 | Der Großaktionär. Ein Fall für Kostas Charitos Rezension von Maggy Aus der Reihe "Kostas Charitos" Kommissar Kostas Charitas ganzer Stolz ist seine Tochter Katerina, die gerade ihren Doktortitel in Jura erlangt hat. Wenn er daran zurück denkt wie skeptisch manche waren, dass die Tochter eines „einfachen“ Kommissars ein Jura-Studium beginnt und auch noch so erfolgreich abschließt, wird sein Stolz noch umso größer. Nach der Abschlussprüfung fährt Katerina mit ihren Eltern nach Hause und dann kommt der erste Wermutstropfen in diese Glückseligkeit, denn sie eröffnet ihren Eltern, dass sie ihren Freund zunächst nicht heiraten, sondern nur mit ihm zusammenziehen will. Dieses Vorhaben entsetzt ihre traditionsbewusste Mutter sehr, während ihr Vater daran zu knabbern hat, dass sie keine Karriere am Gericht anstrebt, wie er sich das schon ausgemalt hat, sondern an der Uni weiterarbeiten möchte. Trotzdem wünschen die Eltern Katerina alles Gute als sie ihre wohlverdienten Ferien nach Kreta antritt. Doch dann bricht das wahre Unglück auf die Familie herein, als die Fähre nach Kreta von Terroristen in ihre Gewalt gebracht wird. Sofort fliegt Charitos und seine Frau nach Kreta um ihrer Tochter nahe zu sein. Doch die Untätigkeit zu der er verdammt ist, quält den Kommissar. Die Antiterrorabteilung muss zunächst herausfinden, um wen es sich bei den Entführern handelt. Da sich diese zunächst nicht zu erkennen geben, ist es für die Ermittler sehr schwierig, eine geeignete Strategie zu entwickeln. Es wird wild spekuliert, gerätselt und wieder verworfen, ob es sich um Islamisten, Palästinenser oder Tschetschenen handelt. Dieses nervenaufreibende Rätselraten ist für alle Beteiligten kaum zu ertragen, während der unbeteiligte Leser in diesem grotesken Schauspiel eine bitterböse Ironie sehen kann. Charitos Vorgesetzter ruft ihn nach Athen zurück, um dort den Fall eines ermordeten Werbestars zu übernehmen. Charitos schafft es kaum sich auf diesen Fall zu konzentrieren, sind doch seine Gedanken ausschließlich bei seiner entführten Tochter. Aber dieser Fall verlangt seine ganze Aufmerksamkeit, denn es zeigt sich, dass der Mörder die ganze Werbebranche bedroht und diese wiederum Druck auf die Polizei ausübt, endlich den Schuldigen zu finden, bevor die Branche zusammenbricht. Markaris behandelt den Themenkomplex Erpressung aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Motiven heraus. Geht es zunächst einmal um das entführte Schiff, konzentriert sich alles darauf die Beweggründe der Entführer herauszufinden. Markaris erzählt das sehr spannend und verlagert aber, bevor die Spannung nachlässt, den Schwerpunkt des Romans wieder nach Athen zur Erpressung der Werbebranche. So wie Markaris den alltäglichen Wahn der Werbeberieselung beschreibt, könnte fast Sympathie mit dem Täter aufkommen. Der Mord verbietet natürlich solche Gedanken. Während der Kommissar schon zu Anfang des Romans von der Werbung hin und wieder genervt wird, zeigt der Autor auch ein witziges Gegenbild, dass sich nämlich Menschen beschweren als es plötzlich keine Werbung mehr im Fernsehen gibt und man sich nun das langweilige Programm ohne Unterbrechung anschauen muss. Markaris erzählt sehr anschaulich, die Handlungen seiner Figuren werden erklärt, der Leser erfährt viel über die Motive der einzelnen Charaktere. Wunderbar beschrieben wird das merkwürdige Verhältnis zwischen den Eheleuten Charitos und auch das gestörte Verhältnis des Kommissars zu seinem Vorgesetzten ist sehr amüsant. Der Roman ist spannend erzählt und neben den Haupthandlungen um die Schiffesentführung und der Erpressung der Werbebranche setzt er dem Athen in der Zeit nach Olympia eine kritische Betrachtung aus. Sehr zu empfehlender spannender Krimi, der interessante Einblicke in die griechische Gesellschaft bietet.
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