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Die Fährte

Nesboe, Jo

Rezension von Claus Kerkhoff
Aus der Reihe "Harry Hole"

Hauptkommissar Harry Hole hat es in „Die Fährte“ gleich mit drei Fällen zu tun: Bei einem Bankraub in Oslo wird die junge Bank-Angestellte Stine Grette von einem maskierten Bankräuber kaltblütig und scheinbar grundlos erschossen. Harry Hole, der mit den Ermittlungen beauftragt wird, kann nicht verstehen, warum der Bankräuber zu einem eiskalten Killer wurde. Was steckt dahinter? Kannten sich der Mörder und das Opfer?
Seine Ermittlungen werden erschwert durch den Mord an Anna, seine Ex-Geliebte. Sie wird in ihrer Wohnung erschossen aufgefunden. Am Abend vorher war Harry Hole mit Anna in ihrer Wohnung verabredet. Als er am nächsten Morgen vollkommen verkatert in seinem Bett aufwacht, kann Hole sich an nichts erinnern. Hole zieht es vor, seinen Kollegen nicht davon zu erzählen, dass er als letzter Augenzeuge Anna lebend gesehen hat. Doch Annas Tod wird schnell als Selbstmord eingeordnet und die Ermittlungen eingestellt. Einen Selbstmord bezweifelt aber Hole und beginnt mit privaten Ermittlungen.
Im dritten Fall untersucht Harry Hole die Ermordung seiner früheren Kollegin Ellen Gjelten. Diese war vor Monaten einem Waffenschmugglerring auf der Spur und ermordet worden (beschrieben in dem Roman „Rotkehlchen“). Hole glaubt, das ein korrupter Polizeikollege der Mörder ist.

Harry Hole ist alkoholkrank und depressiv. Obwohl er ein guter Ermittler ist, hat er es einzig allein seinem Chef zu verdanken, dass er den Polizeidienst trotz seiner Alkoholeskapaden nicht quittieren musste. Sein zuvor desolates Privatleben ist inzwischen weniger desolat, seit er Rakel lieben gelernt hat. Doch Rakel ist im Moment weit weg. Sie kämpft um das Sorgerecht für ihren Sohn in Moskau. Als Hole seine Ex-Geliebte Anna wieder trifft, verabreden sich die beiden. Hole fühlt sich noch immer von Anna körperlich angezogen. Am nächsten Morgen wacht Hole mit einem großen Kater in seinem Bett auf und hat keine Erinnerungen an den Vorabend. Als er von Annas Tod erfährt, ist er schockiert. Obwohl der Tod von den ermittelnden Polizisten schnell als Selbstmord eingestuft wird, hat Hole Zweifel. Es wurde weder ein Abschiedsbrief gefunden noch hatte Anna den Eindruck auf ihn gemacht, sie sei des Lebens müde. Zudem hatte Anna sich durch einen aufgesetzten Schuss in die rechte Schläfe getötet, aber Anna war Linkshänderin. Hole zieht es aber vor, seinen Kollegen nichts davon mitzuteilen, insbesondere weil der korrupte Kollege Tom Waaler die Ermittlungen leitet. Stattdessen beginnt er mit privaten Ermittlungen.
Als Hole in beiden Fällen nicht weiterkommt, besucht er einen bekannten Verbrecher im Gefängnis. Raskol ist als genialer Planer und Organisator verschiedener Verbrechen bekannt, der die kriminelle Szene Norwegens genau kennt. Jetzt soll Raskol Hole dabei helfen, den Bankräuber zu identifizieren. Als Gegenleistung verspricht Hole den Mörder von Anna zu finden, denn Raskol ist Annas Onkel. Raskols Tipp führt Hole und seine Kollegin Beate Lonn nach Brasilien, wo sie den vermeintlichen Täter in dessen Wohnung erhängt auffinden.
Nach ihrer Rückkehr nach Norwegen überschlagen sich die Ereignisse. Hole findet in seinem E-Mail-Konto Nachrichten, die nur der Mörder Annas versandt haben kann. Dieser weiß, das Hole in der Wohnung Annas am Vorabend ihres Todes war. Hole soll seine Ermittlungen einstellen, sonst bekommt die Polizei einen Tipp. Doch dann deckt Tom Waaler auf, dass Hole Annas Geliebter und am Vorabend ihres Todes in ihrer Wohnung war. Jetzt gerät Harry Hole selbst in den Verdacht, der Mörder Annas zu sein. Eine Großfahndung wird eingeleitet und Harry Hole flüchtet in den Untergrund. Denn nur in der Freiheit kann Harry Hole seine Unschuld beweisen und beide Mörder zur Strecke bringen.

Die Fährte“ ist ein spannender, verwickelter Kriminalroman, um einen gegen gängige Klischees gestrickten Protagonisten. Ähnlich anderen skandinavischen Polizisten ist auch Harry Hole depressiv und hat ein kaputtes Privatleben. Aber Harry Hole trägt nicht die ganze jammervolle Welt auf seinen Schultern. Hole hat seine privaten Probleme, aber er hat auch Humor und genügend Distanz zu sich selbst, um zu wissen, dass er für diese Probleme mitverantwortlich ist.
Jo Nesbø verfügt über eine gute Schreibe und hat einen komplexen Plot entworfen, in dem er sehr geschickt unterschiedliche Erzählstränge zu einem komplexen ganzen verwebt. Der Roman besitzt eine feine Balance von Szenen voll knisternder Spannung und Momenten der Ruhe, in denen Nesbø seine Charaktere präzise darstellt und eine beeindruckende Atmosphäre schafft. Empfehlenswert!

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Norwegen

Zeit:

Gegenwart

Serie:

Harry Hole

Autor:

Nesboe, Jo

Verlag:

Ullstein, München

Erschienen:

Mar. 2006

Kritiker:

Claus Kerkhoff

ISBN:

3-548-26388-7

ISBN(13):

978-3-5482-638-5

EAN:

9783548263885

Typ:

Taschenbuch

 

Jo Nesboe

 

Jo Nesbø wurde 1960 in Oslo geboren. Er war zunächst als Finanzanalytiker und Ökonom für die norwegische Handelshochschule in Bergen tätig, arbeitete nebenberuflich als Journalist, bevor er sich als Schriftsteller selbstständig machte. [mehr]

 

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