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Game over

Kerr, Philip

Rezension von Jim Melzig

Le Corbusier, van der Rohe, Frank Lloyd Wright - der Autor macht keinen Hehl aus seiner Verehrung der Architekturdogen und versucht die Architekturgeschichte durch seine Romanfigur des Baumeisters Richardson weiterzuentwickeln. Intelligente Gebäude, gesteuert von einem Hochleistungsrechner, sind Richardsons Ambitionen. Sein jüngster Bau, ein gigantischer Büroturm, soll von Abraham verwaltet werden. Erdbebensicher, schusssicher, narrensicher, alles wird von der Maschine geregelt. Die Empfangsdame ist ein Hologramm, nach der Toilette spült Abraham den Hintern und saugt die unerquicklichen Düfte ab. Da ist es natürlich schon reizvoll, so einen Superrechner verrückt spielen zu lassen. Das ist auch gar nicht abwegig, denn die Science Fiction Literatur ist voll von herrschsüchtigen Computern - natürlich immer auf Kosten der Menschen. Die Voraussetzungen sind erfüllt. Abraham ist ein selbstevolvierendes System, vollgestopft mit fuzzy logic- Algorithmen, der Traum eines jeden KI-Forschers, oder vielleicht auch Alptraum, den der Rechner entwickelt ein Bewußtsein. Und wo bleibt die Ethik? Maschinen, die ethisch handeln gibt es für den Autor nicht, Asimovs Robotergesetze, ein frommer Wunsch. Der Rechner ist demnach nicht einmal wirklich böse, das Problem ist nur, das nur zur falschen Zeit, die falschen Computerspiele mit Abraham gespielt wurden. Und jetzt ist alles nur ein Spiel und die Menschen im Bürogebäude Gegner. Man könnte also sagen, das Computerspiele nicht den Menschen, sondern den Computer gewalttätig machen. Kerr tobt sich aus. Mit perfider Phantasie zaubert er immer wieder neue Hinrichtungsvarianten ins Computerhirn. Mal leise, mal laut, aber immer ausgesprochen fies und bizarr. Das zermürbt die Übrigen und eingeschlossen fragen sie sich nun, wer bis zum "Game over" der nächste der zehn kleinen Negerlein ist. Dazwischen philosophiert der Rechner und der Freund des Genres erinnert sich an die Bombe in Darkstar. Kerr gibt sich Mühe, sein Maschinenmonster bekommt ein fraktales Gesicht und darf sich auch noch in eigener Sprache äußern, so wird Tod zum "Schlußleben". Interessiert man sich nicht für moderne Architektur, ist aber trotzdem gewillt die ersten hundert Seiten durchzustehen, wird man mit einer raffinierten, anspruchsvollen und zynischen Technologiekritik belohnt. Aber von Kerr ist man ja auch nichts anderes gewohn

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Kerr, Philip

Verlag:

Wunderlich, Reinbek

Erschienen:

Jan. 2002

Kritiker:

Jim Melzig

Typ:

Taschenbuch

 

Philip Kerr

 

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