigenschaften beschreiben (Gourand = der Schiefgewickelte; Schmoulou = der Trottel) S. 215.

Wer Manchette noch nicht kennt, empfehle ich als Einstieg den „zeitlosen“ Roman Fatal zu wählen, um den Humor und Stil des Autors kennen (und schätzen) zu lernen.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos Jean-Patrick Manchette:
Biographie von Jean-Patrick Manchette
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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Frankreich

Zeit:

1970er

Autor:

Manchette, Jean-Patrick

Verlag:

Distel Literatur, Heilbronn

Erschienen:

Feb. 2002

Kritiker:

Maggy

ISBN:

3-923-20855-3

ISBN(13):

978-3-9232-085-5

EAN:

9783923208555

Typ:

Taschenbuch

 

Jean-Patrick Manchette

 

Der Name Jean-Patrick Manchette ist eng mit der Erneuerung des französischen Krimis verknüpft. Er gilt als Begründer des Neo-Polar, der französischen Antwort auf amerikanische hard boiled-Krimis. Seine Krimis zeichnen sich durch knappen Schreibstil, Sozialkritik und bitterbösen Humor aus [mehr]

 

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