| |  | Im Sog der dunklen Mächte Rezension von Jörg von Bilavsky Aus der Reihe "Berlin-Noir-Trilogie" Nur selten wählen Krimiautoren den Nationalsozialismus als historischen Hintergrund ihrer Geschichten. Philip Kerr hat seinen leidlich unangepassten, dafür aber umso klügeren Helden in drei Romanen auf die Reise durch die dunkle deutsche Vergangenheit geschickt. Ex-Inspektor Bernhard Gunther, der sich 1933 rechtzeitig der nationalsozialistischen Gleichschaltung entzogen hat, ermittelt in der Reichshauptstadt Berlin seitdem als erfolgreicher Privatdetektiv. In diesem Band holen ihn die „dunklen Mächte“ der Gegenwart jedoch unerwartet ein. Auf sanften, aber unmissverständlichen Druck des Chefs der Gestapo, Reinhard Heydrich, wird er Kopf einer Sondereinheit, die eine Serie brutaler Gewaltverbrechen an minderjährigen „blonden“ Mädchen aufklären und das Unvermögen der NS-Kriminalisten kaschieren soll. Dass sein Kompagnon im Rahmen gemeinsamer Ermittlungen zunächst selbst zum Opfer eines Verbrechens wird, gerät schnell aus dem Blick und schmerzt nicht weiter. Was folgt umso mehr. Genauso mühsam und gelangweilt wie Bernhard schleppt sich nun auch der Leser durch das Dickicht der Verdächtigen, der Spuren und der historischen Allgemeinplätze. Das primitiv Böse des Nazi-Regimes gerinnt Kerr in seiner Schilderung der politischen Verhältnisse und Mentalitäten nur allzu oft zum Klischee. Sätze wie „In Deutschland ist alles möglich, solange Hitler in der Reichskanzlei scheißen geht“ tragen die Handschrift eines amerikanischen hard-boiled-Krimis, bei dem der Autor auch in der Charakterisierung seines Anti-Helden immer wieder Anleihen nimmt. Schließlich bedient Gunther sich ähnlich gewaltsamer Gestapo-Methoden, um die entscheidenden Geständnisse zu erzwingen. Umso unglaubwürdiger erscheint der Nazi-Kommissar wider Willen am Schluss, wenn er einsehen muss, dass sein Kampf gegen die „dunklen Mächte“ von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen ist.
Eure Meinungen:
| Ich kann mich der Meinung des Kritikers nicht anschließen. Einer hard-boiled-Story den Vorwurf zu machen, sie sei eine hard-boiled-Story, finde ich schon mal überflüssig! Das Buch stellt von Anfang an den lonesome wolfe in den Mittelpunkt, der mit zynischen Kommentaren und manchmal mit rohen Fäusten versucht, in einer Zeit staatlich verordneten Unrechts das Recht zu schützen. Und die Einsicht, gescheitert zu sein, kommt glaubhaft rüber, weil Gunther ja aus seiner Zeit und mit dem Wissensstand seiner Zeit agiert. Und der Autor beherrscht m.M. nach das Spiel mit der faktenreichen Fiktion. Ich fand alle drei Bernhard-Gunther-Romane spannend und lehrreich unterhaltsam! [Thorsten Wirth] |
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Wir wünschen allen Besuchern viel Spaß mit unseren Seiten, Euer Redaktionsteam, Mai 2002 | | | Gesamt: | | (keine Angabe) | Anspruch: | | (Anstrengend) | Spannung: | | (Langatmig) | Brutalität: | | (Brutal) | |  | | Sprache: | Deutsch | Ort: | Berlin | Zeit: | 1938 | Serie: | Berlin-Noir-Trilogie | Autor: | Kerr, Philip | Verlag: | Rowohlt, Reinbek | Erschienen: | Jan. 1998 | Kritiker: | Jörg von Bilavsky | ISBN: | 3-499-43345-1 | ISBN(13): | 978-3-4994-334-10 | EAN: | 97834994334510 | Typ: | Taschenbuch | |  | | Anfang der 90er Jahre schuf der britische Kriminalautor Philip Kerr den Privatdetektiv Bernhard „Bernie“ Gunther. In einer Mischung aus historischem und Hardboiled-Roman erzählte Philip Kerr die Geschichte eines Mannes, der in der Zeit des verbrecherischen Nazideutschlands versucht, anständig und integer zu bleiben. Die drei Romane „March Violets (1989, dt [mehr] |  | |