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Hellas Channel

Markaris, Petros

Rezension von Monika
Aus der Reihe "Kostas Charitos"

Ein junges albanisches Ehepaar wird ermordet in einem heruntergekommenen Haus in Athen aufgefunden. Kostas Charitos, Chef der Mordkommission, nimmt die Ermittlungen auf. Der Täter - ebenfalls ein Albaner - ist schnell gefaßt und legt ein Geständnis ab. Der Fall ruft kein großes Interesse bei der Presse hervor. Zitat: "Es war ja schließlich kein Grieche zu Schaden gekommen... Untereinander können die Albaner aufführen, was sie wollen. Solange wir genügend Krankenwagen für ihren Abtransport haben."
Doch dann schaltet sich Janna Karajorgi, die Starreporterin des Fernsehsenders Hellas Channel, ein. Sie kündigt für das Nachtjournal hochbrisante Enthüllungen zu dem Fall der ermordeten Albaner an. Dazu kommt es jedoch nicht mehr, da sie tot in ihrer Garderobe aufgefunden wird - durchbohrt von einem Scheinwerferständer. Auch ihre Nachfolgerin Martha Kostarakou fällt bald einem Mordanschlag zum Opfer. Die Ermittlungen führen Kommissar Charitos in die höchsten Kreise der Athener Gesellschaft, wobei immer wieder versucht wird, auf seine Ermittlungen Einfluß zu nehmen. Der Mörder sitzt ihm aber die ganze Zeit sozusagen direkt vor der Nase...
Kostas Charitos, "ein neuer Kommissar am Krimihimmel?" (Klappentext). Auf jeden Fall eine ganz unübliche Art von Kommissar, nämlich ein durch und durch unsympathischer Typ. Daß er seinen Vorgesetzten, der gerade einen Kurs beim FBI absolviert hat und ihn jetzt mit Fremdwörtern wie "Profile" traktiert, nicht ausstehen kann, ist ja noch verständlich. Dazu kommt der ständige Ehekrieg mit seiner Angetrauten Adriani, einem bedauernwerten Wesen, das um jede Drachme zusätzlichen Haushaltsgeldes kämpfen muß und zum Verdruß des Kommissars ständig leckere Gerichte kocht, obwohl der doch viel lieber an einer Straßenecke fettiges Souvlaki aus de Papiertüte essen würde. Auch die Untergebenen ("alles Wichser") haben schwer zu leiden und eigentlich ist er nur zu einem Menschen nett, nämlich zu seiner Tochter Katarina. Die Krönung ist dann noch, daß der Kommissar seine Laufbahn als Helfer der Folterpolizei zu Zeiten der Militärjunta begann.
Es gibt in diesem Roman also keine Identifikationsfigur für den Leser, und daran muß man sich erst mal gewöhnen. Irgendwie hofft man, daß irgendwann doch noch liebenswerte Eigenschaften auftauchen - Fehlanzeige! Außerdem keine Schilderung der Sehenswürdigkeiten von Athen, obwohl auf dem Umschlag die Akropolis abgebildet ist - die wird nicht einmal erwähnt. Stattdessen sehr genaue Schilderungen der Fahrtrouten durch Athen mit Angabe sämtlicher Straßennahmen....
Das Buch ist mit 460 Seiten mindestens 100 Seiten zu lang. Während die ersten 150 Seiten mit der Schilderung zum Mordfall der Albaner noch recht spannend sind, tauchen dann immer neue Personen auf und tragen zur Verwirrung bei. Das Personenverzeichnis am Ende des Buches ist daher sehr hilfreich, denn irgendwann verliert man den Überblick über all die Kolakoglous, Chourdakis, Pylarinos, Sotiropoulos etc. und dann kann man schnell mal nachschlagen.
Alles in allem kein schlechter Krimi, wenn man auf die Identifikationsfigur verzichten kann, aber auch kein besonders guter. Von der Lektüre abraten möchte ich auf jeden Fall denjenigen, die einen Kommissar schätzen, der seine Fälle politisch korrekt abwickelt und ein vorbildliches Familienleben führt.


Eure Meinungen:


Kommissar Kostas Charitos, Leiter der Athener Mordkommission, ist mit den Ermittlungen zu einem Doppelmord an einem albanischen Paar beschäftigt, als die Journalistin Janna Karajorgi beim Fernsehsender Hellas Channel ermordet aufgefunden wird. Die Karajorgi, bei den Kollegen und der Polizei wegen ihrer kaltschnäuzigen und überheblichen Art gleichermaßen unbeliebt, war im Begriff in den Spätnachrichten eine Bombe platzen zu lassen, doch niemand scheint zu wissen, um was es sich handelt, da keine Unterlagen zu der Reportage gefunden werden. Charitos sieht sich in eine undurchsichtige Ermittlung verwickelt, die immer weitere Kreise zieht. Ein vorverurteilter Kinderschänder, der der Karajorgi drohte, als diese ihn in den Knast brachte, sowie ein verschmähter Liebhaber gelten als Tatverdächtige. Erschwert wird ihm die Arbeit durch Eingriffe von höherer Ebene und durch die Journalisten, die sich ebenfalls auf die Jagd nach dem Mörder ihrer Kollegin machen. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord, der die Ermittlungen erneut durcheinander wirbelt. Allen Einmischungen zum Trotz folgt Charitos jedoch stur seinen Instinkten und lässt nicht locker, ehe er auch das letzte Rätsel gelöst hat. Petros Markaris ermöglicht dem Leser in Hellas Channel mit trockenem Humor einen Einblick in die Arbeit der griechischen Kriminalpolizei, der durch die Einmischung der Politik bei ihren Ermittlungen oftmals die Hände gebunden sind – vor allem wenn sie gegen prominente Bürger mit ministeriellen Freunden ermitteln. Mit Kostas Charitos gibt Petros Markaris eine südländische Antwort auf die skandinavischen Kriminalkommissare. Dabei bleibt Charitos sein ganz eigener Charakter, der nicht nur auf den Strassen Athens gegen das Verbrechen ankämpft, sondern auch auf dem Nebenschauplatz in seiner eigenen Wohnung den ein oder anderen Rachefeldzug gegen seine Frau Adriani führt. Gerade seine gelegentlichen Wutausbrüche und seine Sturheit machen diesen Kommissar so menschlich und sympathisch. Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen.
[kiwi]

Am Anfang gewöhnungsbedürftiger Protagonist, aber sobald man sich etwas eingelesen hat besteht auf jeden Fall Suchtgefahr!
[nani]

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Griechenland

Zeit:

90er Jahre

Serie:

Kostas Charitos

Autor:

Markaris, Petros

Verlag:

Diogenes, Zürich

Erschienen:

Jan. 2000

Kritiker:

Monika

ISBN:

3-257-06241-9

ISBN(13):

978-3-2570-624-10

EAN:

97832570624110

Typ:

Hardcover

 

Petros Markaris

 

Petros Markaris ist Verfasser von Theaterstücken, Schöpfer einer beliebten griechischen Fernsehserie, Co-Autor von Theo Angelopoulos (Regisseur von ›Der Bienenzüchter‹, ›Der Blick des Odysseus‹ etc.) und Übersetzer von vielen deutschen Dramatikern, u.a. von Brecht und Goethe. Sein Kommissar Kostas Charitos wird oft in einem Atemzug mit Wallander, Montalbano und Brunetti genannt [mehr]

 

Kostas Charitos

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