Rotkehlchen Rezension von Lina Harry Hole wird zum Kommissionsleiter im Staatsschutz befördert. Eines Tages erhält nun seine neue Abteilung den Hinweis das eine südamerikanische Spezialwaffe nach Norwegen importiert wurde. Harry nimmt sich der Sache und verzwickt sich alsbald in ein wirres Netz von Lügen und Verrat. Die Spur der Verdächtigen führt in die dunkle Vergangenheit Norwegens, zu einer Gruppe Nazikollaborateuren die im Krieg an der Ostfront für Hitler kämpften. So langsam setzt sich das Netz zusammen und weist auf einen gewaltig geplanten Showdown hin: Ein Attentat auf den Thronfolger. Die Geschichte beginnt in kleinen unzusammenhängenden Etappen. Ein Alter Mann erfährt von seinem Arzt dass er nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Er kommt ins nachdenken, da er das Gefühl nicht loswird „seinen Kampf“ noch nicht beendet zu haben. So begibt er sich in Nazikreise, wo ein vorbestrafter Gewaltverbrecher ihm eine Märklin-Waffe für sehr viel Geld besorgt. Der alte Mann plant seine Rache bis ins Detail.... Zwischendurch schwenken wir immer wieder in das Jahr 43/44. An der Ostfront sitzen fünf Jungs die gegen die Russen kämpfen. Alle fünf wurden in Sennheim im Elsass ausgebildet und verbringen nun ihre Zeit hier zwischen Tot, Angst und Verzweiflung. Alle fünf sind bereits ein halbes Jahr an der Front, und man sagt wer ein halbes Jahr überlebt, überlebt den Krieg.... Genau zum Jahreswechsel 43/44 stirbt dann doch noch Daniel, der als eine Art Oberhaupt fungierte. Aber stirbt „Daniel“ wirklich? Was passiert mit den anderen traurigen Gemütern, wie wird der Tod des Anführers verkraftet? Was steckt wirklich hinter der scheinbar belanglosen Geschichte der 5 Jungs? Harry Hole schien mir zunächst mal als eine Art Polizist in skandinavischen Krimis denen ich schon zu Dutzenden begegnet bin. Der etwas schwermütige, verschrobene Polizist hat aber dennoch etwas sehr eigenes und sympathisches an sich. Wie so oft ist auch er trockener Alkoholiker und Single. Die einzig innigere, freundschaftlichere Beziehung ist die zu seiner Kollegin Elena. Dennoch ist Harry Hole nicht wie jeder andere, durch die insgesamt Art seiner Darstellung ist er durchaus interessant, intelligent und manchmal sogar sehr witzig. Urias taucht 1944 im Lazarett zum ersten mal auf, als schon keiner mehr weiss wer von den fünfen dies nun genau ist. Urias ist eigentlich eine biblische Gestalt, der gehörnte Ehemann von der Geliebten König Davids. Hier steht er vielmehr für die gesamte Generation, für die einzelnen Vaterlandsverräter, für die die immer noch meinen auf der „richtigen „ Seite zu kämpfen.... Wer jetzt einen simpel gestrickten Thriller erwartet, täuscht gewaltig. Jo Nesboe webt ganz langsam ein immer dichter werdendes Netz aus Lügen und Verrat. Immer mehr Verbindungen entstehen und immer mehr kommt auch der Leser ins Schleudern. Einerseits vermag man den „Täter“ abzuurteilen - aufgrund der Morde, die er begeht, andererseits beschreibt er aber die damaligen Geschehnisse so, dass der Leser merkt, dass das alles nicht so einfach war wie wir uns das heute vielleicht denken. Der seltsame Name des Buches ist auf die damalige Geheimsprache der Soldaten zurückzuführen. Eigentlich wurde als „Rotkehlchen“ der Gegner bezeichnet der mit einem Bajonette in die Brust gestochen wurde. Hier wurde „Daniel“ als Rotkehlchen bezeichnet, da er den perfekten Halsschlagader – Schnitt ausführen konnte, so dass der Gegner kaum mehr eine Sekunde lebte. Ich gebe die allerhöchste Empfehlung für diesen Thriller. Sehr gut durchdacht, gut konstruiert, unermesslich spannend, schlau und aufwühlend. Ebenso bitter wie gefühlvoll, erschreckend und schön. Ein wirklich gutes Buch für lange Winterabende. Datenbank:0.0009 Webservice:0.1959 Querverweise:0.1252 Infos:0.0013 Verlag,Serie:0.0009 Cover:0.0006 Meinungen:0.0020 Rezi:0.0002 Kompett:0.3274 |